Brugg-Windisch
Jungingenieure zeigen ihre heissen Eisen in der Talentschmiede

Künftige Ingenieure und Informatiker zeigen an der Fachhochschule in Brugg-Windisch spannende Bachelor-Arbeiten. Der Igenieurberuf scheint auch wieder gefragt. Die Zahl der Anmeldungen ist dieses Jahr um 50 Prozent gestiegen.

Hans Lüthi
Merken
Drucken
Teilen
Viviane Gamboni aus Gipf-Oberfrick hat ein Folientransportmodul konzipiert. Das ferne Ziel ist Strom aus der Temperaturdifferenz.

Viviane Gamboni aus Gipf-Oberfrick hat ein Folientransportmodul konzipiert. Das ferne Ziel ist Strom aus der Temperaturdifferenz.

Heike Grasser

Für die künftige Stromerzeugung mit Skitesegeln, wie man sie vom Windsurfen her kennt, kommen zwei Studenten der Hochschule Technik an der FHNW Brugg-Windisch eben von Messungen aus dem Jura zurück. Ihre Bachelor-Arbeit ist eines von vielen Projekten, die am Schluss des letzten Semesters für viel Stress der jungen Leute sorgen. Die zahlreichen Nachwuchs-Ingenieure markieren einen Trendwechsel, die Zahlen sind letztes Jahr auf 400 angestiegen. Das freut die Schweizer Unternehmen, die dringend auf hoch qualifizierte Fachleute angewiesen sind und diese oft im Ausland rekrutieren müssen.

Eine Zunahme um 50 Prozent

«Dieses Jahr haben wir bereits 450 Anmeldungen, das sind 50 Prozent mehr als noch vor zwei Jahren», freut sich Professor Stefan Höchli, Leiter Ausbildung in der FHNW. Das Wachstum stellt auch eine enorme Herausforderung dar, um genügend Plätze zur Verfügung stellen zu können. Beim ganzen Studium besteht eine enge Tuchfühlung zur Industrie, «das sind alles konkrete Industrieprojekte», unterstreicht Höchli. Die Studierenden müssen Teamarbeit lernen und den Kontakt zu den Firmen live erleben – denn alle Theorie bringt in diesem Bereich gar nichts.

Windstrom mit Windsegeln

Die Energie des Windes nicht nur mit fest installierten Anlagen nutzen, sondern auch mit flexiblen Segeln. Das steht hinter dem Projekt Swiss Skate Power, das zwar morgen noch keinen Strom liefert, aber die Studierenden Romeo Rondinelli aus Oberentfelden und Dominik Sommer aus Würenlos arbeiten an den Grundlagen dafür. Ihr Projektleiter Corey Houle ist selber Skite-Surfer und kennt von daher die Kraft des Windes bestens. Die verwendeten Segel sind 10 bis 15 Quadratmeter gross und befinden sich an einem 300 Meter langen Seil. Im Jura haben die beiden jungen Männer mit den leichten Segeln und der 1000 Kilogramm schweren Bodenstation Versuche gemacht. Dank einem neuen Steuersystem ist der Skite jetzt viel leichter lenkbar. Beim Aufstieg rollt eine Seilwinde ab, die mit Motor und Generator verbunden ist und Strom für eine Batterie produzieren kann.

Vorbereitung für eine Pilotanlage

Rondinelli und Sommer sind fasziniert von der Idee solch alternativer Energie und arbeiten mit Empa, ETH und Stromkonzernen zusammen. Das Skite-Projekt befindet sich im Stadium eines Prototyps, mit diesen Erkenntnissen können spätere Studierende eine Pilotanlage bauen.

Mit Strom hat auch die Grundlagenarbeit von Viviane Gamboni aus Gipf-Oberfrick zu tun. Sie hat ein neues Folientransportmodul für thermoelektrische Generatoren konzipiert und bauen lassen. Damit wird die Laserbearbeitung automatisiert. Die Idee dahinter ist für Auftraggeber Green TEG eine Erzeugung von Strom aus der Temperaturdifferenz. In den Kinderschuhen steckt das Verfahren Mikrothermoformen. Beat Christen aus Brugg hat zusammen mit dem Institut für Nanotechnologie am PSI eine Maschine gebaut, die Kunststofffolien unter einem Millimeter formen kann. Eine denkbare Anwendung sind Disketten für die Blutanalyse.

Datenhand und Legasthenie

Hoch konzentriert sitzen in der Informatik junge Männer vor den Bildschirmen der Laptops: Rico Widmer aus Birmenstorf und Lucas Brönnimann aus Nussbaumen mussten sich intensiv mit Physik befassen. Sie haben eine Computerhand konstruiert, «um mit der eigenen Hand an einem anderen Ort etwas tun zu können». Denkbar für Astronautik, Medizin und das Programmieren von Games.

Durch die Augenbewegungen lässt sich feststellen, ob ein Mensch Legastheniker ist. «Für Erwachsene gibt es die nötigen Geräte schon, aber wir haben unser spezielles System für Kinder ausgelegt», betonen Michael Imbach aus Auw und Oliver Beck aus Turgi. Das gelingt mit Infrarot-Lampen und Belichtungszeiten für 130 Bilder pro Sekunde.