Morgen vor 45 Jahren stimmten die Männer über das eidgenössische und kantonale Frauenstimmrecht ab. Auf Bundesebene wurde die Vorlage mit 65,7 Prozent Ja-Stimmen-Anteil angenommen. Deutlich knapper fiel das Resultat der eidgenössischen Abstimmung am 7. Februar 1971 aber im Kanton Aargau aus: 39 469 Männer (50,2 Prozent) waren dafür und 39 229 dagegen. Das aargauische Frauenstimmrecht befürworteten 40 444 Männer und 37 776 nicht. Gutgeheissen wurden sowohl die eidgenössische wie die kantonale Vorlage in den Bezirken Aarau, Baden, Brugg, Rheinfelden und Zofingen. Abgelehnt wurden sie in den Bezirken Bremgarten, Kulm, Laufenburg, Lenzburg, Muri und Zurzach. Da noch immer Stimmzwang herrschte, betrug die Stimmbeteiligung im Aargau 73 Prozent.

Nur zwölf Jahre zuvor – bei der ersten eidgenössischen Abstimmung über das Frauenstimmrecht 1959 – war der Widerstand gegen die politische Partizipation der Frauen noch viel grösser. Einzig die Kantone Genf, Neuenburg und Waadt hiessen die Vorlage gut. Die Aargauer Männer verwarfen sie mit einem Nein-Stimmen-Anteil von 77,2 Prozent. Alles in allem dauerte es ein ganzes Jahrhundert, um die Bürger von einer notwendig gewordenen radikalen Veränderung zu überzeugen, die es der anderen Hälfte der Bevölkerung ermöglichte, am politischen Geschehen teilzunehmen.

Kontra-Argumente  im Vorfeld der Abstimmung zum Frauenstimmrecht von 1959

Kontra-Argumente im Vorfeld der Abstimmung zum Frauenstimmrecht von 1959

Der Kampf dafür intensivierte sich im Laufe der Zeit auf allen Ebenen. Der Aargauer Regierungsrat machte 1971 in den Erläuterungen zur Abstimmung deutlich, dass er auf das aktive Mitwirken der Frauen nicht mehr länger verzichten kann. Auch von den Parteien kam offiziell kein Widerstand mehr und die Zeitungen druckten praktisch nur noch Inserate mit der Ja-Parole. Dennoch zeigte das Resultat der eidgenössischen Abstimmung über die Einführung des Frauenstimm- und -wahlrechts im Bezirk Brugg mit 3376 Ja- zu 3278 Nein-Stimmen, wie gross die Vorbehalte der Männer gegenüber den Frauen waren. Von den damals 32 Gemeinden in der Region Brugg hiessen nur 11 Kommunen das Begehren gut (siehe Tabelle). Tendenziell sagten die grösseren Gemeinden Ja und die kleineren Nein.

Magere Bilanz nach Jahrzehnten
Schrittweise übernahmen die Frauen politische Ämter. In der Stadt Brugg wurden bei der Gesamterneuerungswahl des Einwohnerrats drei Frauen gewählt. In Windisch waren acht Frauen in der neuen Legislative vertreten. Bisher kamen da zwei Frauen als Einwohnerratspräsidentin zum Zug: Elisabeth Wernli (SP, 1984/85) und Susanne Keller (CVP, 2008/09). In den beiden grössten Gemeinden dauerte es bis 1986 bis mit Silvia Haug in Brugg und Elisabeth (Sabi) Wernli in Windisch eine Frau Mitglied der Exekutive war.

Pro-Argumente im Vorfeld der Abstimmung zum Frauenstimmrecht 1971 können Sie hier anschauen: Emilie Liebherr beim Einmarsch auf Bern.

Besonders mager fällt die Frauenbilanz nach Jahrzehnten in der Gemeinde Unterbözberg aus, die 2013 Teil der Fusionsgemeinde Bözberg wurde: Margrith Märki war dort ab 2000 die erste, einzige und letzte Gemeinderätin.