Veltheim

Kanton sieht keinen anderen Parkplatz

Für die künftige Nutzung des Schlosses Wildenstein – unter anderem mit Museum- und Restaurantbetrieb – muss die Nutzungsplanung überarbeitet werden. Archiv az

Für die künftige Nutzung des Schlosses Wildenstein – unter anderem mit Museum- und Restaurantbetrieb – muss die Nutzungsplanung überarbeitet werden. Archiv az

Die Erschliessung des Schlosses Wildenstein sorgt für Zündstoff – benachbarter Landwirt fühlt sich alleine gelassen.

Als Besitzer will Samuel Wehrli das Schloss Wildenstein in Veltheim renovieren und zu einem grossen Teil der Öffentlichkeit zugänglich machen: mit Museum, Platz für kulturelle Angebote, Restaurant sowie Seminar- und Tagungsräumen. Das Engagement des Unternehmers wird geschätzt im Dorf. Unbestritten ist, dass für die künftige Nutzung ein Parkplatz erstellt werden muss. Der Standort aber führt zu heftigen Reaktionen.

An der Orientierungsversammlung zu den Spezialzonen Schloss Wildenstein und Rain letzte Woche gingen die Wogen hoch. Gemäss kantonaler Beurteilung wird für den Normalbetrieb einzig ein Parkplatz auf der nordöstlich gelegenen Parzelle 509 als genehmigungsfähig beurteilt.

Das sei, wurde mehrmals kritisiert, der komplett falsche Standort. Ein Einwohner stellte überdies die Frage, warum sich die Vältner die Lage des Parkplatzes von Aarau diktieren lassen müssten.

Gibt es für die geplanten 54 Autoparkplätze wirklich keine Alternative? Andere Varianten wie beispielsweise beim Schlosshügel wären äusserst störend und sowohl aus Gründen des Denkmalschutzes als auch des Landschaftsschutzes grundsätzlich abzulehnen, antwortet Kreisplaner Reto Candinas vom kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt.

Parzelle 509 als positiv beurteilt

Aus kantonaler Sicht, fügt Candinas an, seien alle Möglichkeiten im Detail geprüft worden. «Weitere zweckmässige Alternativen sind nicht zu erkennen», stellt er fest. «Der Parkplatzentscheid ist aus kantonaler Sicht definitiv.»

Der Standort auf der Parzelle 509 wird gemäss dem Kreisplaner als positiv beurteilt, weil eine gute Abstimmung mit den Bedürfnissen des Denkmalschutzes erreicht werden kann und weil keine Differenzen bestehen zu weiteren übergeordneten Gesetzen und Vorschriften.

Ebenfalls seien gute Möglichkeiten vorhanden zur landschaftlichen Einbettung und zur Abstimmung mit dem benachbarten Reitsportbetrieb. Der Standort bedinge jedoch, räumt Candinas ein, Massnahmen auf dem Schlossweg, die durch die Gemeinde festzulegen sind.

Werde die vorliegende Lösung an den Gemeinderat zurückgewiesen, bestehe die Gefahr, dass das Schloss ohne Parkierungsanlage dastehe und die Spezialzone nicht genehmigt werden könne, lautet Candinas’ Fazit. Dies könne weder im Interesse der Gemeinde noch des Kantons sein.

Plötzlich am falschen Ort

Mit der geplanten neuen Nutzung des Schlosses muss die Nutzungsplanung überarbeitet werden. Heute liegt die altehrwürdige Anlage in der Landwirtschaftszone. Vorgesehen ist neben einer Spezialzone Schloss Wildenstein eine Reduktion der Spezialzone Rain.

Auf diese Weise könnte der heute unmittelbar beim Schloss liegende Landwirtschaftsbetrieb umgesiedelt werden, um die Verkehrsbeziehungen zu entflechten. Die Zufahrt zum vorgesehenen neuen Parkplatz führt just am Hof vorbei.

Der betroffene Landwirt Manfred Streit erklärte an der Orientierungsversammlung, der Betrieb sichere seinen Lebensunterhalt und liege ihm am Herzen. Einfach so verlassen wolle er diesen nicht. Auf sein emotionales Votum habe er diverse Reaktionen erhalten, sagt er knapp eine Woche später am Telefon.

«Von einem Tag auf den anderen soll sich unser Hof am falschen Ort befinden», hält er fest. «Wir werden an die Wand gedrängt. Viele können nicht verstehen, warum wir nach 100 Jahren wegziehen sollen.»

Landwirt braucht Handfestes

Sauer stösst Streit das Vorgehen von Schlossbesitzer und Behörden auf. Seit sechs Jahren werde geplant und renoviert, führt der Landwirt aus. Dagegen sei grundsätzlich nichts einzuwenden und das Schloss präsentiere sich in einem schönen Zustand.

Aber erst jetzt, kurz vor der Eröffnung, werde die Nutzungsplanung zum Thema. «Das empfinde nicht nur ich als störend.» Vom Gemeinderat fühlt er sich alleine gelassen. «Dabei müsste dieser doch die Interessen aller Einwohner vertreten.»

Eine Umsiedlung schliesst Streit übrigens nicht kategorisch aus. Er müsse nicht nur an sich, sondern auch an die nächste Generation denken, ist er sich bewusst. «Ich möchte meinem Junior die Zukunft nicht verbauen.»

Allerdings: «Von einer Lösung sind wir derzeit weit entfernt», gibt er zu bedenken. Denn die Details – sei es zum Bauprojekt selber oder zur Finanzierung – seien nicht geregelt. «Plötzlich soll es schnell gehen. Ich aber muss zuerst etwas Handfestes in den Händen haben.»

Streit erwartet, dass in einem nächsten Schritt die beteiligten Parteien mit offenen Karten spielen und mit konkreten Vorschlägen kommen. «Zum heutigen Zeitpunkt mit den vorliegenden Fakten kann ich weder Ja sagen zu einer Umsiedlung noch zum Bau des Parkplatzes oder zu einer Zonenplanänderung. Für alle Probleme müssen gleichzeitig Lösungen gefunden werden. Nur so funktioniert es.»

Der Gemeinderat und der Schlossbesitzer halten auf Anfrage fest, dass sie die Situation besprechen und sich erst dann zum weiteren Vorgehen äussern wollen. Über die Teiländerung der Nutzungsplanung, ist vorgesehen, entscheidet die Gemeindeversammlung im Juni.

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