Das Wildegger Zementwerk ist dringend auf Rohmaterial angewiesen. In den drei möglichen Abbaugebieten Hard, Grund und Homberg sind die weitere Abklärungen jedoch durch langwierige Gerichtsverfahren stark verzögert worden. Jetzt unterstütz der Kanton Aargau «jura cement» bei der Suche nach einem neuen Abbaugebiet.

Das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) schlägt vor, die Aufnahme des Gebiets «Bäumer» am Fusse der Gisliflue (im Bild grün eingekreist, nördlich von Auenstein) als zusätzliches Untersuchungsgebiet für den Materialabbau im kantonalen Richtplan als Vororientierung zu prüfen. Die Gemeinderäte der betroffenen Gemeinden Auenstein, Oberflachs und Veltheim wurden bereits über das Vorhaben.

«Vitales Interesse der jura cement»

Der Kanton wisse um die langwierigen Verzögerungen bei der Evaluation anderer Abbaugebiete, schreibt das BVU in einer Mitteilung. Zugleich anerkenne der Kanton das vitale Interesse der «jura cement», zeitgerecht ein neues Abbaugebiet zu erschliessen, um die Produktion von Zement am Standort Wildegg weiterhin sichern zu können. Das Gebiet «Bäumer» soll deshalb als vierter möglicher Standort in die Evaluation aufgenommen werden. Die entsprechenden Verfahren an den Standorten Grund, Hard und Homberg werden weiter geführt.

Ziel sei, die Eignung der als Vororientierungen im Richtplan aufgenommenen Standorte - als Untersuchungsgebiete für den Materialabbau - soweit abzuklären, dass die Reduktion auf den bestgeeigneten Standort als Zwischenergebnis oder Festsetzung bald möglich wird. «Erst dann können die weiteren erforderlichen Abwägungen bezüglich der Interessen von Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt vorgenommen werden», so das BVU weiter.

Der durch sämtliche Gerichtsinstanzen geführte Widerstand hat den Evaluationsprozess der «jura cement» für ein neues Abbaugebiet für Kalkstein und Mergel seit neun Jahren faktisch blockiert. Die für die weitere Untersuchung der vorgesehenen Standorte nötigen Probebohrungen konnten bis heute nicht durchgeführt werden.

«Zahlreiche Arbeitsplätze gefährdet»

Fortschritte bei der Suche des neuen Abbaugebiets seien dringend notwendig. «Die aktuellen Verzögerungen bei der Evaluation gefährden die Zukunft des Werks und zahlreiche Arbeitsplätze in der Region», so der Kanton.

Das auf dem Gemeindegebiet von Auenstein, Oberflachs und Veltheim liegende Gebiet «Bäumer» erachtet der Kanton aufgrund der geologischen Erkenntnisse aus den bestehenden Steinbrüchen sowie der Vorevaluation zum Abbau von Kalkstein und Mergel als geeignet. Das Gebiet liegt abseits von Siedlungsgebieten, die Erschliessung sei ökologisch und ökonomisch einfach. Der Abbau könne zudem so vollzogen werden, dass die Abbaustelle - ähnlich dem Gabenkopf in Villigen - die Silhouette des Hügelzugs des Juras kaum beeinflusst.

Obwohl die geologischen Verhältnisse in diesem Gebiet gut bekannt sind, seien dennoch Probebohrungen nötig. Da das geplante Abbaugebiet, wie die anderen möglichen Standorte auch, im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) enthalten ist, müsse der vorübergehenden Beanspruchung mit geeigneten Massnahmen Rechnung getragen werden.