Von einer grossen Chance sprechen die Verantwortlichen: In Brugg wird abgeklärt, wie es mit dem Effingerhof an der Storchengasse weitergeht, welches die möglichen Nutzungen sind. Die neuen Eigentümer wählen ein unkonventionelles Vorgehen, an dem sich neben dem Stadtrat auch die Bevölkerung beteiligen kann.

Projektleiter Walter Tschudin vom ortsansässigen Architekturbüro Tschudin + Urech AG bezeichnete den nicht alltäglichen Prozess an einer Medienorientierung als einen Glücksfall. Auch wenn das Ergebnis völlig offen sei, zeigte er sich überzeugt von den Vorteilen vom eingeschlagenen Weg, davon, dass das bestmögliche Konzept für die markante Liegenschaft gefunden, ein Mehrwert erzielt werden kann für die Stadt und deren Bewohner.

Gebäude hat eigenen Charme

Diesen Aussagen pflichteten Amos und Verena Kornfeld von der Cadima Real Estate AG aus Villnachern bei, der neuen Besitzerin des Effingerhof-Stammhauses. Ihre kleine Firma habe sich darauf spezialisiert, ältere Liegenschaften zu kaufen, zu erhalten, zu erneuern und zu bewirtschaften, erklärten sie. Solche Gebäude hätten ihren ganz eigenen Charme. Es sei ursprünglich ein Hobby gewesen, das sie dann zum Beruf hätten machen können, ergänzte der gelernte Elektroingenieur Amos Kornfeld. Er habe, meinte er mit einem Schmunzeln, gewechselt vom Bereich Hightech zu Lowtech.

Interesse am Kauf des Areals Effingerhof hätten sie schon vor ein paar Jahren bekundet, das Gebäude gefalle ihnen sehr gut. Nachdem das Vorhaben in der Folge in Vergessenheit geraten war, habe es jetzt gelappt mit dem Kauf und es sei alles schnell gegangen. Die Liegenschaft steht teilweise leer, seit die Unternehmensgruppe der Effingermedien AG im April dieses Jahres ihren zusätzlichen Standort in Kleindöttingen in Betrieb genommen hat.

Bevölkerung ist eingeladen

Das schöne Gebäude wecke Emotionen und habe ein riesiges Potenzial, stellte Stadtammann Barbara Horlacher fest. Der Effingerhof habe eine Geschichte, eine wichtige Bedeutung für Brugg. «Wir sind sehr interessiert an diesem Prozess, an der Ideensuche, an der Mitgestaltung. Wir freuen uns auf den gemeinsamen Weg.»

Am Dienstag, 11. Dezember, laden die neue Eigentümerschaft sowie die Stadt unter dem Titel «Was geht im Effingerhof?» alle interessierten Personen und Institutionen ein in den Rathaussaal zu einer ersten öffentlichen Informationsveranstaltung über das Partizipationsverfahren. Mit diesem Anlass wird die Diskussion über die Entwicklung der Altstadt-Liegenschaft lanciert. Vorgängig besteht die Gelegenheit, die Räumlichkeiten an der Storchengasse frei zu besichtigen.

Ab 12. Januar 2019 folgen vier sogenannte Werkstätten, an denen Privatpersonen genauso wie Gewerbetreibende oder Vereinsvertreter ihre Ideen und Wünsche einbringen können. Ziel ist es laut den Verantwortlichen, möglichst viele Vorschläge zu sammeln, möglichst viele Bedürfnisse aufzunehmen. Zur Verfügung stehen jeweils auch Fachpersonen bei Fragen oder für Hilfestellungen.

Entscheid liegt bei Eigentümern

Ende Januar 2019 wird ein erstes Mal Bilanz gezogen und im Februar steht eine weitere Runde mit drei Werkstätten an, um Optimierungen vorzunehmen oder Lücken zu eliminieren. Am Mittwoch, 10. April 2019, ist eine zweite öffentliche Informationsveranstaltung geplant. In der Folge werden die Ergebnisse ausgewertet und es wird an der Eigentümerschaft sein zu entscheiden, welches Konzept weiterverfolgt werden soll.

Wie lange die Umsetzung dann dauert, hängt gemäss Walter Tschudin nicht zuletzt ab von der künftigen Nutzung. Denkbar ist ein Mix mit Wohnungen sowie Raum für Kultur und Dienstleistungen. Der Projektleiter betonte, dass es sich beim Partizipationsverfahren noch nicht um ein offizielles Bewilligungsverfahren handelt. Auch finde der Prozess losgelöst statt von den Diskussionen um das Altstadtkonzept.

Informationsveranstaltung «Was geht im Effingerhof?» am Dienstag, 11. Dezember, 18.30 bis 20 Uhr im Rathaussaal in Brugg; vorgängig können die Räumlichkeiten an der Storchengasse von 15 bis 18 Uhr frei besichtigt werden.