Campussaal
Jetzt geht es um die Zukunft des Saals

Der Brugger Stadtrat beantragt neue Betriebsbeiträge für 10 Jahre, der Gemeinderat Windisch für 5 Jahre.

Claudia Meier
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Seit der Inbetriebnahme der modernen Räumlichkeit wird diskutiert, ob der Campussaal die hohen Erwartungen vonseiten Bevölkerung, Politik und Wirtschaft überhaupt erfüllen kann und was es nach der Aufbauphase anzupassen gibt. (Archivbild)

Seit der Inbetriebnahme der modernen Räumlichkeit wird diskutiert, ob der Campussaal die hohen Erwartungen vonseiten Bevölkerung, Politik und Wirtschaft überhaupt erfüllen kann und was es nach der Aufbauphase anzupassen gibt. (Archivbild)

Aargauer Zeitung

Während Jahren wünschte sich die Stadt Brugg einen Stadtsaal. Im Oktober 2013 ging dieser Wunsch in Erfüllung: mit dem Campussaal auf Windischer Boden. Möglich wurde dieses Projekt im Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz erst im zweiten Anlauf auf Druck des Kantons und mit Unterstützung der Gemeinde Windisch. Eine erste Stadtsaal-Vorlage wurde vom Brugger Stimmvolk unerwartet deutlich abgelehnt.

Seit der Inbetriebnahme der modernen Räumlichkeit wird diskutiert, ob der Campussaal die hohen Erwartungen vonseiten Bevölkerung, Politik und Wirtschaft überhaupt erfüllen kann und was es nach der Aufbauphase anzupassen gibt. Ein Stichwort ist die eher komplizierte Organisationsstruktur mit der Campussaal Immobilien AG (CIAG) und der Campussaal Betriebs AG (CBAG) (siehe nachfolgende Grafik). Bis Ende 2017 beteiligt sich die Stadt Brugg mit maximal 390 000 Franken und die Gemeinde Windisch mit maximal 210 000 Franken pro Jahr am Campussaal-Betrieb.

Task-Force prüfte Optionen

Damit der Betrieb weiterhin möglich sowie der Unterhalt und die später notwendige Erneuerung des Saals garantiert sind, beantragen die beiden Exekutiven ihren Einwohnerräten einen jährlich wiederkehrenden Verpflichtungskredit von maximal 352 000 Franken (Anteilsquote 65%) in Brugg und 190 000 Franken in Windisch. Eine Task-Force unter der Leitung von Stadtrat Leo Geissmann hat sich in den letzten Monaten mit allen möglichen Szenarien befasst und eine entsprechend umfangreiche Botschaft zuhanden der Einwohnerräte ausgearbeitet.

So viel vorweg: An der Organisationsstruktur mit CIAG und CBAG, an denen die beiden Trägergemeinden Brugg und Windisch beteiligt sind, soll nicht gerüttelt werden. Auch an der externen Betreiberfirma ABA Management GmbH will man festhalten. Nicht einig sind sich der Stadtrat Brugg und der Gemeinderat Windisch über die Dauer des jährlichen Defizitbeitrags. Brugg beantragt die finanziellen Mittel für die kommenden 10 Jahre und Windisch für 5 Jahre.

Werbung für den Bildungsstandort

«Der Campus mit seinem Saal als Herzstück trägt wesentlich dazu bei, dass die Namen der Standortgemeinden Brugg und Windisch über die Gemeinde- und Kantonsgrenzen hinaus getragen und als Bildungsstandort bekannt gemacht werden», heisst es in der Botschaft.

Die CIAG mit Verwaltungsratspräsident Martin Wehrli (ehemaliger Brugger Vizeammann und Finanzdirektor) ist Besitzerin des Saals und befasst sich ausschliesslich mit der Immobilie. Sie schreibt diese ab und baut im Gegenzug finanzielle Mittel auf, die für den laufenden und zukünftigen Erhalt des Saals notwendig sind. Das dafür erforderliche Geld erwirtschaftet die CIAG über Mieteinnahmen, die sie der CBAG für die Nutzung des Saals fakturiert. Reichen diese Mittel nicht aus, werden die beiden Aktionärinnen mit Darlehen und/oder Zuwendungen die CIAG unterstützen. Ein entsprechender Aktionärsbindungsvertrag wurde bis Ende 2028 abgeschlossen.

Fusion bedeutete höhere Steuern

Die zweite Firma, die CBAG mit Verwaltungsratspräsident Willi Däpp (Brugger Stadtrat), ist Mieterin des Saals und überträgt die operative Tätigkeit an die externe Betreibergesellschaft ABA Management GmbH aus Remigen. Die CBAG gehört den beiden Gemeinden Brugg und Windisch zu je 50 Prozent. Der Aktionärsbindungsvertrag wurde ebenfalls bis Ende 2028 abgeschlossen.

Könnte man die CIAG und die CBAG nicht zu einer Campussaal AG zusammenlegen und sich so die Kosten für zwei Verwaltungsräte und die separate Rechnungsführung sparen? «Diese Option kann zurzeit nicht weiterverfolgt werden, weil die finanziellen Konsequenzen bei der Mehrwertsteuer zu hoch wären», heisst es in der Botschaft. Bei einer Fusion müsste die neue Gesellschaft Kürzungen von Vorsteuerabzügen in Kauf nehmen.

Die CIAG versteuert die Mieterträge. Sie verwendet den Campussaal für eine zum Vorsteuerabzug berechtigte Tätigkeit. «Daraus resultiert ein Vorsteuerbetrag von rund 1 Mio. Franken», hält der Brugger Stadtrat fest. Nach einem Zusammenschluss mit der CBAG wäre dieser Vorsteuerbetrag nicht mehr gültig, da die neue Gesellschaft praktisch ausschliesslich durch Subventionen (Betriebsbeiträge) finanziert würde.

«Es müssten rund 90% dieses Betrags wieder als Mehrwertsteuer abgeliefert werden», lautet das Fazit. Der Betrag stehe in keinem sinnvollen Verhältnis zu den Einsparungen durch die Verschlankung der Organisation. Dennoch wurde auch bei den Verwaltungsratshonoraren gespart.

CBAG als Saalbetreiber?

Ausserdem unterstützen die Aargauische Kantonalbank (AKB) den Campussaal für weitere 5 Jahre mit einem jährlichen Beitrag von 25 000 Franken und das Berufs- und Weiterbildungszentrum Brugg mit einem Jahresbeitrag von 20 000 Franken für die Periode 2018-22.

Die Betreibergesellschaft ABA stellt das Betriebspersonal für den Campussaal an und trägt einen Teil des unternehmerischen Risikos. Ginge es ohne ABA? Nein, dies kommt für die CBAG einem Neustart gleich mit paralleler Akquise, neuem Personal und verschiedenen Ansprechpartnern.

Die ABA möchte den Managementvertrag mit der CBAG verlängern, wünschenswert wäre ein 10-Jahres-Vertrag. Grundsätzlich definiert aber die Zeitdauer der Betriebsbeiträge die Laufzeit des Managementvertrags und diese hängt nun von den politischen Entscheiden ab.

Abstimmung: Saal kostet jährlich bis 542 000 Franken

Den beiden Einwohnerräten werden die Vorlagen über die künftigen Betriebsbeiträge für den Campussaal am 10. März in Brugg und am 15. März in Windisch zum Entscheid unterbreitet. Beantragt werden in Brugg maximal 352 000 Franken jährlich für die Jahre 2018-27 und in Windisch 190 000 Franken pro Jahr für die Periode 2018-22. Die Urnenabstimmung findet dann am 21. Mai statt. (CM)