Die Welt zeigt sich in diesen Märztagen frühmorgens oft grau in grau, der Alltag verläuft in seinem alten Trott. «Warum sich nicht einmal einen Schubs geben und vor der Arbeit, vor der Schule oder vor dem Einkauf mit Wanderschuhen in Richtung Kirche St. Nikolaus in Brugg aufbrechen?», heisst es in einer gemeinsamen Mitteilung des Pastoralraums Region Brugg-Windisch und von Reformiert Brugg. Während der Fastenzeit startet dort jeden Freitag um 7 Minuten vor 7 Uhr ein ökumenisches Morgenpilgern.

Nach einer einführenden Besinnung zum Hungertuch in der Kirche folgt ein kleiner Pilgerrundgang rund um Brugg – in Stille und oder im Gespräch.

Seelsorger Simon Meier vom Kirchenzentrum St. Nikolaus hielt in der Begrüssung der kleinen Morgenpilgergruppe, die sich am ersten Freitag der diesjährigen Fastenzeit in der katholischen Kirche in Brugg eingefunden hatte, fest: «Glaube ist erst in zweiter Linie eine Lehre; Glaube ist vielmehr eine Erfahrung, die man sich erwirbt durch und auf dem Weg, den man geht.» Zu einem solchen Weg in Form eines Morgenpilgerns lädt Meier insgesamt sieben Mal ein, zusammen mit dem reformierten Pfarrer Rolf Zaugg und der katholischen Seelsorgerin Agnes Oeschger.

Suchend gemeinsam unterwegs

In allen Weltreligionen waren Menschen auf dem Weg, Abraham von Ur in Mesopotamien nach Kanaan, Moses von Ägypten ins Gelobte Land und Jesus im ganzen Gebiet von Galiläa. Von Mohammed kennen wir die Reise von Mekka nach Medina; und auch Buddha war sieben Jahre als Bettelmönch Siddhartha unterwegs, bevor er Erleuchtung fand.

Über dem Altar in der Kirche hängt das diesjährige Fastentuch vom deutschen Künstler Uwe Appold. Dieses Bild nahm Rolf Zaugg zum Anlass, um ein paar Worte zu sprechen: Über die starke blaue Farbe des Hintergrunds, die an Himmel und Meer erinnert. Er lud dazu ein, auf dem gemeinsamen Morgenspaziergang die Farbe «Blau» zu suchen. Und tatsächlich: «Blau» zeigte sich unterwegs durch die Stadt auf signalblauen Strassenschildern, in Graffitis am Piccadilly-Jugendhaus und ersten kleinen blauen Fetzen am Himmel. Das Morgendpilgern dauert jeweils bis zirka 8 Uhr, abwechselnd begleitet von Simon Meier, Rolf Zaugg und Agnes Oeschger. (AZ)