Kater Coco nennt den Brugger Neumarktplatz und dessen Läden sein Revier. Eine ebenso dorfbekannte Katze hat die Gemeinde Windisch. Kater Savas. Grau-weiss gefleckt, hellrosa Nase, ein aufgeweckter Streuner seit Jahren, ständig unterwegs. «Er ist einfach so», sagt die eigentliche Besitzerin Heidi Leutwyler (63).

Katzen sind eigenwillig, unberechenbar. Sie entscheiden, wo sie sich aufhalten wollen. In den meisten Fällen haben die Menschen dabei nichts zu sagen. Und so hat sich Savas vor über zehn Jahren entschlossen, die Poststelle in Windisch zu seiner zweiten Heimat zu machen. Er wartet jeweils am Morgen vor der Tür auf Erika Christen (57), seit vielen Jahren Poststellenleiterin. Mittlerweile hat sich dies zu einem Ritual der beiden entwickelt. Erika Christen gibt dem Kater ein paar Streicheleinheiten, dann verschwindet er oft wieder und geht irgendwo draussen schlafen. Im Sommer jedenfalls. Im Winter macht es sich Savas gerne mal in einer leeren Post-Kartonschachtel gemütlich oder schaut Erika Christen bei der Arbeit zu.

Kunden freuen sich über Katze

«Savas hat einen grossen Platz in meinem Herzen», sagt Erika Christen. «Er ist immer da.» Savas gehört zur Poststelle dazu. Die meisten Kunden freuen sich, wenn sie den Kater in der Schalterhalle schlafend vorfinden. Mittlerweile fragen einige sogar nach dem Tier oder melden es in der Poststelle, wenn sie sehen, dass er eine Verletzung hat.

In jungen Jahren bot der Kater einige waghalsige Aktionen. So kroch er einmal beinahe durch den Schlitz des Postfachs, um in die Poststelle zu gelangen. Oder er sprang auf den Sims des Postomats, in der verzweifelten Hoffnung, dort einen Eingang in die Filiale zu finden. «Es kam auch vor, dass er auf der Schaltertheke sass und genaustens beobachtete, was da vonstatten ging», erinnert sich Erika Christen und lacht herzlich. Futter gibt sie dem Kater allerdings keines. «Ich weiss, dass Savas Besitzer hat. Darum ist es für mich logisch, dass ich kein Futter gebe», sagt sie.

Savas ist kaum zu Hause

Besitzerin Heidi Leutwyler (63) macht sich nichts daraus, dass ihr Kater praktisch kaum zu Hause ist. «Ändern kann man es ja sowieso nicht», meint sie. «Er mag es halt, rein und raus zu gehen, wie er gerade will. Eine richtige Katze halt.» Ganz im Gegensatz zu Savas’ Bruder, der sich praktisch nur zu Hause aufhielt. Ein Ausflug nach draussen wurde ihm zum Verhängnis – er wurde auf der Strasse überfahren.

Nun bleibt also noch Savas, auch wenn sich der selten zu Hause zeigt. «Ich werde oft darauf angesprochen», sagt Heidi Leutwyler. «Aber ich kann ja Savas nicht befehlen, was er zu tun hat.» Das Einzige, das sie ärgert: «Dass andere Menschen den Kater füttern, obwohl sie wissen, dass er Besitzer hat.»

Vom Untergeschoss in den achten Stock

Etwas Ärger hatte in der Vergangenheit auch die Gemeindeverwaltung Windisch mit dem Kater. Denn Savas stolzierte gerne dort in den Räumen herum. Vom Untergeschoss bis in den obersten achten Stock: Savas streunerte überall herum. Da passierte es ein paar Mal, dass er abends eingeschlossen wurde. Am Morgen hatten die Verwaltungsmitarbeitenden dann wortwörtlich den Dreck. «Darum hat Savas Hausverbot bei uns», sagt Gemeindeschreiber II Stefan Wagner. Wobei Verbot etwas hart ausgedrückt ist: In der Eingangshalle darf sich der Kater noch immer aufhalten. Nur wenn er sich Richtung Treppenhaus bewegt, wird er freundlich hinausspediert. Sicher, dass er dann in der Poststelle nebenan aufgenommen wird.