Brugger Literaturtage 2014

Jedes zweite Jahr fordert die Stadt Brugg Neugierige auf: «Wir lesen»

Der Schweizer Autor Alain Claude Sulzer nimmt mit neun Kolleginnen und Kollegen an den Brugger Literaturtagen teil. Er hat zahlreiche Romane veröffentlicht.

Der Schweizer Autor Alain Claude Sulzer nimmt mit neun Kolleginnen und Kollegen an den Brugger Literaturtagen teil. Er hat zahlreiche Romane veröffentlicht.

Wann befindet sich Brugg im Ausnahmezustand? Keiner muss in der Stadt nachdenken: «Am Rutenzug.» Dieser ist jedes Jahr Höhepunkt im Festkalender. Jedes zweite Jahr kommt ein weiterer hinzu – die Brugger Literaturtage.

1986 haben die Brugger Literaturtage erstmals stattgefunden, 2014 gehen sie zum 15. Mal über die Bühnen im Salzhaus, Odeon und Rathaus. Längst nimmt das Kurzfestival nicht nur im regionalen und kantonalen, sondern auch im nationalen Literaturbetrieb eine bedeutende Rolle ein.

Wer ist eingeladen worden?

Wie immer ist die Spannung gross: Wer ist eingeladen worden? Dieses Jahr sind Mirko Bonné, Dorothee Elmiger, Eleonore Frey, Thilo Krause, Thomas Meyer, Katja Petrowskaja, Christoph Poschenrieder, Marion Poschmannn, Leta Semadeni und Alain Claude Sulzer zu Gast. «Die Literaturtage 2014 führen zehn Autorinnen und Autoren mit ihren Fragen und Antworten nach Brugg», schreibt Stadtammann Daniel Moser im Vorwort des druckfrischen Flyers: «Ihre Literatur ist ein Spiegelbild des Lebens.» In der literarischen Vielfalt, die heuer neu durch Lyrik belebt wird, liegt der Reiz der Brugger Literaturtage.

Neu ist auch anderes. Zum Beispiel die Literaturkommission, die nun vom langjährigen Mitglied Werner Bänziger, Deutsch- und Geschichtslehrer an der Kantonsschule Wettingen, präsidiert wird. Neu ist auch der elegante Internetauftritt, der seinen Widerhall im Flyer findet. Die tanzenden Buchstaben auf dem Titelblatt sollen neugierig machen auf das, was Brugg vom 19. bis 21. September bietet: Gespräche, Austausch und Begegnungen im Rahmen des geschriebenen Worts. Neu ist überdies der um 100 Prozent – von 5000 auf 10 000 Franken – aufgestockte Beitrag des Aargauer Kuratoriums. Das Budget der von der Stadt Brugg getragenen Literaturtage beträgt 30 000 Franken.

Erfreut zeigt sich Werner Bänziger vor allem über einen Sonderkredit für den neuen Internetauftritt und den Flyer. Das allein bestimmt aber nicht die Literaturtage. Sie leben von ihren Autoren und ihrem Publikum, in das sich erstaunlich viele Gäste aus der deutschen Partnerstadt Rottweil mischen und auch von jenen, die langfristig für die Literatur gewonnen werden sollen. Also sind auch in diesem Jahr junge Menschen in die Literaturtage eingebunden: an der Sonntags-Matinee im stimmungsvollen Salzhaus.

Das, was nicht zu erlernen ist

«Ist literarisches Schreiben lernbar?» heisst die Frage, die dort Autorinnen, Autoren und eine Vertreterin des Bieler Literaturinstituts zu beantworten versuchen. Was meint Werner Bänziger? «Literarisches Schreiben ist lernbar, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Danach muss hinzukommen, was eben nicht zu erlernen ist.»

Wie 2012 werden auch bei der diesjährigen Sonntags-Matinée im Salzhaus Kantonsschulen aus Baden und Wettingen mitwirken – mit einer Ein- und Ausleitung. «Die Schülerinnen und Schüler werden indessen nicht Geschichten vorlesen, sondern jeweilen die ersten und die letzten Sätze eines Romans», sagt Bänziger. Das ist der für das Publikum sichtbare Anteil der Schüler an den Literaturtagen. Der nicht sichtbare findet in der Wettinger Klasse 2C statt: die Textwerkstatt, zu der die deutsche Autorin Marion Poschmann eingeladen worden ist.

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