Schon lange ist klar, dass die Spitex ihren aktuellen Standort an der Schöneggstrasse 7 in Brugg – in unmittelbarer Nähe zum Pflegezentrum und zum Hospiz – verlassen muss. Und eigentlich wäre immer geplant gewesen, dass die Spitex im neuen Hochhaus des Bauprojekts Akkord ihr neues Zuhause findet. Doch aus diesen Plänen wird nun nichts. Die Spitex zieht nach Windisch, konkret an die Schwimmbadstrasse 4 in die alten Räumlichkeiten des Reisezentrums Knecht. Ein ganzes Stockwerk wird die Spitex dort belegen, denn sie ist in den letzten Jahren enorm gewachsen, wie die neusten Zahlen zeigen.

Infogram: Entwicklung der Personalstruktur der Spitex Region Brugg AG


Doch macht es Sinn, dass ausgerechnet die Spitex, deren grösster Klientenanteil über 80 Jahre alt ist, ausgerechnet den Ort verlässt, der ein Zentrum für Altersbedürfnisse geworden ist? Es sind pragmatische Gründe, die zu diesem Ortswechsel geführt haben. Wirklich glücklich darüber ist die Spitexführung nicht, dass es mit einem Umzug ins Hochhaus nicht geklappt hat.
Man sei zwar frühzeitig in die Planung miteinbezogen worden, hiess es gestern Mittwochnachmittag an einer Pressekonferenz. Jedoch habe man die Bedürfnisse der Spitex bei der Planung kaum oder gar nicht berücksichtigt. «Uns war wichtig, dass wir einen grossen, offenen Raum erhalten, wo untereinander einfach und rasch kommuniziert werden kann. Und essenziell ist für uns die Parkplatzsituation mit raschen Zu- und Wegfahrmöglichkeiten», erklärt Verwaltungsratspräsident Karsten Bugmann. «Das konnte uns das Projekt Akkord nicht bieten.»


Diskussion um Aussenstandorte

Im Reisezentrum Knecht hat die Spitex nun die Möglichkeit, die Räume auf die spitexinternen Prozesse anzupassen. Es entsteht ein durchlässiges Grossraumbüro auf rund 800 Quadratmetern. So viel Platz hätte die Spitex im Akkord-Hochhaus nicht erhalten, schon gar nicht auf einer einzigen Fläche. Der neue Standort biete Entwicklungspotenzial. Der ist nötig, denn die aufgewendeten Stunden sind enorm angewachsen.

Infogram: Geleistete Stunden pro Jahr und Leistungsart 2013 bis 2016 der Spitex Region Brugg AG

Infogram: Durchschnittliche Anzahl Pflegestunden pro Einwohner 2013 bis 2016 der Spitex Region Brugg AG

Die Spitex wird nicht von Beginn weg den ganzen Raum brauchen. Da sie aber kontinuierlich wächst, wird es eine Frage der Zeit sein, bis weitere Arbeitsplätze dazu kommen. «Wir haben uns zuerst auch überlegt, ob wir allenfalls den Standort Lupfig aufgeben könnten», sagt Geschäftsführerin Rebekka Hansmann. «Wir haben aber schnell gemerkt, dass dies aufgrund der Distanz doch keinen Sinn macht.» Beide Aussenstandorte, Schinznach und Lupfig, bleiben also bestehen.
«Der neue Standort in Windisch macht für uns verkehrstechnisch viel mehr Sinn», erklärt Karsten Bugmann. «Die Spitex ist vergleichbar mit einem modernen Logistikunternehmen. Kurze Wege sind für uns wichtig, da die Versicherer den Weg nicht bezahlen.» Ein Vorteil sei auch, dass die Mitarbeitenden der Spitex vor Ort von der Kantine des Reisezentrums Knecht profitieren können. Geplant ist, dass die Spitex im September 2017 die neuen Räume bezieht. Den Mieterumbau von 250 000 Franken bezahlt die Spitex.

So sollen die Räumlichkeiten der Spitex im alten Gebäude des Reisezentrums Knecht in Windisch nach dem Umbau aussehen.

Visualisierung des neuen Spitex-Büros

So sollen die Räumlichkeiten der Spitex im alten Gebäude des Reisezentrums Knecht in Windisch nach dem Umbau aussehen.


Die Erträge sind enorm gestiegen

Folglich wird die Spitex Region Brugg AG ihren fünften Geburtstag im Oktober bereits am neuen Ort feiern. Sie ist den Kinderschuhen längst entwachsen, hat eine unglaubliche Entwicklung hinter sich. Eine Entwicklung, die sich die Verantwortlichen zu Beginn nicht erträumt hätten. Im ersten Quartal 2013 verzeichnete die Spitex noch 59 geleistete KLV-Stunden (Pflegeleistungen ohne Hauswirtschaft) pro Tag. Im vierten Quartal 2016 waren es 140. Genauso eindrücklich gestiegen sind die erwirtschafteten Beträge. 2013 waren es noch etwas mehr als 1,5 Mio. Franken, im Jahr 2016 waren es gut 3,5 Mio. Franken.

Infogram: Prozentualer Anteil Frauen/Männer bei den Leistungsbezüger der Spitex Region Brugg AG