Auenstein
Jura Cement beisst auf Granit: Gemeinderat gegen neuen Steinbruch Gisliflue

Die Exekutive übernimmt mit ihrer Stellungnahme die Haltung der Bevölkerung. Die Jura Cement JCF soll im Gebiet der Gisliflue keinen neuen Steinbruch anlegen. Die Rohstoffreserven reichen noch für 8 bis 10 Jahre.

Hubert Keller
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Die Steinbrüche Jakobsberg und Oberegg werden von der Jura Cement JCF bereits als Abbaugebiet genutzt. Gegen die Erweiterung und die Erschliessung neuer Gebiete regt sich Widerstand.AZ-Archiv/Widmer

Die Steinbrüche Jakobsberg und Oberegg werden von der Jura Cement JCF bereits als Abbaugebiet genutzt. Gegen die Erweiterung und die Erschliessung neuer Gebiete regt sich Widerstand.AZ-Archiv/Widmer

Der Gemeinderat von Auenstein ist dagegen, dass die Jura Cement (JCF) im Gebiet «Bäumer» an der Gisliflue ein neues Abbaugebiet erschliesst. Er übernimmt damit die Haltung der Bevölkerung, die sich zuletzt an der Gemeindeversammlung vom 15. November gegen die Pläne der JCF ausgesprochen hat.

Damals wurde mit deutlichem Mehr ein Antrag überwiesen, der vom Gemeinderat juristische Abklärungen im Hinblick auf allfällige Probebohrungen und spätere raumplanerische Verfahren forderte. Er sei zwar gegen neue Abbaugebiete, teilt nun der Gemeinderat mit, er verweigere sich aber «Gesprächen mit Bezug auf eine massvolle Erweiterung der bestehenden Abbaugebiete» nicht, allerdings nicht im Umfang des vorgesehenen Richtplaneintrags.

Umfrage bei der Bevölkerung

Der Gemeinderat beabsichtigt, in der Bevölkerung eine Umfrage zur Rohstoffsicherung der Jura Cement JCF durchzuführen. Die Bevölkerung könne so bereits im Rahmen der laufenden Behördenvernehmlassung zu den kurz- und mittelfristigen Absichten der JCF Stellung beziehen.

Regierungsrat Stephan Attiger habe den Gemeinden Auenstein, Schinznach und Veltheim dafür eine Fristverlängerung bis Sommer 2014 eingeräumt. Ursprünglich war die Vernehmlassungsfrist auf Ende 2013 angesetzt. Sobald Abbaustandorte im kantonalen Richtplan festgesetzt werden sollen, werden die entsprechenden Begehren der Bevölkerung zur öffentlichen Mitwirkung unterbreitet.

Die Gemeindeversammlung beschliesst dann im Rahmen der Nutzungsplanungsverfahren (mit allen möglichen Rechtsmittelinstanzen) über zukünftige Abbaugebiete in Auenstein. Der Gemeinderat geht davon aus, dass der Abbau gegen den Willen der Bevölkerung nicht durchgesetzt werden kann. Er schreibt: «Bei einer ablehnenden Haltung darf davon ausgegangen werden, dass die übergeordneten Interessen am Abbau nicht derart gewichtig sind, dass dieser mit Enteignungen oder über den kantonalen Nutzungsplan durchgesetzt werden kann.»

Für Jura Cement lebenswichtig

Die Jura Cement sucht seit Jahren neue Abbaugebiete, unter anderem auch an der Gisliflue. Diese ist im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BNL) eingetragen. Die IG Gisliflue befürchtet, dass mit dem Abbau von 20 Millionen Kubikmeter Kalkstein und Mergel das Landschaftsbild unwiederbringlich verändert wird.

Auf der anderen Seite ist die Erweiterung der Steinbrüche für die Jura Cement JCF existenziell. Sie verfügt noch über Rohstoffreserven, die für 8 bis 10 Jahre reichen. Mit der angestrebten Erweiterung könnte die JCF das Rohmaterial für weitere 25 Jahre sichern.

An einer öffentlichen Informationsveranstaltung im November hatte Stephan Sollberger, Bereichsleiter Produktion und Technik, zu bedenken gegeben, dass die JCF viel in das Zementwerk Wildegg investiert habe. Das Werk befinde sich heute auf dem neusten Stand der Technik. Beim Zeithorizont für das Vorliegen der Abbaubewilligungen geht die JCF von 2019 für die Erweiterung der heutigen Steinbrüche und von 2035 für ein neues Abbaugebiet aus.

Eine Erweiterung ist in den Steinbrüchen Jakobsberg, Unter- und Oberegg vorgesehen. Die Suche nach einem neuen Abbaugebiet konzentriert sich auf die Standorte Grund in Schinznach-Dorf und Bäumer/Gisliflue in Auenstein. Mögliche Abklärungen in Thalheim (Gebiet Hard), Schinznach-Dorf (Grund) und Effingen/Unterbözberg (Homberg) sind blockiert. Mit im Gebiet Homberg geplanten Probebohrungen musste sich das Bundesgericht befassen.