Veltheim

Jura Cement will Steinbrüche erweitern – Anwohner haben Angst vor Erschütterungen

Die Jura-Cement Fabriken AG wollen die geplanten Steinbrüche Jakobsberg, Unter- und Oberegg erweitern. az-Archiv/Toni Widmer

Die Jura-Cement Fabriken AG wollen die geplanten Steinbrüche Jakobsberg, Unter- und Oberegg erweitern. az-Archiv/Toni Widmer

«Man spürt, dass man nicht so begeistert ist von unseren Plänen», stellte Paul Zosso, Leiter strategische Projekte bei den Jura-Cement-Fabriken AG, fest. Diese hatten zu einem Anlass über die geplante Steinbruch-Erweiterung eingeladen.

Mit der obigen Einschätzung dürfte Paul Zosso, Leiter strategische Projekte bei den Jura-Cement-Fabriken AG (JCF), zweifellos richtig gelegen haben. Zumindest beim zahlreich zum Informationsanlass aufmarschierten Publikum löst die geplante Erweiterung der bestehenden Steinbrüche Jakobsberg, Unter- und Oberegg sowie die Konzentration der Suche nach einem neuen Abbaugebiet auf die Standorte Grund (Schinznach-Dorf) und Bäumer/Gisliflue tatsächlich wenig Begeisterung aus.

«Lebenswichtiges Projekt»

Grund für die geplante Erweiterung der Steinbrüche Jakobsberg, Unter- und Oberegg – sowohl in Richtung Auenstein als auch in Richtung Veltheim – sei der dringende Handlungsbedarf bei der Rohmaterialgewinnung, sagte Stephan Sollberger, Bereichsleiter Produktion und Technik bei der JCF. «Die Erweiterung der Steinbrüche ist ein lebenswichtiges Projekt für die JCF», betonte er. «Wir haben noch bewilligte Rohstoffreserven für 8 bis 10 Jahre.» Mit der, wie er erklärte, «massvollen Erweiterung» der bestehenden Steinbrüche könnte das Rohmaterial für weitere 25 Jahre gesichert werden.

«Mittelfristig», so Stephan Sollberger, «braucht es ein neues Abbaugebiet, das Rohmaterial für weitere rund 60 Jahre liefern kann.» Er gab dabei auch zu bedenken, dass die JCF viel in das Zementwerk Wildegg investiert habe.Das Werk befinde sich heute auf dem neusten Stand der Technik. «Die JCF beantragt daher vertiefte Abklärungen für die Gebiete Bäumer und Grund», erklärte Stephan Sollberger.

Beim Zeithorizont für das Vorliegen der Abbaubewilligungen geht die JCF von 2019 für die Erweiterung der heutigen Steinbrüche und von 2035 für das neue Abbaugebiet aus.

Geologe Christoph Meyer zeigte auf, wie bei der Beurteilung der vier möglichen neuen Abbau-Standorte – Homberg, Hard, Bäumer/Gisliflue und Grund – vorgegangen worden ist. «Hard und Homberg fallen ab», sagte er. «Der Standort Hard wurde schlechter bewertet, weil die Gesteinsvorkommen vor allem beim Kalkstein limitiert sind. Daher ist man zu der neuen Bewertung gekommen.»

«Seele – nicht bloss Landschaft»

In der streckenweise recht leidenschaftlich geführten Frage- und Diskussionsrunde kamen neben grundsätzlichen Argumenten – «Zement könnte importiert werden» – auch gesellschaftliche Aspekte aufs Tapet. «Die Sozioökonomie wird vergessen», wurde aus dem Publikum kritisiert. «Es geht nicht nur um die Landschaft, sondern auch um unsere Seele.»

Auf harsche Kritik stiess die geplante Erweiterung der bestehenden Steinbrüche. «Wir sind entsetzt über den Perimeter», meinte eine Anwohnerin des Steinbruchs. «Wie kann man nur auf eine solche Idee kommen? Man kann doch den Leuten nicht den Boden unter den Füssen abgraben, bloss weil da eine Zementfabrik steht.»

Zu reden gaben auch die Erschütterungen durch die Sprengungen im Steinbruch. «Mit der Erweiterung kommt der Steinbruch noch näher an die Wohngebiete», wurde festgestellt. «Uns tut die Erweiterung sehr weh.»

«Noch ist vieles im Fluss»

Aus Sicht der JCF wies Paul Zosso auf die Bedeutung der Sicherung des Rohstoffs hin – letztlich auch für den Erhalt von Arbeitsplätzen. «Wir hoffen, dass wir eine Lösung finden», sagte er. «Wenn wir keine finden, gehen in Wildegg die Lichter aus. Noch ist aber vieles im Fluss.»

Er gab sich denn auch zuversichtlich, dass es, wie er mehrfach betonte, möglich sein sollte, gemeinsam Lösungen zu finden, die für alle stimmen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1