Claudia Meier, Ressortleiterin «az Brugg», fühlte den Kandidatinnen und Kandidaten am Dienstagabend im gut besuchten Salzhaus auf den Zahn. Alle haben sich, soviel vorweg, gut geschlagen.

Daniel Moser (FDP) hat den Schritt zum Stadtammann nie bereut. Er möchte dieses Amt weiterhin ausüben, denn: «Es gibt noch viel zu tun.» Durch den Campus-Neubau der Fachhochschule Nordwestschweiz werde es definitiv zu Veränderungen kommen, steht für den Stadtammann fest. Mit dem neuen Leben werde es andere Ansprüche geben. Die Ortsplanungsrevision unter dem Titel «Raum Brugg Windisch» bezeichnete der Stadtammann als eine ganz grosse Chance. Wichtig sei jetzt die Teilnahme der Bevölkerung.

«Politik macht Spass», sagte die amtierende Stadträtin Andrea Metzler (SP). In einer Demokratie sei es möglich, sich einzubringen. «Und ich mache gerne mit.» Unbedingt nutzen möchte sie die Möglichkeiten, die sich durch den Fachhochschul-Campus ergeben. Und sie ist zuversichtlich, dass dies gelingen wird. In den letzten Jahren wurden, so Metzler, verschiedene Aufgaben – auch freiwillige – regional gelöst. «Zwischen den Gemeinden besteht ein gutes Einvernehmen.» Metzler erwähnte die Spitex, das Zivilstandswesen oder die Jugendarbeit.

Willi Däpp (SP) fragte sich, ob Brugg bereit sei für den Campus. «Vielleicht sind es noch nicht alle. Aber viele sehen das Potenzial.» Bei der Kommunikation ortet er das Problem darin, dass die Informationen nicht immer beim Empfänger ankommen. Sein Vorschlag lautet, eine App für Tablet-Computer oder Mobiltelefone zu entwickeln – «handlich für unterwegs». Eine regionale Zusammenarbeit ist nach seinem Dafürhalten wichtig. Bei einer Fusion aber sind, so Däpp, am Schluss die kulturellen Unterschiede oder die Finanzen massgebend. «Es muss sich für alle lohnen.»

Durch seine langjährige politische Tätigkeit habe er vielerorts Einblicke erhalten und könnte mit diesem Rucksack im Stadtrat seine Erfahrung einbringen, zeigte sich Leo Geissmann (CVP) überzeugt. In seinem beruflichen Umfeld in der Informatik müssten Projekte immer sofort umgesetzt werden. In der Politik möchte Geissmann langfristige Ziele setzen. Gerade Strukturveränderungen brauchten Zeit – «man muss weit in die Zukunft blicken». Bei der Ortsplanungsrevision könnten Schwerpunkte gesetzt und die Chance genutzt werden, über die Gemeindegrenze hinaus zu schauen und regional zu denken.

Urs Holliger (parteilos) sieht Verbesserungsmöglichkeiten im Bereich Kommunikation und Information – speziell bei der Website der Stadt oder beim Dialog mit den Bürgern. Seiner Meinung nach fehlt im Stadthaus ein Empfangsbereich. Die Fachhochschule sieht Holliger als Glücksfall. Er hofft auf Toleranz und auf Impulse für die Altstadt. Denn diese sei attraktiv. «Es gibt lauschige Ecken und Plätze.» Aber auch für die ältere Generation habe Brugg viel zu bieten, so der Stadtratskandidat mit Blick auf das Medizinische Zentrum.

Für Esther Hunziker (frauenbrugg) steht fest, dass eine zweite Frau einen Sitz im Brugger Stadtrat erobern soll. «Wir Frauen müssen vernetzt sein.» Der Campus sowie die Fachhochschule sind ihrer Meinung nach noch nicht in Brugg angekommen. Nachholbedarf sieht sie bei der Verbindung, der Bahnhofunterführung. Sie sei gespannt auf den Betrieb, auf den Zeitpunkt, wenn die Studierenden eintreffen. Bei den Fusionen möchte Hunziker nichts übers Knie brechen. Denn diese seien sowohl mit Arbeit als auch mit Kosten verbunden.

Für Markus Lang (glp) steht im Stadtrat nicht die Partei, sondern die Teamarbeit im Vordergrund. Er ist zuversichtlich, dass der Campus zu einer Erfolgsgeschichte wird. Aber: Die Studenten müssten ein Angebot vorfinden, das sie zum Verweilen in Brugg einlade. Zum Thema Ortsplanungsrevision hielt Lang fest, dass sich die Bedürfnisse in den letzten 40 Jahren geändert hätten. «Das kann nicht lokal funktionieren, es braucht den Blick über die ganze Region.» Wenn es gelinge, die Marke Brugg bekannter zu machen, könnten neue Steuerzahler angelockt werden.

«Ich habe es gerne, wenn etwas läuft», sagte Reto Wettstein (FDP). Ihm fehlt heute da und dort die Dynamik. Mit dem Campus-Neubau sei eine Top-Infrastruktur geschaffen worden. «Wir müssen offen sein für Neues», ist für Wettstein klar. In vielen Bereichen – als Beispiel nannte er das Thema Littering – seien Ideen vorhanden. Diese seien zu koordinieren, damit effiziente Lösungen möglich seien. Gleiches gelte bei der Ortsplanungsrevision. «Wir dürfen keine Scheuklappen haben. Wie in der Wirtschaft müssen Risiken, Chancen und Kosten abgeklärt werden.»

Thomas Wymann (SVP) will sich stark machen für Bürgernähe, für direkte Wege und eine schlanke Verwaltung. Häufig werde versucht, zu viel auf einmal zu erreichen, sagte der SVP-Kandidat, der – wegen eines harmlosen Zwischenfalls – mit einer Augenklappe auf der Bühne stand. «Step by Step» lautet deshalb sein Motto, damit die Prioritäten richtig gesetzt werden. Bei den Finanzen müsse das Wünschbare noch stärker vom Notwendigen getrennt werden. Am Herzen liegt Wymann überdies das Gewerbe und der Gewerbeverein Zentrum Brugg, der eine noch stärkere Unterstützung verdiene.