Von 2003 bis 2006 wurde ein Teil des Legionslagers, die Spillmannwiese mit einer Fläche von rund 3900 Quadratmetern, ausgegraben. Das Ergebnis war überwältigend: Tausende von Befunden wurden dokumentiert, Zehntausende Fundobjekte geborgen, 1179 Pläne angefertigt, 4900 Fotos.

Noch nie erfolgte eine so umfassende Auswertung mit wissenschaftlicher Publikation. Das Buch «Am Südtor von Vindonissa» umfasst 1100 Seiten – obwohl sich die Autoren im Wesentlichen auf die Steinbauten beschränkt haben.

Am «Ort des Geschehens»

Das Werk wurde nun öffentlich vorgestellt, und zwar am früheren «Ort des Geschehens», auf dem Grabungsgelände. Kantonsarchäologe Georg Matter zeigte sich hoch erfreut, dieses Werk präsentieren zu können, das auch attraktiv illustriert und gestaltet ist.

Es ist aufgeteilt in den gedruckten Teil (unter anderem mit Grundlagen, kulturhistorischer Auswertung und Spezialthemen wie Münzen, Keramik, Kleinfunde, Inschriften, Archäobiologie und Geoarchäologie) – und einen digitalen Teil mit Detailvorlage und -auswertung der Befunde und Funde (auf der Webseite der Kantonsarchäologie).

Der Kantonsarchäologe bezeichnete das Werk als «Meilenstein in der Erforschung von Vindonissa, der die Bedeutung der Fundstelle für die römische Militärgeschichte unterstreicht. Das Forschungspotenzial ist hier noch lange nicht ausgeschöpft».

Er appellierte an die Verantwortlichen, den kulturhistorischen und archäologischen Schatz in Brugg-Windisch vor seiner Zerstörung zu schützen. Er hoffe, dass solche Grossgrabungen künftig nicht mehr nötig werden. So stelle die bevorstehende Revision der Bau- und Nutzungsordnung Brugg-Windisch eine einmalige Chance dar.

Ein besonderes Kränzchen wand er der Bauherrschaft Walter und Magdalena Spillmann für die hervorragende Zusammenarbeit und das Zustandekommen dieser Archäologiestätte. Der Hauptdank aber ging für die riesige Arbeit an den Grabungs- und Publikationsleiter Jürgen Trumm, an den zweiten Hauptautor Matthias Flück sowie an die Co-Autorinnen und -Autoren.

Viele neue Erkenntnisse

Gemäss Jürgen Trumm konnten viele neue Erkenntnisse gewonnen werden. So lebten höhere Offiziere offenbar mit ihrer Familie im Legionslager, was unter anderem Kindergräber und Spielzeug bestätigen.

Die Lagermauer ist frühestens 72 n. Chr. in Stein ausgebaut worden (vorher Holz). Erstmals lässt sich die südliche Innenbebauung rekonstruieren. Im späten 1. Jh. unterhielt die 11. Legion offenbar zwei Lager gleichzeitig: in Windisch und Rottweil.

Die Wechsel der Legionsbesatzungen sind nun ebenso klar datierbar wie der Abzug im Jahr 101. Das Militär kontrollierte aber das verlassene Lager noch jahrzehntelang. Eine Wiederbelebung des ehemaligen Legionslagers in der Spätantike hat es aber nicht gegeben.