Windisch
Jetzt gehen die Vindonissa-Besucher mit Kopfhörern auf Mörderjagd

«Alarm im Lager – Sucht den Mörder des Centurio» ist ein römisches Abenteuer am Originalschauplatz. Die neuste Spiel-Tour, so zeigt ein Versuch, ist unterhaltsam und lehrreich zugleich.

Michael Hunziker
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Die Römer bauten einst das erste Spital der Schweiz
7 Bilder
Setzt man sich im Feldlazarett auf die Betten der Patienten, erzählen diese ihre Krankheitsgeschichten
Eine friedliche Truppe auf dem Legionärspfad
Brot backen - der Legionärspfad ist eine Attraktion für Gross und Klein
Auf dem Legionärspfad Vindonissa kann Geschichte am Originalschauplatz erlebt werden
Beim Behandlungstisch im Feldlazarett liegen die Instrumente des Medicus
Jetzt gehen die Vindonissa-Besucher mit Kopfhörern auf Mörderjagd

Die Römer bauten einst das erste Spital der Schweiz

Michael Hunziker

«Hat er wirklich gelebt?», fragt der achtjährige David. Aufmerksam studiert er das Bild des Centurio. «Ist er wirklich umgebracht worden?» Wer weiss. Auf jeden Fall hätte sich die Geschichte tatsächlich so zugetragen haben können – vor rund 2000 Jahren im Legionslager Vindonissa: Im jungen Alter von 35 Jahren war Centurio Valerius ums Leben gekommen. Nicht im Kampf war er gefallen, sondern hinterhältig umgebracht worden.

«Alarm im Lager – Sucht den Mörder des Centurio», heisst die neue Spiel-Tour für Familien auf dem Legionärspfad in Windisch. Als Detektive werden die Teilnehmer losgeschickt, um herauszufinden, wer hinter der Ermordung steckt. War das Tatmotiv Eifersucht? Eine politische Intrige oder Rache? Fünf Hauptverdächtige kommen infrage – der Freund aus dem engeren Umfeld genauso wie der Feind aus den Reihen der Helvetier.

Beim Empfang erhalten die Besucher die Detektivkarte, die Spielkarten, den Spielplan sowie den Kopfhörer. David befestigt den Ansteckknopf der Medusa an seinem T-Shirt. Vorne auf der Brust getragen, schützt diese dämonische Figur mit den Schlangen im Haar vor Übel und Unglück. Dermassen gut ausgerüstet geht es in die Zeitmaschine.

David lauscht gebannt und mit grossen Augen den Ausführungen des ermordeten Centurio, der aus der Unterwelt auftaucht, verzweifelt seine Situation beschreibt und erklärt, wie der Täter gesucht und bestraft werden kann. Dem abenteuerlustigen und neugierigen Nachwuchs-Detektiv scheint die Situation im abgedunkelten Raum nicht ganz geheuer. Auf das Kommando «Stillgestanden!» des römischen Befehlshabers zuckt er jedenfalls – ganz gehorsam – leicht zusammen.

In der Folge führt der Weg an diesem strahlenden Sommertag kreuz und quer über den Legionärspfad. An den Audiopunkten melden sich über die Kopfhörer die ehemaligen Bewohner Vindonissas zu Wort. Es klappert und klirrt, scheppert und blubbert. Geschildert wird, wie der Centurio gelebt hat, wo sein Wohnhaus stand, wie es im Speisezimmer aussah und wie es dort zu- und herging. Zu erfahren ist auch, dass der Mord während eines Gelages bei gutem Essen und guten Wein passierte. David fragt sich derweil, warum die Münze, die er beim Start erhalten hat, so wichtig ist und wie das Gift Rizin aus Nordafrika ins Legionslager gekommen sein soll.

Natürlich führt die Spur auch zur neusten, mittlerweile zehnten Station des Legionärspfads – zum authentisch rekonstruierten und eben erst eingeweihten Feldlazarett. Dort, wo einst das erste Spital der Schweiz stand, wird aufgezeigt, wie früher geheilt wurde. Auf dem Behandlungstisch liegt der Pfeil, der den Centurio getroffen hatte und der ihm aus der Brust operiert werden musste. Daneben befinden sich die Skalpelle des Medicus. Setzt man sich ans Bett der Patienten, erzählen diese auf anschauliche Weise, was bei einem entzündeten Auge, einem faulen Zahn oder einem Knochenbruch unternommen wurde.

Kriminalistisches Gespür ist gefragt, denn verschiedene Fährten führen ins Leere. Kann man sich einmal für keinen Verdächtigen entscheiden, helfen die Götter beim Orakel in der Klosterkirche. David kommt – auch ohne das Orakel zu befragen – ans Ziel. Nach rund zwei Stunden ist der Fall gelöst und der Achtjährige trifft bei der Fluchwand ein.

Dort kann der Täter bei Pluto, dem Gott der Unterwelt, verflucht werden, damit er seine gerechte Strafe erhält. Ganz nach römischem Brauch. Nach der anstrengenden, aber durch und durch kurzweiligen und lehrreichen Suche ist noch einmal Kreativität gefragt. David wünscht dem Mörder, dass er die Intelligenz eines Holzklotzes erhält, seine Ohren wachsen sollen wie bei einem afrikanischen Elefanten. Und was in Zukunft beim Pinkeln höllisch jucken soll, das erfährt zum Glück nur Pluto in der Unterwelt.