Schinznach-Dorf

Jeder Tropfen ist etwas Besonderes

Das traditionelle Räbhüslifäscht hat viel Volk in die Rebberge gelockt. Der Anlass war wiederum ein voller Erfolg.

«Isch das so wiit obe?», fragt jemand nicht ganz ernsthaft. Aber oben – in den Rebbergen von Schinznach-Dorf -- stehen sie nun einmal, die Rebhäuschen, die den Anlass ausmachen. Ist ja schliesslich ein Räbhüsli-Fescht. «Ich fange jeweils zuoberst an, dann geht es nur noch hinunter», erklärt ein Herr, der mit dem Kauf eines Weinglases den Eintrittsobolus entrichtet hat und sich jetzt am Weinbrunnen für den Aufstieg stärkt, seine Räbhüsli-Fescht-Taktik.

Vielfalt bei den Rebsorten

Eigentlich ist es ja an diesem Samstagnachmittag noch etwas früh für die vinologisch-kulinarische Wanderung durch die Schinznacher Rebberge. Noch steht die Sonne hoch am Himmel. Langsam beginnen aber die Gäste einzutröpfeln – und scheinen sich im Gelände gleich wieder zu verlieren. Immerhin dehnen sich die Schinznacher Rebberge über eine Fläche von 31 Hektaren aus. Auf den mehr als 150 Rebparzellen gedeiht eine Vielzahl an Rebsorten. Im Vordergrund stehen zwar die traditionellen Sorten Riesling x Sylvaner und Blauburgunder. Längst aber haben – um nur einige zu nennen – auch Sorten wie Kerner, Pinot gris, Sauvignon blanc bei den weissen und Dornfelder, Zweigelt, Cabernet-Sauvignon und Malbec bei den roten Sorten Einzug gehalten. «Wir haben in Schinznach ein grosses Sortenspektrum», stellt im Römerrebberg Robert Obrist fest. «Und wir sind stolz auf unsere Reben.»

Mit dem Stolz allein ist es jedoch nicht getan. Schliesslich müssen die Erzeugnisse aus den Rebbergen auch unters Volk gebracht werden. Vor rund zehn Jahren, so Robert Obrist, hat der Verein Reb- und Weinfreunde Schinznach – in dem sich Weinproduzenten, Selbstkelterer und Weininteressierte zusammengetan haben – das Räbhüsli-Fescht ins Leben gerufen. Alle zwei Jahre – abwechslungsweise mit dem Räbhüsli-Fescht in Oberflachs – findet der Anlass statt. «Das Engagement der Rebhäuschenbesitzer hat sich sehr bewährt», sagt Robert Obrist.

Vielfalt bei der Küche

Dieses Engagement kommt am Rebhüsli-Fescht nicht bloss in der Vielfalt der Weine, sondern auch im kulinarischen Angebot zum Ausdruck. Die Speisekarten reichen von den Speckknödeln – zu denen logischerweise auf der Knödel-Alm gebeten wird – und den Winzerchnöpfli beim «Fröhlichen Hans» bis hin zu den Militärkäseschnitten, die bei den Schützen im Öl brutzeln, finnischen Spezialitäten und argentinischem Asado. Der Förderverein Werkstatt Schenkenbergertal bietet – im römischen Museumsrebberg – römisches Essen aus der fahrenden Taverne an. Liebe Frauen warten mit Kaffee, Kuchen und Torten auf. Und bei der Jurasüdfuess-Familie gibts zu einer nahrhaften Minestrone sogar Musik mit dem Jurasüdfuess-Quintett.

Und während sich die Schatten über die Rebberge zu senken beginnen, die Alphorngruppe Biberstein ihre Hörner erschallen lässt und immer mehr Besuchergruppen durch die Rebberge hochsteigen, können sich diejenigen, die oben begonnen haben, gemächlich nach unten durcharbeiten. Der Abstieg wird lang. Immerhin warten, bis wieder der Ausgangspunkt erreicht ist, 14 Rebhäuschen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1