Täglich treffen schreckliche Nachrichten aus Syrien ein. Was ist da noch zu machen? Jemand, der diese Situation hautnah als Syrer und Jesuit erlebt, berichtete am Dienstagabend in Brugg, was er eben doch alles tun kann: Pater Nawras Sammour, verantwortlich für das Flüchtlingshilfswerk der Jesuiten (Jesuit Refugee Service JRS) im Nahen Osten.

Seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erreichen in den drei grössten Städten Aleppo, Homs und Damaskus täglich mit ihren Essenspaketen 12'000 Flüchtlinge; dazu monatlich über 3500 (vor allem) Kinder, Jugendliche und Frauen mit wichtigen Medikamenten. Und sie empfangen in ihren «community centers» die unzähligen Muslime und Christen mit der Absicht, das zerrissene soziale Gewebe neu aufzubauen.

Unberechenbare Situation

Pater Nawras betonte in eindrücklicher Weise, dass es für die Christen in Syrien der Moment sei, Zeugnis für die Hoffnung abzulegen. Und das inmitten eines scheusslichen, nun schon sieben Jahre dauernden Kriegs. «Sich herauszuhalten und aufzugeben, ist keine Option», sagte er. Er versprüht Hoffnung, obwohl er die Komplexität kennt und aufwühlende Zahlen nennt: beinahe 1 Million getötete Menschen und 7 Millionen Flüchtlinge. Die politische Situation sei absolut unberechenbar. Der Jesuiten-Pater berichtete auch über das Schicksal der christlichen Gemeinden in der ganzen Region und ihre grosse symbolische Bedeutung. Bei der Versöhnungsarbeit sei der erste Schritt, dass auch die christliche Gruppierung den eigenen Anteil an der entstandenen Situation erkenne, sich an einer Vision orientiere, Ängsten entgegenstelle, Vertrauen aufbaue und Hoffnung für alle verbreite.

Im letzten und in diesem Jahr unterstützt die katholische Kirchgemeinde Brugg die JRS-Flüchtlingsprojekte mit je 25'000 Franken. Grund genug für Pater Nawras, bei seinem Schweiz-Besuch nach Brugg zu kommen und die Gruppe «Faire Welt» mit weiteren Interessierten persönlich über seinen äusserst beeindruckenden Einsatz direkt zu informieren und den Austausch zu suchen. Abschliessend betonte Pater Nawras: «Extrem wichtig für uns sind eure Solidarität und eure Gebete.» (AZ)