Mandach
Jetzt reden die Geldgeber: Darum haben sie den «Hirschen» gerettet

Das Restaurant Hirschen konnte dank einer Genossenschaft gerettet werden. Der Zuspruch von Menschen aus der Region war enorm. Jetzt erklären jene, die ihr Geld gegeben haben, warum sie sich dafür eingesetzt haben.

Janine Müller
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Seit April ist der «Hirschen» geschlossen. Vorgesehen ist, das Restaurant zu verpachten.

Seit April ist der «Hirschen» geschlossen. Vorgesehen ist, das Restaurant zu verpachten.

zvg / Andreas Krebs

Heinz Mattenberger, 63 Jahre alt, ist Elektriker und wohnt in Birr. Und er hat einen ansehnlichen Anteilsschein für die Genossenschaft Hirschen Mandach gezeichnet. Im «Hirschen» war er noch nie, hat dort weder etwas gegessen noch ein Bier getrunken.

Trotzdem fand er im Dezember, als Leute gesucht wurden, die das Projekt helfen zu finanzieren, dass das eine gute Sache ist. «Mir gefällt halt einfach das Dörfli Mandach», erklärt er. «Und es ist doch schade, dass das Dorf keine Post und keine Gnossi mehr hat. Dann sollen die Mandacher wenigstens noch eine Wirtschaft haben.»

Das Vereinsleben leidet

Heinz Mattenberger mag aber auch alte Häuser. Alte Liegenschaften seien ein Hobby für ihn. Dazu kommt, dass er Vertrauen hat in die Arbeitsgruppe, welche das Projekt «Hirschen» vorangetrieben hat (die az berichtete). «Die haben gut gearbeitet», findet Mattenberger. «Und es ist nicht gewinnorientiert. Das gefällt mir auch.» Sicher ist auch, dass Heinz Mattenberger, sobald der «Hirschen» wieder geöffnet hat, sicher einmal da anzutreffen sein wird.

Schon etwas mehr «Hirschen»-Erfahrung hat der Mandacher Erich Staudacher (58). Nach der Probe mit der Musikgesellschaft oder mal an einem Samstagmorgen war er gerne in der Dorfbeiz. Seit das Restaurant nicht mehr offen ist, fehle ein wichtiger sozialer Treffpunkt. Darunter leiden neben der Dorfmusik auch die turnenden Vereine. Das Restaurant fehlt auch nach den sonntäglichen Gottesdiensten sowie nach den Gemeindeversammlungen. Sporadisch trafen sich jeweils auch die Landfrauen im «Hirschen». Darum ist es Staudacher ein Anliegen, dass man um das einzige Restaurant im Dorf kämpft – und hat dann gleich selber einen Anteilsschein gezeichnet.

Die Familie Staudacher ist im Fall «Hirschen» sowieso ziemlich aktiv. Ein Sohn von Erich Staudacher, Dieter Staudacher, engagiert sich jetzt auch im Vorstand der Genossenschaft.

Zweifel sind trotzdem da

Erich Staudacher schätzt die grosse Arbeit des Vorstands, zweifelt aber noch etwas am Projekt, auch wenn er überzeugt ist von der Arbeit von Andreas Krebs, dem Präsidenten der Genossenschaft. «Es wird sicher nicht einfach, einen Wirt zu finden. Und der Trend zeigt ja, dass immer mehr Restaurants schliessen müssen», gibt Staudacher zu bedenken. «Ich bin aber niemandem böse, wenn es nicht klappt. Wenigstens versuchen wir etwas.»

Für den Zuspruch von Menschen wie Heinz Mattenberger und der Familie Staudaucher ist Andreas Krebs extrem froh. Dass innerhalb kürzester Zeit genügend Geld zusammen gekommen ist – innert fünf Wochen 680 000 Franken –, um den «Hirschen» zu retten, ist für Krebs selbst heute noch nicht ganz fassbar. Denn noch über die Weihnachtstage harzte es mit dem finanziellen Zuspruch. Er selber hat ebenfalls einen grossen Geldbetrag in das Projekt gesteckt. «Ich mache das aus der Überzeugung, dass es den Menschen etwas bringt», sagt er.

Das Baugesuch ist mittlerweile eingegeben, die Anmeldung der Genossenschaft im Handelsregister erfolgt. Zurzeit laufen die Detailaufnahmen im Restaurant. Die Baubewilligung erwartet Krebs im April.

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