Jura Ost
Bei der Suche nach einem Tiefenlager für radioaktive Abfälle steht eine Weichenstellung an

Die Tätigkeit der Regionalkonferenz Jura Ost hängt stark ab von der Standortwahl für die Vorbereitung des Rahmenbewilligungsgesuchs.

Michael Hunziker
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Die Visualisierung zeigt die Nebenzugangsanlagen eines Tiefenlagers.

Die Visualisierung zeigt die Nebenzugangsanlagen eines Tiefenlagers.

zvg/Nagra

Ein wegweisender Entscheid steht an bei der Suche nach einem Standort für ein geologisches Tiefenlager für radioaktive Abfälle: Voraussichtlich etwa im vierten Quartal 2022 will die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) bekannt geben, für welche Region oder für welche Regionen sie ein Rahmenbe­willigungsgesuch einzureichen gedenkt.

Weitergeführt wird ab 2022 die Arbeit der Regionalkonferenz Jura Ost. Diese vertritt als Partizipationsgremium die Interessen der Region im ganzen Verfahren. Mit Blick auf die neue Legislatur für Gemeindebehörden werde es zu mehreren Mutationen kommen, sodass dem Wissenstransfer sowie der Ausbildung von Neumitgliedern besondere Beachtung geschenkt werde, hält die Regionalkonferenz Jura Ost in einer Medienmitteilung fest.

Einen massgeblichen Einfluss auf die Tätigkeit haben werde die sogenannte Auswahl der Standorte für die Vorbereitung der Rahmenbewilligungsgesuche (ASR). Oder anders gesagt: ob die Region im Auswahlverfahren verbleibe oder zurückgestellt werde.

Von Vorschlägen wird keiner als gut bezeichnet

Rückblick: Mitte September verabschiedete die Vollversammlung der Regionalkonferenz Jura Ost in Linn die definitive Stellungnahme zu den Oberflächeninfrastrukturen eines geologischen Tiefenlagers. Ein Meilenstein nach mehrmaligen, pandemiebedingten Verschiebungen. Die Erarbeitung war in einem aufwendigen, mehrstufigen Prozess erfolgt, mit einem eigens erstellten Bewertungsinstrument. Zur Infrastruktur über dem Boden – die zur Realisierung und zum Betrieb eine geologischen Tiefenlagers gehört – zählen etwa Nebenzugangsanlagen genauso wie Bauten für die Erschliessung oder Ausbruchdeponien.

Auf der Karte eingezeichnet sind die Standorte der Oberflächeninfrastrukturen.

Auf der Karte eingezeichnet sind die Standorte der Oberflächeninfrastrukturen.

zvg/Nagra

Der Oberflächenstandort «Aare West» – inklusive Verpackungsanlage für hochradioaktive Abfälle – beim Paul Scherrer Institut und beim Park Innovaare in Villigen in Kombination mit dem Nebenzugang «Schmidberg» erhält die beste Bewertung. Von den beiden Vorschlägen als Standorte für Lüftungsanlagen nördlich von Riniken schneidet «Matten» bei der Bewertung besser ab gegenüber «Itele». Grundsätzlich aber ist aus Sicht der Regionalkonferenz Jura Ost keine der vorgeschlagenen Varianten als gut zu bezeichnen. Für alle gebe es aus regionaler Sicht Optimierungsbedarf sowie Nachforderungen.

Drei Regionen kommen als Lagerstandorte infrage

Zur Erinnerung: Die Suche nach einem Standort für ein geologisches Tiefenlager verläuft in Etappen. Anfang 2019 hat die dritte und letzte begonnen, die voraussichtlich rund zehn Jahre dauern wird.

Von den ursprünglich sechs Standortregionen sind noch drei im Rennen: Jura Ost im Raum Bözberg, Nördlich Lägern sowie Zürich Nordost. Vorgenommen werden vertiefte Untersuchungen auf die Eignung als Lagerstandorte, unter anderem mit Sondierbohrungen. Zwei wurden durchgeführt in der Gemeinde Bözberg. Im Bohrkeller am Standort «Bözberg 1» nahe der Weiler Ursprung und Vierlinden werden nun Instrumente eingebaut für die Langzeit­beobachtung. Mit dieser können die Daten der Bohrung ergänzt werden.