Windisch

Jetzt beleben sieben Bewohner in drei neuen Wohnungen das 350-jährige Haus

Sandra Stamm und Alois Deiss haben sich innert vier Jahren in einem einst verwahrlosten Haus seinen Wohntraum erfüllt – inklusive Sauna im Saustall.

Die Erleichterung steht dem Hausbesitzer an der Dorfstrasse 53 in Unterwindisch ins Gesicht geschrieben. «Die Bauphase ist jetzt nach vier Jahren abgeschlossen», sagt Alois Deiss. Zusammen mit seiner Partnerin Sandra Stamm kaufte er die Liegenschaft – der älteste Teil ist über 350 Jahre alt – vor viereinhalb Jahren.

«Das Haus stand zuvor zehn Jahre leer und war in einem desolaten Zustand», erzählt Stamm in der grosszügigen Eingangshalle hinter dem Gebäude und zeigt nach oben: «Da war früher der Heuboden. Gut acht Fuder altes Heu mussten wir zuerst wegräumen, bevor wir mit dem Bau beginnen konnten.» Heute schmückt eine grosse Lampe – Marke Eigenkonstruktion – bestehend aus vier grünen Mostflaschen die Decke und sorgt jeweils am Abend für ein spezielles Ambiente. An der Wand hängt eine alte Sturmlampe.

Soziale und berufliche Intergration

Mit dem Hauskauf konnte sich Alois Deiss gleich mehrere Wünsche erfüllen: «Ich baue sehr gerne und wollte eine schöne Werkstatt einrichten.» Seinem Traum, in einem Mehrgenerationen-Haus alt zu werden, kam er mit dem aufwendigen Umbau einen Schritt näher. 2010 wurde der Verein Werkhaus Windisch gegründet, der bezweckt, Arbeitssuchenden, Studenten und unterbeschäftigten Personen temporäre Lohnarbeit sowie soziale und berufliche Integration anzubieten.

Rund 80 Prozent aller Arbeiten hat der pensionierte Sozialpädagoge mit der Unterstützung von zwei bis drei Allroundern selber ausgeführt. «Auf dem Bau ging es zwar nicht immer gleich schnell vorwärts, aber es sollte ja auch Spass machen», räumt Sandra Stamm ein, die vor allem fürs Administrative zuständig war.

Alte Treppenstufen auf neuem Fundament

Zu Beginn ging es zügig voran, sodass Deiss und Stamm schon bald in ihre Wohnung im alten Hausteil einziehen konnten. Ein Blick in den Wohnbereich verrät die Liebe zur historischen Bausubstanz – die Wände sind bedingt durch eine doppelte Konstruktion bis zu 60 Zentimeter dick. Sichtbalken prägen die Wand im Büro, das alte Buffet wird weiterverwendet und die antiken Treppenstufen haben einfach ein neues Holzfundament erhalten.

Mittlerweile ist nicht nur die zweite, sondern sogar die dritte Wohnung unter dem gleichen Dach fertiggestellt. Hinter der alten Gebäudehülle verbergen sich separate Kuben für die Zimmeraufteilung. «Bei der Fachberatung haben wir nicht gespart», betont Deiss. «Das Haus entspricht dem Minergie-Standard», ergänzt Stamm. Dank der Dachwasserfassung wird das Regenwasser gesammelt und kann für Toiletten, Waschmaschine und Garten wiederverwendet werden.

Regenwasser für Waschmaschine

«Es wird immer exklusiver», sagt ein Nachbar bei einer Besichtigung diese Woche des dritten Heims in der früheren Scheune. Jede Wohnung hat eine eigene kontrollierte Lüftung. Damit jeder Winkel genutzt wird, sind im Lüftungsschrank ein paar Regale für zusätzlichen Stauraum eingebaut. Im Badezimmer sind die alten Spiegelrahmen ein Blickfang. Mit der Schiebetür im Schlafzimmer lässt sich entweder der Kleiderschrank oder die Zimmertür schliessen.

Ende Woche wird einer der Allrounder, der die letzten beiden Monate in einem Zirkuswagen neben dem Haus wohnte und bei der Baustelle fleissig Hand anlegte, mit seiner Partnerin in die neuste Wohnung einziehen. Noch nicht fertig gebaut ist die Sauna im ehemaligen Saustall. Aus dem Rübentrog ist ein Kaltwasserbecken entstanden, die Sauna selber muss noch montiert werden. «Wenn wir auf den Holzliegen Matten ausbreiten werden, können wir unseren Besuchern dort auch mal ein Gästebett anbieten», sagt Stamm. Gleich neben dem künftigen Wellnessbereich, hat sich Deiss seinen Werkstatt-Traum erfüllt.

Alle drei Wohnungen sind auf zwei Etagen verteilt – die jüngste Bewohnerin ist 2-jährig. Die offene Veranda im ersten Stock führt an allen drei Wohnungen vorbei. Jetzt, wo die Bauarbeiten offiziell abgeschlossen sind, dürfte in der grosszügigen Eingangshalle schon bald der Tischtennistisch aufgestellt werden sowie regelmässig eine Party steigen.

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