Brugg
Jetzt weiss auch Hugo Schmid: Konfettispalten will geübt sein

Mit Versen, Guggenmusiken, Trommlern und Pfeiffern wurde die Fasnacht eröffnet. Die Brugger Hexengruppe las der Bevölkerung die Leviten und heimste dafür Gelächter und Applaus ein. Und ein Zwischenfall sorgte für Gelächter.

Janine Müller
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Närrisches Treiben: Fasnachtseröffnung in Brugg
7 Bilder
Laternenumzug mit der Konfettispalterzunft Brugg an der Spitze
Konfettispalten - Zunftmeister Hugo Schmid nimmt Mass
Häxered - die Hexengruppe in Aktion
Grosser Andrang herrscht beim Storchenturm
Die Hexen sorgen für eine scharfe Suppe
Die Guggen sorgen für Stimmung

Närrisches Treiben: Fasnachtseröffnung in Brugg

Michael Hunziker

Jetzt hat die fünfte Jahreszeit die Stadt Brugg erreicht. Und mit dieser Jahreszeit weht auch «e’ neue Wind» durch die Stadt Brugg. Da ist doch zu hoffen, dass es nicht ein laues Lüftchen sein wird und dass der neue Wind länger anhält als nur über die Fasnachtstage.

«Ich habe halt nicht geübt»

Am Donnerstagabend startete die Brugger Fasnacht mit dem traditionellen Laternenumzug. Das schwarz-weisse Konfetti lag währenddessen auf dem Bock, wartete auf die offizielle Fasnachtseröffnung. Zunftmeister Hugo Schmid zog auf, liess das Beil auf das Konfetti niedersausen.

Klatschen und Gejohle, denn: Für einmal hat er es nicht in der Mitte getroffen. Nicht weiter schlimm, meinten seine Zunftgenossen. Hauptsache, das Konfetti ist gespalten. Die Fasnacht sei trotzdem eröffnet. Und entschuldigend tönte es von Hugo Schmid: «Ich habe halt nicht geübt.»

Mit ihren träfen Versen las dann die Brugger Hexengruppe der Bevölkerung die Leviten und heimste dafür einiges an Gelächter und Applaus ein. Dafür verteilten sie anschliessend brav die Gratis-Suppe der Trattoria Brugg.

Auffällig: Dominanz der Frauen

Eines sei noch angemerkt: Seit an der Brugger Fasnacht die Hexen nicht mehr verbrannt werden, scheint der weibliche Anteil in den Gruppen zu wachsen. Neun Hexen standen auf der Tribüne. Und bei der Zwäsi-Gugge gab ebenfalls eine Frau den Takt an. Ob das die Zürcher Feministinnen, die sich 1981 gegen die Hexenverbrennung wehrten (die az berichtete), bereits damals geahnt haben?

Auszüge aus der Häxered:

Die Tourismus-Verantwortlichen und die Kulturschaffenden kommen nicht ungeschoren davon in der Häxered:
S’Odeon macht jetzt au of Tourismus:

En Gang id Altstadt esch würkli es Muss.
Mit de Hofstatt und ihre schöne Kulisse
wämmer de Röbi Koller und de
Nick Hartme ned misse.
S’Freiliecht-Spektakel händ’s verbannt us Brugg,
aber de Schacher Sepp, pass uf, chunt zrugg.
Das Theater esch leider be eus vom Tisch
ond got nach det, wo’s läbt und Wind isch.

Die Verkehrsplaner bekommen ebenfalls ihr Fett weg:

Do gits nüt z’rüttle dra, Brugg isch eifach guet.
Das z’behaupte, bruucht vel Schnaps und au chli Muet.
Me tuet johrelang plane, ändere, probiere und neugestalte.
S’Vorhabe wird gstriche und am Schluss blibt doch alles bim Alte.
Z’letscht bruchsch wäge blöde Planigsmängel
vom Bahnhof zum Campus no en Schutzängel.

Zu Ehren kommt nicht zuletzt Stadtschreiber Yvonne Brescianini:

Sit meh als sibehundert Johr isch Brugg e Stadt
aber nur sälte findet do es Stadtfescht statt.
’S gäb sicher no meh Termine zum Jubiliere
und es paar Date, wo mer chönt durestiere.
«Doch Halt, das muess i zersch teschte –
mer chönd doch ned immer feschte!
D’ Stadt Brugg esch nämli mini!»
Seit zackig d’Frau Brescianini.

Für die Hexen ist einfach zu wenig los in der Brugger Altstadt:

Red Bull und Pizza gits a jedem Rank,
aber Poesie und en duregschtailte Schnitzelbank
hesch nur no im Laternli und im Salzhuus.
Jo goht de Fasnacht scho de Pfuus uus?
Drum wette jetzt die Drü vo Brugg
so gärn i alli Beize zrugg.
Det d’Lüt mit Schnitzelbänk verschrecke
und Altstadt us em Tüfschloof wecke.

In bester Erinnerung ist die Rammbock-Attacke bei Bijoutier Boutellier:

Wenn z’Brugg wotsch Uhre oder Diamante poschte,
denn wird das ziemlich sicher öppis choschte.
D’Froog isch nur, wie wotsch das finanziere?
Öb meh schaffe oder Aktie plaziere?
Oder du machsch dir es riese Gaudi,
wie die mit em klaute Audi
Du donnerisch als Gängster
im Boutellier is Fänschter.

Das slowUp-Rahmenprogramm war offenbar verbesserungswürdig:

De Slow up isch dur s’Städtli g’fägt,
Doch i dr Altstadt het sich niemer gregt.
Kei Idee, kei Stand, kei neue Wind –
wo echt all die Gwerbler bliibe sind?
Jetzt isch mer klar, so Sunntige findet niemer glatt
Drom findet euses Jugendfescht jo ame ne Donschtig statt!

Egal ist den Hexen das altersschwache Lichtsignal auf der Casino-Kreuzung:

Chunsch vo Lauffohr här nüm
id Stadt –
Und findsch es au als Umiker ned glatt.
Denn bim Casino gsend alli nur rot,
de Verchehr isch gstorbe, eifach tot.
S’git neui Liechter hani gläse –
was sölls – mir näme ee de Bäse.