Hiobsbotschaft

Kahlschlag bei General Electric: In Birr drohte sogar die Standort-Schliessung

Am Donnerstag am Standort in Birr: die nächste Hiobsbotschaft.

Am Donnerstag am Standort in Birr: die nächste Hiobsbotschaft.

Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr streicht General Electric (GE) am Standort Birr viele Stellen. Diskutiert wurde auch die Standortschliessung.

Die Parkplätze bei der Zweigniederlassung der General Electric (GE) in Birr sind gut besetzt an diesem Donnerstagvormittag kurz nach 11 Uhr. Auf dem Areal läuft die Mitarbeiterinformation über den angekündigten Stellenabbau – in englischer Sprache. Für die Deutschsprachigen finde der Anlass am Nachmittag im Keller des «Wydenhofs» statt, erfahren wir von zwei Angestellten, die in den Mittag gehen. Mehr gibt niemand preis.

Die Stimmung ist ruhig, einzeln und in kleinen Gruppen verlassen die Angestellten gegen Mittag das Firmengelände. Einige diskutieren, andere lachen. Später wird bekannt, dass GE am Standort Birr 250 Stellen abbaut. Für die Angestellten ist das schon die zweite Hiobsbotschaft in diesem Jahr. Rückblick: Im Juli dieses Jahres gab der US-Industriekonzern in Birr einen Kahlschlag beim Bereich GE Hydropower Solutions bekannt. Die Abteilung zählte damals 244 Stellen, davon würden bis zu 100 Stellen abgebaut, bestätigte GE-Sprecher Bernd Eitel im Juli.

Es ist ruhig am GE-Standort in Birr am Donnerstag kurz vor Mittag – gegenüber den Medien will sich keine der Mitarbeiter äussern

Es ist ruhig am GE-Standort in Birr am Donnerstag kurz vor Mittag – gegenüber den Medien will sich keine der Mitarbeiter äussern

General Electric will im Aargau 1400 Arbeitsplätze abbauen, der Grossteil soll am Hauptsitz in Baden wegfallen.

Bundesrat hat Gespräche geführt

Offenbar stand bei diesem Stellenabbau in Birr auch die Standortschliessung zur Diskussion. Dass es nun nicht so weit kommt, ist auch der Schweizer Delegation mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann und Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, an der Spitze zu verdanken. Die Delegation setzte sich Mitte Oktober persönlich bei der GE-Konzernspitze in den USA für den Industriestandort Aargau ein.

Gemeindeammann Markus Büttikofer von Birr hatte vor zwei Wochen zum letzten Mal Gespräche mit GE geführt. Dabei habe man ihm gesagt, dass es in Birr Veränderungen geben werde. In welchem Ausmass erfährt Büttikofer aber nicht von GE direkt, sondern am Donnerstag von den Medien. «Natürlich ist es traurig für jeden Arbeitsplatz, der verschwindet», sagt der Ammann. Erleichtert sei er, dass der Standort und damit auch viel Know-how in der Gemeinde erhalten bleibe.

In den besten Zeiten waren laut Büttikofer am Standort Birr 5000 Angestellte beschäftigt. Nach dem jüngsten Abbau sind es noch knapp 1000. Für den Gemeindeammann noch immer eine stattliche Zahl. Die Hoffnung, dass es auch wieder einmal aufwärtsgehen wird, mag er nicht aufgeben. «Bei GE gibt es ja auch Sparten, die gut laufen. Vielleicht kann unser Standort auch einmal davon profitieren», sagt er.

Zur Weiterbildung in Birr

Bei der Eingangspforte zum GE-Areal in Birr hängt eine weisse Tafel «Jobs & Karriere» steht drauf. In der einzigen Ausschreibung wird vom Ausbildungsverbund Aarau/West ein Berufsbildner Fachbereich Technik (Automation) gesucht. Ebenfalls da aufgehängt ist ein Plakat mit dem Hinweis auf Afterwork-Music im Advent in der Villa Boveri.
Ein Mann, der den Fussgängerstreifen bei der Pforte überquert, erklärt auf Englisch, dass er von GE Finnland sei und in Birr eine dreiwöchige Weiterbildung absolviere. Vom Stellenabbau habe er gehört, er wisse aber nicht mehr. Ebenfalls auf Englisch erzählt ein Lastwagenchauffeur, dass er seine Ware erst am Nachmittag abladen könne. Als er hört, dass die Angestellten über einen grösseren Stellenabbau informiert würden, meint er: «Deshalb haben einige schlechte Laune.»

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