Brugg
Jägerstübli: Die Kommunikation ist nicht besser geworden

Der Ärger um die spärlichen Informationen zum geplanten Asylbewerberheim im «Jägerstübli» dauert an. Der Kanton hat dem Quartierverein Lauffohr zwar eine Informationszusammenkunft angeboten, jedoch nicht öffentlich und nur im kleinen Rahmen.

Marc Reinhard
Merken
Drucken
Teilen
Die Kommunikation in Sachen «Jägerstübli» befriedigt nicht.

Die Kommunikation in Sachen «Jägerstübli» befriedigt nicht.

BY

Der Quartierverein Lauffohr widmete dem Reizthema «Jägerstübli» am Mittwochabend gut die Hälfte seiner Versammlungszeit. «Ich weiss nicht, ob ich dafür oder dagegen sein kann, weil ich schlichtweg zu wenig weiss», erklärt Präsident Urs Niederhauser. Wie viele Menschen werden dort wohnen? Kommen Einzelpersonen oder am Ende doch auch Familien hierher? Wird die Unterkunft rund um die Uhr betreut? Diese und weitere Detailfragen plagen die Anwohner, lösen Unsicherheiten und Ängste aus.

Der Kanton hingegen, der einen dreijährigen Mietvertrag unterschrieben hat und die Pläne zur Umnutzung für rund 40 Asylbewerber verantwortet, bleibt den Quartierbewohnern die Antwort bisher schuldig, und zwar ganz bewusst. Gemäss Balz Bruder, dem Departementssprecher, zeigt sich der Kanton zwar zu einer Informationsveranstaltung bereit, aber erst «nach Abschluss des Einspracheverfahrens».

Nur «im sehr kleinen Rahmen»

Urs Niederhauser ist nach eigenen Worten eine Informationszusammenkunft seitens des Kantons angeboten worden. Warum er abgelehnt hat, erzählt er den Mitgliedern des Quartiervereins: «Man hat ausdrücklich von einer Veranstaltung ‹im sehr kleinen Rahmen› gesprochen, höchstens für den Quartierverein.» Diese Verantwortung ist er nicht bereit zu tragen. «Ich kann doch in dieser Sache nicht die Meinungen eines ganzen Quartiers vertreten. Bei einem derart sensiblen Thema haben doch alle ein Recht auf Information.»

«Diese selektive und taktische Informationspolitik ist unfair und dilettantisch. Man sollte nicht meinen, dass der Kanton Wochen zuvor in Bettwil noch in grösste Bedrängnis gekommen ist, weil er die Bevölkerung vor vollendete Tatsachen stellen wollte. Hat man da gar nichts nichts gelernt?», brachte ein Versammlungsteilnehmer die Problematik auf den Punkt.

Unverständnis löst auch aus, dass zur bevorstehenden Einwendungsverhandlung mit den «legitimierten» Einsprechern pro Partei nur eine Person zugelassen werde und die Versammlung nachmittags um 15 Uhr stattfinde, was sehr ungünstig sei für die arbeitende Bevölkerung. Von den 71 eingegangenen Einsprachen wurden 21 vom Brugger Stadtrat als «legitimiert» für die Verhandlungen zugelassen. Die Anwohner hatten durch ein Baugesuch in der Presse von den Plänen beim Jägerstübli erfahren.

Ausser von einem eher kryptisch eingestuften Plan auf der Bauverwaltung haben sie bisher keine weiteren Informationen von offizieller Seite erhalten. Selbst die Stadt Brugg kritisiert die dürftige Kommunikation, betont aber auch: «Das Projekt ist Sache des Kantons.»

Jetzt sind Informationen gefordert

Jetzt will der Verein einerseits nochmals mit Nachdruck an die Ortsparteien gelangen mit der Bitte, Stellung zu nehmen. Andererseits bittet er die Stadt, «kreativ» zu sein und das Baugesuch vorläufig abzulehnen, solange den Quartierbewohnern in Lauffohr keine tiefgreifende Informationen als Grundlage für ihre Meinungsbildung geboten werde.