Birr
Jetzt wird das Wyde-Quartier in Birr videoüberwacht

Das Wyde-Quartier in Birr wird videoüberwacht, weil Abfall und Sperrgut illegal entsorgt worden sind. Die Reaktionen der Bewohner blieben nicht aus. «Als wären wir im Gefängnis», empört sich eine Bewohnerin des Wyde-Quartiers.

Barbara Scherer
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Das Wyde-Quartier in Birr

Das Wyde-Quartier in Birr

AZ

Mit dieser Massnahme waren aber einige Bewohner alles andere als zufrieden, wie es im NZZ-Blog von Nina Fargahi heisst. Ein Vater gab an, dass es ein komisches Gefühl sei, wenn man mit den Kindern nach draussen gehe und gefilmt werde, berichtete Radio DRS.

«Als wären wir im Gefängnis», tat eine weitere Bewohnerin ihre Empörung kund. Man wisse nicht, ob die Kameras vielleicht auch in die Wohnungen zielen würden.

«Privatbereiche werden selbstverständlich nicht gefilmt», sagt Klaus dazu. Schliesslich würden nur gewisse Punkte gefilmt, an denen Müll illegal entsorgt worden war. Auch würden die aufgenommenen Daten nach kurzer Zeit gelöscht.

Installation nach Müllentsorgung

«Es wurden grössere Mengen Müll und Unrat, darunter auch Möbel in Nacht-und-Nebel-Aktionen im Quartier abgelagert», sagt Jens Klaus, Immobilienbewirtschafter von der Verwaltung Arelis.

Verschiedene Mieter hätten sich deswegen immer wieder bei der Verwaltung beschwert. Deshalb seien die Mieter mehrmals mit schriftlichen Aushängern und Rundschreiben gebeten worden, den Müll richtig zu entsorgen.

Allerdings hätten diese Massnahmen nicht die gewünschte Wirkung erzielt. Darauf seien Kameras installiert worden. Denn es sei unklar gewesen ob nur Anwohner oder auch fremde Personen Müll illegal abgelagert hätten.

Keine guten Informationen

Grundsätzlich gilt, dass man vor der Installierung von Kameras stets prüfen muss, ob nicht auch mildere Massnahmen ausreichen würden, wie Francis Meier, Mitarbeiter des eidgenössischen Datenschützers zum Regionaljournal von Radio DRS sagte.

Ein Bewohner sagt dazu, dass die Informationen und Aushänger, die zur richtigen Müllentsorgung aufriefen, vor der Installation der Kameras, unauffällig und zu wenig gewesen seien. Allerdings befürwortet er die Kameras: «Wir haben hier Leute, die denken, sie können machen, was sie wollen. Denen muss man halt auf die Finger schauen.»

Eine weitere Bewohnerin freut sich gar über die Kameras, sie erhofft sich davon eine sinkende Kriminalitätsrate im Quartier. «Die Wyde wird als kinderfreundlich dargestellt und deshalb ist es nur richtig, wenn man etwas für die allgemeine Sicherheit tut», sagt die Bewohnerin dazu.

Aber sie habe zuvor keine Informationen von der Verwaltung erhalten oder gesehen, die zur korrekten Müllentsorgung aufrufen. Eine Bewohnerin, die seit elf Jahren im Quartier lebt, sagt sie habe die Informationen erhalten und befürworte die Kameras.

Zivilklage ist möglich

Trotzdem gibt es Anwohner, die sich an den Kameras stören. Es ist aber grundsätzlich nicht verboten auf privatem Grund unter Einhaltung gewisser Regeln, Kameras zu installieren, wie Meier vom eidgenössischen Datenschutz im Regionaljournal von Radio DRS sagt.

Wehren können sich die Anwohner, indem sie von der Verwaltung genaue Informationen darüber verlangen, um zu erfahren, was mit den gespeicherten Daten passiert. Auch können sie einen Aufnahmestopp fordern oder eine zivilrechtliche Klage einreichen.

Klar ist aber, dass die Kameras ihre Wirkung hatten, denn seither habe sich das Problem der illegalen Müllentsorgung praktisch vollständig gelöst, wie Jens Klaus bestätigt. Nach dieser Information stellt sich somit die Frage, ob es denn die Kameras jetzt noch braucht.

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