Auf einer Wandertour ist es passiert. Philippe Cattin lässt sich von Ultra-Läufer Simon Schmid – dieser lief letzten Sommer vom Bodensee an den Genfersee innerhalb von knapp 60 Stunden – dazu überreden, am 12-Stunden-Lauf vom kommenden Wochenende teilzunehmen. Es wird eine neue Erfahrung für den passionierten Triathleten.

«Ich habe spontan zugesagt», sagt Philippe Cattin, der im Birrfeld aufgewachsen ist und in Windisch wohnt. «Entsprechend bin ich nicht wahnsinnig gut vorbereitet.» Ankommen werde er aber schon, ergänzt er mit einem verschmitzten Lächeln.

Philippe Cattin ist sich lange Distanzen gewohnt. Triathlon ist seine Leidenschaft, schon seit Jahren. Während des Studiums begann er 1992 damit, trainierte bis zu 12 Stunden pro Woche. Die Distanzen wurden immer länger.

Er nahm an mehreren Iron-Man-Rennen teil, qualifizierte sich am Iron Man Switzerland in Zürich für den Iron Man in Hawaii. Das war im Jahr 2000. Eben: Lange Distanzen ist sich Philippe Cattin gewohnt. Er betrieb Leistungssport, aber immer «auf der Basis von Spass». Freude am Sport sei immer sein Antrieb gewesen, betont er. Profisportler war nie sein Ziel, «ich habe als Forscher meinen Traumberuf gefunden», sagt er daheim am Gartentisch.

Er hält mit den Doktoranden mit

Heute trainiert der 49-Jährige rund sechs Stunden pro Woche. Mehr lassen der Job an der Universität Basel und das Familienleben nicht zu. Prof. Dr. Philippe Cattin leitet eine Forschungsgruppe für medizinische Bildanalyse und ist Leiter des Departments of Biomedical Engineering in Allschwil.

Der Vorteil: «Ich gehe häufig mit den Doktoranden über Mittag laufen», sagt Cattin, lacht und fügt an: «Und ich bin froh, dass ich mit den Jungen noch mithalten kann.» Auch schwimmen liege jeweils drin. Genauso wie ab und zu die Heimfahrt von Allschwil nach Windisch mit dem Rennrad.

Für Philippe Cattin ist der Sport mit den Doktoranden und den Mitgliedern der Forschungsgruppe eine Art Teambuilding. Das Laufen sei jeweils ein sozialer Anlass. «Wir sind sportlich alle auf ähnlichem Niveau», sagt er. «Bei Bewerbungsgesprächen nimmt es mich immer wunder, welchen Sport die Bewerber treiben. Sportler sind häufig gut im Organisieren und Planen, sie haben ein gutes Zeitgefühl.» Für Cattin ist der Sport ein Ausgleich zum stressigen Berufsalltag.

Zu Hause geht er jeweils mit der Laufgruppe des Quartiers mit. Oder er rennt am Wochenende von Schloss zu Schloss: Windisch – Schloss Brunegg – Schloss Wildegg – Schloss Habsburg – Windisch.

Die Familie nimmt ihn hoch

Und jetzt hat sich Philippe Cattin also für den 12-Stunden-Lauf angemeldet. «Mental wird es eine Herausforderung», sagt er. Das Rundendrehen, die immer gleiche Landschaft, das stelle er sich langweilig vor. «Hamsterlauf», nennt es Philippe Cattin. Wie er dem begegnen soll, weiss er noch nicht genau. «Vielleicht kaufe ich mir noch einen iPod und lade sämtliche Harry-Potter-Hörbücher drauf», nennt er eine Möglichkeit.

Mittlerweile ist Philippe Cattins Familie ebenfalls zu Hause eingetroffen. «Sie nehmen mich immer hoch, weil ich mich für den Lauf angemeldet habe», sagt er. Frau Christa, die sich gerade am Wäscheständer zu schaffen macht, lacht. «Ich schreibe dir dann eine SMS, wenn ich ins Bett krieche», scherzt sie.

Motivieren kann sich Philippe Cattin, indem er sich sagt, dass er wieder einmal ausgiebig Sport treiben kann. «Ich freue mich auf einen schönen Sporttag», erklärt er. Verbunden damit sei die Hoffnung, dass er wieder etwas Fett verliert. «Ich habe in letzter Zeit etwas zugenommen», sagt er und schmunzelt.

Als Minimalziel hat sich Philippe Cattin 100 Kilometer gesetzt. Er sagt es, überlegt kurz, grinst. «Na ja, 110 Kilometer wären auch gut.» Er hofft auf Unterstützung des Publikums. «Das ist für alle Läufer motivierend.»

Übrigens: Für Philippe Cattin kam der 24-Stunden-Lauf nie infrage. «Ein langer Arbeitstag reicht, ich bin froh, wenn ich nach 12 Stunden nach Hause kann.»