Windisch

Jugendliche weibeln für die Jugendarbeit in Windisch

Sie sind ein gutes Team und setzen sich für die Jugendarbeit ein (von links): Jugendarbeits-Praktikant Mani Hamzavi-Louyeh, Joya Kirchhofer und Ruben Pais. Janine Müller

Sie sind ein gutes Team und setzen sich für die Jugendarbeit ein (von links): Jugendarbeits-Praktikant Mani Hamzavi-Louyeh, Joya Kirchhofer und Ruben Pais. Janine Müller

Nach dem anfänglichen Schock über den gestrichenen Beitrag für die regionale Jugendarbeit haben die Präsidenten der Jugendkommission einen Rettungsplan gestartet.

Die Nachricht war für sie wie ein Schlag ins Gesicht. Der Einwohnerrat Windisch beschloss am 22. Oktober, den Betrag für die regionale Jugendarbeit zu streichen. Gleichzeitig kürzte er das Budget der Jugendarbeit Windisch. Der Lohn für einen Praktikanten wurde gestrichen.

Tags darauf erfahren Joya Kirchhofer (19) und Ruben Pais (19) davon. Sie teilen sich das Präsidium der Jugendkommission. Sie sind geschockt, wissen nicht, wie ihnen geschieht. Doch untätig bleiben sie nicht, organisieren am Abend eine Sitzung und besprechen die Lage.

«Einige waren gleich sehr euphorisch, wollten sofort irgendetwas tun, sagten, dass wir uns wehren müssen», erinnert sich Joya Kirchhofer. «Doch ich fand, dass wir sachlich bleiben müssen. Dass wir einen Plan brauchen.» Und so haben sie Ideen gesammelt, wie sie wenigstens den Lohn für den Praktikanten wieder zurückgewinnen können. Einen «Rettungsplan», nennt es Ruben Pais.

Jetzt sitzen sie im Schützenhaus in Windisch, wo der Jugendtreff untergebracht ist, auf einem schwarzen Sofa. Im Hintergrund spielen zwei Jugendliche Billard, andere liefern sich am Töggelikasten ein spannendes Fussballspiel. Joya Kirchhofer und Ruben Pais sprechen gemeinsam mit dem Jugendarbeits-Praktikanten Mani Hamzavi-Louyeh (28) über den Rettungsplan; erklären, wie sie das Budget der Jugendarbeit in Windisch doch noch retten wollen.

Ein Zeichen setzen

Der Plan sieht vor, dass von Ende November bis zu den Weihnachtsferien in der Bevölkerung Unterschriften gesammelt werden. Diese sollen dann an der ersten Einwohnerratssitzung im neuen Jahr dem Ratspräsidenten überreicht werden. «Wir wollen mit den Unterschriften ein Zeichen setzen», sagt Joya Kirchhofer. Die Einwohnerräte sollen dazu aufgefordert werden, einen Verpflichtungskredit für das Jahr 2015 für die Jugendarbeit zu bewilligen.

Rund zehn Stunden freiwillige Arbeit investieren Joya Kirchhofer und Ruben Pais zurzeit zusätzlich für die Jugendarbeit. Sie weibeln bei den Gemeinderäten für ihr Anliegen, wollen die anderen Gemeinden, die an der regionalen Jugendarbeit beteiligt sind, für sich gewinnen.

Projekte sind in Gefahr

Sie sorgen sich um die Zukunft der Jugendarbeit. Denn: Nina Forte, die angestellte Jugendarbeiterin, hat nur ein Pensum von 50 Prozent. Werde jetzt auch noch die Stelle des Praktikanten gekürzt (60 Prozent), dann werde es sehr schwierig, all die zusätzlichen Projekte, die immer viele Jugendliche anziehen, überhaupt noch zu realisieren. Damit sind beispielsweise die Angebote «Sports at night» oder «Splash« gemeint, welche jeweils 50 bis 60 Jugendliche aus Windisch und den umliegenden Gemeinden angelockt haben.

Forte findet es «super, dass sich die Jugendkommission mit Joya Kirchhofer und Ruben Pais mit allen weiteren Mitgliedern so engagiert für die Jugendarbeit einsetzt und zeigt, wie wichtig die Jugendarbeit für Windisch ist». «Ich unterstütze sie, wo ich kann; berate sie und liefere ihnen, wo nötig, Informationen und Fakten über die Jugendarbeit», erklärt Forte ihre Aufgaben im sogenannten Rettungsplan.

Mani Hamzavi-Louyeh führt weiter aus, zu welchen Problemen es kommt: Die Budgetstreichung führe dazu, dass lediglich noch die Treffs geöffnet werden können und die Jugendarbeiter sich nur noch dann um die Jugendlichen kümmern können. Für spezielle Programme bleibe kaum noch Zeit, erklärt er. Auch die Betreuung der geschlechterspezifischen Programme könnte schwieriger werden. «Es ist wichtig, dass jeweils eine Frau und ein Mann als Jugendarbeiter tätig sind», findet Mani Hamzavi-Louyeh. «So haben Knaben und Mädchen einen guten Ansprechpartner.»

Ebenfalls in Gefahr sieht Mani Hamzavi-Louyeh die aufsuchende Jugendarbeit. Jeweils am Donnerstag schwingen Jugendarbeiterin Nina Forte und er sich aufs Velo, fahren umher und sprechen Jugendliche an, die irgendwo herumsitzen. Sie animieren sie dann jeweils, in den Jugendtreff zu kommen. Dies wäre nach Angaben der Jugendkommission und der Jugendarbeit nicht mehr möglich.

Jetzt hoffen Joya Kirchhofer und Ruben Pais, dass sie möglichst viele Unterschriften sammeln können, um dem Einwohnerrat zu zeigen, wie gut verankert und wie wichtig die Jugendarbeit ist.

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