Wer regelmässig über den Neumarkt-Platz in Brugg schlendert, ist ihm bestimmt schon begegnet: Coco, dem braunschwarz getigerten Kater. Der Neumarkt-Platz und dessen Läden sind sein Revier. Und er ist der König. Die Verkäuferinnen und Verkäufer? Seine Untertanen. Zwei davon haben den Kater besonders ins Herz geschlossen: Markus Schneider vom Wurststand und Simone Thiehatten, Geschäftsführerin des Modeladens Chicorée.

Coco hat immer denselben Tagesablauf: Am Morgen, etwa um Viertel vor acht, schleicht er um den Wurststand. Zum Zmorge gibt es von Schneider jeweils ein Wienerli vom Vortag. Kaum verspeist, streift der Kater ein paar Minuten in seinem Revier herum, dann setzt er sich schon bald vor den Eingang des Modegeschäfts Chicorée und wartet da, oft miauend, auf Simone Thiehatten. Coco weiss, dass er dann ein paar Streicheleinheiten bekommt und zuschauen darf, wie die Verkäuferinnen den Laden staubsaugen.

Auch während des Tages schaut Coco manchmal im Laden vorbei. Auf seinen Streifzügen besucht er das Kleidergeschäft C & A oder den Bücherladen Thalia. Ob Coco besonders modebewusst oder belesen ist, ist leider nicht überliefert. Nur so viel: Coco kommt ursprünglich vom Land. Seine Besitzerin, die 18-jährige Selina Keller, die in der Nähe des Neumarkts wohnt, ist vor zwei Jahren von Roggwil (BE) nach Brugg gezügelt und hat jetzt da ein festes Zuhause, wo er Futter bekommt und übernachtet. Zudem ist er auch gechipt.

Der Kater, der sich die Freiheit auf einem Bauernhof gewöhnt war, musste sich dem städtischen Gebiet anpassen. Das ist ihm schnell gelungen. «Selbst dichtbefahrene Strassen jagen ihm keine Angst ein», erzählt Selina Keller. «Er wartet und schaut, ob ein Auto kommt, bevor er über die Strasse geht.»

Am Anfang hat Selina Keller noch Anrufe von der Polizei erhalten, wenn Coco in einem Laden aufgetaucht ist. «Die Ladenbesitzer meinten, dass er kein Zuhause hat», sagt Selina Keller. «Doch was will ich machen? Ich kann ihm ja nicht befehlen, was er darf und was nicht. Er ist immer noch ein Tier.» Und zu Hause einsperren will sie ihn nicht, weil er sich die Freiheit gewöhnt ist. Die Kunden und Ladenbesitzer haben sich mittlerweile auch an den Kater gewöhnt.

Wenn der Kater gerade mal nicht durch die Läden streift, dann macht er sich gerne auf die Jagd nach Tauben. «Es gibt nicht mehr viele Tauben hier auf dem Neumarktplatz», sagt Wurstverkäufer Markus Schneider. «Ob es wohl an Coco liegt?», fragt er augenzwinkernd. Auf jeden Fall hat er dem Kater schon zugeschaut, wie er auf Tauben-Jagd ging. «Einmal hat er tatsächlich eine erwischt», erinnert sich Schneider. Voller Stolz sei Coco mit der Taube im Maul auf dem Neumarkt hinauf und hinab marschiert, so, als wolle er allen seine Beute zeigen.

Streicheleinheiten von den Passanten mag Coco auch gerne. «Nur wenn zu viele Kinder ihm flattieren wollen, dann kann es sein, dass er diesen mal eins auswischt», erzählt Markus Schneider. Nicht alle Passanten sind freundlich zum Kater. «Es gibt solche, die ihn anschreien, ihm Angst einjagen», sagt Thiehatten. «Auch schon haben Leute mit Steinen nach ihm geworfen.» Das kann sie nicht ertragen. «Wenn ich so etwas sehe, weise ich die Leute zurecht.»

So schnell lässt sich Coco aber nicht vertreiben. Denn schliesslich ist er der König vom Neumarkt. Und ein König schaut zu seinem Reich.

Coco, der König vom Brugger Neumarkt

Coco, der König vom Brugger Neumarkt