Bözberg
Jetzt spricht Lehrer mit Softair-Pistole: «Niemand hat mich angehört»

Der Lehrer, der wegen einer Softair-Demonstration im Schulzimmer unter Verdacht geriet, ist enttäuscht über die Kommunikation an der Schule. Und egal, wie es weitergeht: Vor einigen Wochen hatte der Lehrer bereits gekündigt.

Janine Müller
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An der Primarschule Bözberg wurden zwei Schüler mit einer Softair-Pistole erwischt. Der Lehrer nahm die Thematik im Schulunterricht auf. (Symbolbild)

An der Primarschule Bözberg wurden zwei Schüler mit einer Softair-Pistole erwischt. Der Lehrer nahm die Thematik im Schulunterricht auf. (Symbolbild)

TeleM1/az

An der Schule Bözberg hat der 54-jährige Lehrer S. P. eine Demonstration mit einer Softair-Pistole vor der Klasse organisiert. Das verursacht nun grossen Aufruhr an der Schule. Denn Schulpflegepräsidentin Barbara Dethomas informierte die Polizei über die Vorkommnisse.

Diese erschien daraufhin am Freitag, 20. November, an der Schule, durchsuchte Schulzimmer, Auto und Haus des Lehrers. S. P. wurde von der Polizei abgeführt und hat nun eine Anzeige wegen versuchter Nötigung und Widerhandlung gegen das Waffengesetz am Hals. Solange das Verfahren läuft, gilt die Unschuldsvermutung.

Die Schulleiterin hat sich, nachdem besorgte Eltern sie mit den Vorkommnissen konfrontiert hatten, mit dem Schulinspektor beraten. Der Inspektor riet zu einem Notfallszenario, wie Schulpflegepräsidentin Barbara Dethomas ausführt.

Der Inspektor wiederum hat die Schulpflege in Pflicht genommen und dieser aufgetragen, die Polizei einzuschalten. «Ich fragte nach, ob dies wirklich nötig sei», erklärt Dethomas. «Ich wollte diesen Einsatz eigentlich abwenden. Doch das ging nicht.» Die Polizei bestätigte Dethomas, dass dies der richtige Schritt war.

Polizei wollte früh kommen

Vor dem Polizeieinsatz sprach niemand – weder Schulleitung noch Schulpflege noch Inspektor – mit dem betroffenen Lehrer. Darüber ist S. P. enttäuscht und verärgert: «Das ganze Problem ist entstanden, weil mich niemand angehört hat.»

Dethomas gibt zu, dass niemand mit S. P. über den Vorfall gesprochen hat, ergänzt aber, dass eigentlich an besagtem Freitagabend ein Gespräch vereinbart gewesen wäre. «Die Polizei aber wollte möglichst früh kommen, damit sich die Untersuchungen nicht in die Nacht hineinziehen.» Dethomas informierte daraufhin den Schulpsychologischen Dienst, falls die Polizei während des Unterrichts aufgetaucht wäre. «Das war dann zum Glück nicht der Fall.»

Waffengesetz präsentiert

S. P. äussert sich gegenüber der az erstmals zum Vorgang im Schulzimmer. Er betont: «Es war die Schulleiterin, die mich für die Demonstration angefragt hat.» Sie habe ihn per E-Mail kontaktiert. «Bei der Schulleiterin konnte ich dann im Büro die Softair-Pistole abholen», erklärt S. P. Die Waffe war jene der zwei Schüler, die vor einigen Wochen damit erwischt wurden.

S. P. nahm einen Abfalleimer als Kugelfang und vier Blätter, um den Schülern zu zeigen, was eine Softair-Waffe ausrichten kann. «Zusätzlich habe ich das Waffengesetz am Beamer gezeigt. Weiter habe ich vier wichtige Regeln im Umgang mit Schusswaffen präsentiert», führt S. P. aus.

«Diese vier Punkte habe ich auf einen Zettel gedruckt und diesen dann den Schülern abgegeben.» Den Zettel klebten die Schüler in ihr «Heft für Allgemeinbildung», wie es S. P. nennt. Dieses Heft hat er initiiert, damit die Schüler aktuelle Ereignisse oder wichtige Themen ausserhalb des obligatorischen Schulstoffs festhalten können.

Zum Verfahren wegen versuchter Nötigung kann sich der Lehrer nicht weiter äussern. Zum Punkt Widerhandlung gegen das Waffengesetz erwähnt er seine Waffensammlung. «Ja, ich habe eine kleine Sammlung. Diese hat die Polizei mitgenommen.» Er sammle schon länger Waffen. Grossmehrheitlich solche aus der Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg. «Mich fasziniert die Feinmechanik dieser Waffen und deren Fertigung», erklärt er.

Für einige Waffen gebe es keine Munition mehr. «Ich habe diese Waffen legal erworben», betont der Lehrer. Er ist überzeugt, dass er schuldfrei ist. Sowieso spürt S. P. grossen Rückhalt. Das Kollegium sowie viele Eltern unterstützen ihn.

Die Kommentare beispielsweise zum ersten Artikel der az zeigen ihm, dass viele Verständnis für die Demonstration haben. Die az weiss von einem Treffen von Eltern in einer Waldhütte. Dort haben sie einen Brief verfasst, der an alle involvierten Parteien, inklusive Staatsanwaltschaft, ging. Die Eltern betonen darin die Unschuld des Lehrers.

Schulleiterin krankgeschrieben

So oder so wird S. P. nicht mehr lange an der Schule tätig sein. Er hat bereits vor einigen Wochen per Ende Januar die Kündigung eingereicht, wie die az in Erfahrung bringen konnte. Das bestätigt auch Schulpflegepräsidentin Barbara Dethomas. Die Gründe für die Kündigung will S. P. der Öffentlichkeit nicht preisgeben.

Am Informationsanlass für die Eltern am Donnerstagabend klärte die Schulpflege die Fragen. «Es war wichtig, dass man miteinander spricht», sagt Dethomas. Am Abend nicht anwesend waren jene Eltern, die sich besorgt an die Schulleitung wandten.

Ebenfalls nicht anwesend war die Schulleiterin. Sie ist krankgeschrieben, wie Dethomas verlauten lässt. Details dazu gibt sie aus Persönlichkeitsschutz nicht bekannt.