Brugg
Junge, wilde Kunst will das Piccadilly im Sturm erobern

Das Jugendhaus wird Schauplatz der Artgau am Wochenende. Im und ums Haus soll Kunstg gezeigt werden, welche sich nicht in einen Bilderrahmen zwängen lässt.

Tabea Baumgartner
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Künstler und Vertreter des OK in vor dem Piccadilly Brugg; von links: Florian Tanner («Obnothor»), Marcus Wendt («Captn»), Lea Graf, Jonas Studer («Yunus») und Igor Simonides.Tabea Baumgartner

Künstler und Vertreter des OK in vor dem Piccadilly Brugg; von links: Florian Tanner («Obnothor»), Marcus Wendt («Captn»), Lea Graf, Jonas Studer («Yunus») und Igor Simonides.Tabea Baumgartner

«Unsere Strassen sind grau», sagt Lea Graf. «Wenn Künstler die Strasse anfangen zu gestalten, etwas Witziges daraus machen – das bringt die Leute zum Denken.»

Marcus Wendt fügt hinzu: «Schliesslich haben alle Künstler sich über Grenzen hinweggesetzt. Sie haben in den Menschen einen neuen Weg zu denken angeregt.»

Marcus Wendt und Lea Graf sprechen von jener Kunst, die draussen entsteht, auf der Strasse, an der Hausecke. Und von jener Kunst, die von jungen Menschen geschaffen wird. «Unkonventionell» reicht nicht, um diese zu beschreiben. Es geht um Kunst, die mutig «alle Grenzen sprengt», die nicht auf Galerien angewiesen ist, auch ohne Rahmen zurecht kommt.

Am Wochenende vom 10./11. Mai soll an der Artgau 2014 genau diese Kunst im Piccadilly Brugg eine Plattform erhalten, mit Ausstellungen und Live-Kunstschaffen im und ums Haus.

Raum für verrückte Gedanken

Die Türen des Jugendhauses Piccadilly stehen während zweier Tage offen, um diese wilde Kunst zu entdecken. Und wer den Stift oder den Pinsel nicht still halten kann, wird sogar selber mitgestalten können. An der Artgau sollen die verrücktesten Gedanken ihren Raum erhalten. Junge Künstler aus der ganzen Schweiz, aber auch aus Frankfurt sowie aus der Region Brugg kommen zusammen: Die einen werden ihre künstlerischen Arbeiten ausstellen; die anderen werden mit Pinseln und Spraydosen die Aussenwände des Jugendhauses umgestalten. Schliesslich werden auch junge Musikkünstler anreisen, um zu konzertieren oder am DJ-Pult aufzulegen – unter ihnen Frank Powers mit dem Brugger Musiker Dino Brandao.

Am Samstagabend soll zur Musik altbekannter und ganz junger DJ’s getanzt werden. Bereits in den vergangenen beiden Jahren fand im Pic ein Urban-Art-Anlass statt. Inzwischen ist das Organisationskomitee um einige Köpfe gewachsen, das Programm ebenso. «In diesem Jahr haben wir sowohl renommierte Künstler hier wie auch völlige Newcomer», sagt Wendt, wie Graf ist er Teil des OKs.

«Das ist einzigartig im Aargau», sagt Jonas Studer, ebenfalls im Team dabei, «dass neue und gestandene Künstler hier am selben Tag ausstellen und wirken können. Damit schaffen wir einen Treffpunkt für neue und bewährte Künstler.» Igor Simonides, Leiter des Pic, fügt an: «Die Inspiration zwischen den Künstlerinnen und Künstlern soll gefördert werden.»

«Ich brauche keine Buchstaben»

Florian Tanner ist einer der jungen Kunstschaffenden aus Brugg, die an der Artgau 2014 ihre Arbeiten zeigen. Er – Obnothor, sein Künstlername – zieht eines seiner Bilder aus einem leinenfarbenen Stoffsack. Es zeigt das Gesicht eines alten Mannes, gemalt mit Tusche und Fineliner; der Blick ist ins Leere gerichtet. «Ich brauche keine Buchstaben, um etwas auszudrücken. Augen und Gesichter sagen genau so viel – wenn nicht mehr.» Tanner hat bereits im letzten Jahr im Pic ausgestellt – und sogar ein Bild verkauft.

Die Vorfreude ist gross

Er schätzt die Plattform, die ihm die Artgau bietet. «Kunst ist für mich Selbstverwirklichung. Umso schöner, wenn es Menschen gibt, die Gefallen an dem finden, was ich für mich mache», sagt Tanner. Nebst ihm werden acht weitere junge Kunstschaffende aus der Region mit ihren Arbeiten an der Artgau anzutreffen sein – unter ihnen Marcus Wendt und Jonas Studer aus Brugg.

Die Vorfreude ist zu spüren, sowohl bei den Künstlerinnen und Künstlern wie auch im Organisationskomitee – auf jenen Moment, in dem die Kreativität ausbrechen und das Feuer der jungen Kunst im Picadilly lodern wird.