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Kabelhersteller Brugg eConnect: Speziallösungen sind genau ihr Fall

Patrick Kern, CEO der Brugg eConnect (links), und Hans Dietiker, Leiter Vertrieb- und Produktmanagement, präsentieren ein patentiertes Höchstleistungs-Ladekabelsystem für bis zu 850 Amp für die zukünftigen Bedürfnisse der E-Mobilität.

Patrick Kern, CEO der Brugg eConnect (links), und Hans Dietiker, Leiter Vertrieb- und Produktmanagement, präsentieren ein patentiertes Höchstleistungs-Ladekabelsystem für bis zu 850 Amp für die zukünftigen Bedürfnisse der E-Mobilität.

Dank des anhaltenden Wachstums sollen an den Produktionsstandorten von Brugg eConnect neue Arbeitsplätze entstehen. Der Kabelproduzent ist tätig in den Zukunftsmärkten der erneuerbaren Energien E-Mobilität und Wind.

Die Reichweite von Elektroautos hat in jüngster Zeit markant zugenommen, die Batterieladezeit hat sich hingegen massiv verringert. Letzteres ist auch der Verdienst der Brugg eConnect. Diese entwickelt und produziert die benötigten leistungsfähigen, hochwertigen Schnellladekabel, mit denen die Energie möglichst verlustarm in die Batterie übertragen wird. Weil in Europa Zehntausende Ladestationen für Elektroautos realisiert werden sollen, herrscht Aufbruchstimmung beim Brugger Unternehmen. Hervorgegangen ist dieses aus den traditionsreichen, 124-jährigen Kabelwerken Brugg.

«Die Voraussetzungen könnten nicht besser sein, die Zukunftsaussichten sind hervorragend», sagen denn auch Patrick Kern und Hans Dietiker. Ersterer ist CEO, letzterer Leiter Vertrieb- und Produktmanagement bei der Brugg eConnect, des spezialisierten Anbieters von kundenspezifischen Kabel- und Verbindungssystemen sowie Zubehör – von Produkten also, die nicht im Baumarkt erhältlich sind, wie sie es auf den Punkt bringen. Beschäftigt werden aktuell 85 Mitarbeitende, die Hälfte am Hauptsitz in Brugg, die andere Hälfte am Konfektionsstandort in Polen.

Die Begeisterung ist ihnen so richtig anzumerken: für ihre Arbeit, für ihre Firma. Der Auftritt ist gewinnend, der Umgang unkompliziert, das Gespräch genauso aufschlussreich wie unterhaltsam. Fast zwei Stunden nehmen sie sich Zeit an diesem Vormittag, posieren bestens gelaunt für das Foto.

Wachstum ist das Ziel, aber nicht zu jedem Preis

Die Brugg eConnect zählt zu den fünf Geschäftssparten der Gruppe Brugg. Mit dem Verkauf der Brugg Kabel AG an den italienischen Energieversorger Terna, ist der Bereich Industrie-Kabelsysteme Ende Oktober 2019 herausgelöst worden. «Innerhalb von wenigen Wochen durften wir die neue KMU-Firma gründen, sozusagen mit einem Start-up-Charakter», blickt Kern zurück. Es sei zwar ein enormer Kraftakt gewesen, aber: «Aufbauen konnten wir auf einem bestehenden Fundament. Das Unternehmen ist sehr gut positioniert, da wir in den vergangenen drei Jahren jedes Jahr ein zweistelliges Wachstum hatten und sehr innovative Produkte herausgebracht haben.»

Dass der Neustart erfolgreich verlaufen konnte, führen Kern und Dietiker ebenfalls zurück auf die sorgfältige Abstimmung mit der ganzen Brugg Gruppe, den engen Kontakt zu Kunden und Lieferanten sowie die umfassende Information der – oft langjährigen – Mitarbeitenden. Diesen habe schnell die erste Beunruhigung genommen werden können, die mit einem solchen einschneidenden Schritt unweigerlich verbunden seien. «Sie sind motiviert, kennen unsere Vision.» Stichwort Vision: Einerseits erwähnten Kern und Dietiker die Wachstumsziele. Bereits im 2019 konnte die Brugg eConnect mit rund 21 Mio. Franken um die 20 Prozent mehr Umsatz generieren als im Vorjahr. Für das laufende Jahr soll ein ähnliches Wachstum erzielt werden. In fünf Jahren will das Unternehmen die Grenze von 30 Mio. Franken überschreiten. Auch die Mitarbeiterzahl werde sich Schritt für Schritt an beiden Standorten erhöhen.

Andererseits weist Kern auf die geplanten, hohen Investitionen hin in die beiden Werkplätze in der Schweiz und in Polen. Am Standort Schweiz wird konstruiert, projektiert – mit der gesamten Werkschöpfungsketten-Abwicklung von Einkauf, Produktion der kundenspezifischen Kabelmeterlösungen bis Auslieferung der Produkte. «Am Standort in Polen werden die entsprechenden Kundenanforderung hinsichtlich Konfektionslösungen produziert», so der CEO. Warum wird nicht gleich die ganze technische Entwicklung in das günstigere Polen verlegt? Solche Überlegungen seien sicher auch schon angestellt worden, antworten Kern und Dietiker. «Für den Verwaltungsrat ist aber seit jeher klar, dass der Hauptsitz in der Schweiz bleibt. Nun soll der Standort gestärkt werden», stellen sie fest und fügen an: «Wir wollen aber nicht um jeden Preis ausbauen, sondern gesund wachsen, zusammen mit dem Markt.»

Die drei grössten Hersteller zählen auf Brugg eConnect

Das Hauptstandbein der Brugg eConnect ist – neben den Zukunftsmärkten E-Mobilität und Wind – der Einsatzbereich Industrieanlagen Maschinenbau. Die Brugger können namhafte grosse Firmen sowie KMU zu ihren Kunden zählen. Oft werden die patentierten, massgeschneiderten Verbindungssysteme gemeinsam mit ihnen entwickelt. Spezialität sind zuverlässige und robuste Kabel, die Eigenschaften wie Hydro­lyse-, Mikroben-, UV- und Ozonbeständigkeit vereinen.

Stolz ist die Brugg eConnect auf das vibrationssichere Spezialkabel samt Stecker für die Betonfräsen der Firma Hilti. Beim ganzen Entwicklungs- und Herstellungsprozess konnten der grosse Erfahrungsschatz sowie die profunden Kenntnisse des Brugger Unternehmens einfliessen. Heute, sagen Kern und Dietiker, beziehen die drei grössten Hersteller von Betonfräsen ihre Kabellösungen bei der Brugg eConnect.

Mit dem Einsatzbereich der erneuerbaren Energien sei schon vor zwei, drei Jahren die richtige Strategie gewählt worden, fahren sie fort. «Wir haben den Nerv der Zeit getroffen, konnten die Entwicklungen vorantreiben.» Als eine Herausforderung bezeichnen sie aber die Administration, weil oft keine Normen existieren für die neuen Technologien und Leistungsstufen. «Die zuständigen Gremien kennen die Produkte noch gar nicht.»

Während bei der E-Mobilität in den nächsten Jahren von einem Wachstum von bis zu 20 Prozent ausgegangen wird, beträgt dieses in der Sparte Wind voraussichtlich bis zu 7 Prozent. «Wollen wir die Vorgaben erreichen bezüglich CO2-Reduktion, kommen wir neben der Sonnenenergie auch nicht um die Windenergie herum», halten Kern und Dietiker fest. Bei der Windenergie herrsche in Deutschland derzeit zwar etwas Flaute, weil die Subventionen gekürzt wurden. Aber das Potenzial sei vorhanden, genauso wie die Akzeptanz. Die Politik halte an den geplanten Windrädern fest.

Verwendet werden bei diesen in der sogenannten Gondel in der Höhe spezielle, strapazierfähige Torsionskabel, damit sich das Maschinenhaus optimal mit den Rotoren in die Windrichtung drehen kann. «Hier liegt unsere Stärke, denn dafür ist ein normal konstruiertes Kabel nicht geeignet», sagt Dietiker. «Am Standort Brugg verfügen wir dafür über eine 16 Meter hohe Testanlage, welche rege benützt wird», ergänzt Kern.

Kurz: «Wir dürfen heute mit Stolz sagen, dass wir über sehr innovative Produkte verfügen, eine breite Palette», fassen Kern und Dietiker mit einem sympathischen Lachen zusammen. «Für industrielle Kabel sind wir einer der Schweizer Branchenführer.»

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Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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