Windisch

Jedes ihrer Lieder erzählt eine Geschichte

Die Liedermacher De Roesch (links) und de Roche. Samuel Frey

Die Liedermacher De Roesch (links) und de Roche. Samuel Frey

«De Roesch und de Roche» erzählen singend vom Leben als Kellner – ein Besuch beim Auftritt der Mundartmusiker in der Windischer Bossardschüür.

«Es ist ein Knochenjob: Er steht an vorderster Front, muss tagtäglich mit den Gästen umgehen und dazu noch eine kompetente Fachperson sein, um den richtigen Wein bestimmen zu können», sagt Simon de Roche, ein Teil des Duos De Roesch und de Roche. «Ja, es ist wirklich kein leichter Job. Ich muss alles wissen: Wann der nächste Zug fährt, welches Besteck für den Speck und welches für den Fisch ist, wie das Ambiente sein soll und immer muss ich alles alleine machen. Aber am schlimmsten sind die Weiterbildungen an Weindegustationen», antwortet Ivo E. Roesch, der das Duo vervollständigt und in die Rolle eines Kellners schlüpft. Die beiden vielfältigen Musiker servieren im wahrsten Sinn des Wortes in ihrem Programm «ohrgrächti Lieder». Den Rahmen für ihre Lieder bildet ein Restaurantbesuch von de Roche, während ihn Roesch als engagierte Servicefachperson bedient.

Ein Lied, eine Geschichte

Jedes Lied erzählt eine kleine Geschichte, und diese werden durch die Geschichte im Restaurant «Chez Quelqu’un» zusammen gebracht. «Fein kochen kann ich selbst, dafür muss ich nicht ins Restaurant, aber das Ambiente und der gute Service locken mich hierher», erklärt de Roche. Wie zum Beweis kommt Roesch und serviert seinem Gast seine Gitarre, und die beiden erzählen singend die nächste Geschichte: Der Papst exkommuniziert ganz Spiez, weil er sein «Speck-Bschteck» nicht mehr bestellen kann, aber dem höchsten katholischen Würdenträger kam wieder einmal die Reformation dazwischen.

Je weiter das Programm voranschreitet, desto unzufriedener wird der Kellner mit seinem Beruf. Da helfen nicht einmal die Sprechgesänge der beiden Musiker zum Roggenschrotbrot, das einen Roggenschrotbrot-Gott und noch viel anderes hat. Diese Geschichte erzählen die Musiker in kleine Stücke während des ganzen Abends. «Wir wollen Geschichten erzählen, und haben diese in mundgerechte Stücke unterteilt», sagt Roche. «Es ist wie beim Essen, man kann sich auch nicht alles auf einmal in den Rachen stopfen», sagt Roesch. Nicht einmal diese Erkenntnis kann seine Liebe zum Kellner-Beruf wieder entfachen. Ähnlich wie in einem Lied, in dem ein Liebender erst auf den zweiten Blick erkennt, dass seine Angebetete die Augen zu nahe beieinander hat und dazu noch zu grosse Ohren.

Die Gäste machen das Leben des Kellners auch nicht einfacher: Entweder haben sie Angst, dass sie mit einem Rindstatar vergiftet und danach verheiratet werden oder sie sind so nervös, dass jeder Service nur zu spät kommen kann. Aber dem Kellner reicht es irgendwann und nach 90 Tagen Kündigungsfrist probiert er sich zuerst als Erfinder. Seine «zweinäggeligi Riisnäggeli» sind leider kein Erfolg. Als Mathematiklehrer jagt er einen Ritter in Rüstung einem Clown ohne rote Nase hinterher, nur um zum Schluss zu kommen, dass das Glück gesucht und der Weg gegeben ist. Der ehemalige Kellner findet schliesslich seine Berufung als Gärtner.

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