Brugg

Kantonshauptstadt der klassischen Musik: Sebastian Bohren hat ein klares Ziel

Der 32-jährige Geiger Sebastian Bohren aus Umiken hat ein klares Ziel für Brugg.

Der 32-jährige Geiger Sebastian Bohren aus Umiken hat ein klares Ziel für Brugg.

Der Umiker Geiger macht Brugg mit seinen Stretta Concerts immer bekannter.

«Ich renne permanent», hat Sebastian Bohren einmal gesagt. Daran wird man erinnert, als der Geiger die Zürcher Hochschule der Künste betritt. Hier hat der Brugger unter anderem einst studiert; hier staunt er jetzt, bevor er lachend sagt: «Diese vielen jungen Menschen – ist das nicht schön?» Der kürzlich 32-jährig gewordene Musiker würde an diesem Ort noch immer als Student durchgehen.

Doch er ist ein reifer, international reüssierender Geiger mit hoher Beachtung. Ob in London, Singapur, Zürich, Basel oder Hamburg, um nur einige Stationen zu nennen: Sebastian Bohren spielt überall dort, wo das Interesse an seiner Kunst – ob als Solist oder als zweiter Geiger im Stradivari Quartett – da ist.

Als sein Zuhause aber bezeichnet er Brugg und die Reformierte Stadtkirche. Dort hat der Teenager vor Jahren angeklopft, weil er unbedingt auftreten wollte, aber nicht wusste, wie er zu Konzerten kommen könnte.

Die Kirche öffnete ihm die Türe – und so verantwortete Sebastian Bohren 2007 erstmals in Eigenregie einen Anlass in der Stadtkirche. Seither sind die inzwischen als Stretta Concerts Brugg bekannten Anlässe eine Institution, die mit einer zweitägigen Kammermusikreihe ergänzt wurde. Die Sitze in den Kirchenbänken sind mittlerweile schon sehr früh besetzt: Für Bohren eine Bestätigung, dass seine mit Bekanntem und Unbekanntem aufwartenden Konzerte beim Publikum ankommen.

Wertschätzung seitens der Stadt Brugg

Dazu trägt auch bei, dass kein Eintritt, sondern eine Kollekte für die Konzerte erhoben wird, «damit diese für alle erschwinglich sind. Das Startkapital ist das Publikum», unterstreicht Bohren und hält deshalb an der Kollekte fest, selbst wenn manche darüber den Kopf schütteln.

Risikofrei ist kein einziges Konzert. Weil das Team aber sehr klein sei und etwa Plakate oder Drucksachen gesponsert würden, funktioniere das Ganze, so Bohren. Dennoch will er die bisher mit keinerlei Subventionen bedachten Stretta Concerts Brugg nun mit einem Gönnerverein stützen.

«Er ist primär dazu da, die Konzerte auf ein geregeltes Fundament zu stellen. Von da können wir dann zu neuen Höhenflügen ansetzen.» Daran hat wohl auch die Stadt Brugg gedacht, denn sie spricht für 2020 erstmals einen Beitrag. Dieser Tage werden Flyer und Anmeldeformulare verschickt. «Wir sind gespannt, was sich daraus ergeben wird», so Bohren.

Der Geiger freut sich über die Wertschätzung, die noch wachsen könnte, will Bohren doch vor allem eines erreichen: «Brugg soll Hauptstadt der klassischen Musik im Aargau werden.» Für die Musikredaktion von SRF 2 ist sie das bereits: Den Stretta Concerts Brugg widmete sie einen längeren Beitrag. Welchen Namen sich die Reihe gemacht hat, zeigt sich an den Engagements renommierter in- und ausländischer Künstler und Ensembles.

In dieser Saison sind das Württembergische Kammerorchester Heilbronn, das Amadeus Chamber Orchestra of the Polish Radio, der Klarinettist Reto Bieri und das Kurzpfälzische Kammerorchester sowie das vom Publikum besonders geliebte Stringendo Zürich zu Gast in der Stadtkirche.

Mit dem Sinfonieorchester Basel kommt es zum Debüt

Im Weihnachtskonzert der jungen Zürcher «gibt es einen Blick auf die Barockzeit aus romantischer Perspektive», so Bohren, und erwähnt sein Tage zuvor in Windisch stattfindendes Konzert mit dem Organisten Jonas Hablützel. Hier spielt er Tartinis Pastorale in A-Dur, die später in Respighis Orchesterversion in Brugg zu hören sein wird.

Wer Sebastian Bohren zuhört, sieht ihn rennen. Wie könnte es bei diesem Energiebündel auch anders sein. Nur dies noch merkt er an und erwähnt das baldige Debüt mit dem Sinfonieorchester Basel unter Ivor Bolton sowie zwei Konzerte mit dem Royal Liverpool Philharmonic unter Andrew Manze.

In der Beatles-Stadt wird er Mendelssohns e-Moll-Konzert spielen, das er als Teenager als erstes grosses Konzert einstudiert hat, sowie Karol Szymanowskis Violinkonzert Nr. 2: Mit diesem hat er 2014 seinen Studienabschluss im KKL Luzern gekrönt.

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