Asylunterkunft

Jägerstübli in Brugg: «Das Gros der Asylsuchenden ist nicht kriminell»

Mit dem Bezug der Asylunterkunft kommen die Autos vor dem ehemaligen Restaurant Jägerstübli weg.

Mit dem Bezug der Asylunterkunft kommen die Autos vor dem ehemaligen Restaurant Jägerstübli weg.

Etappenweise werden ab 24. Juni Asylsuchende ins ehemalige Restaurant Jägerstübli in Brugg einziehen. Vorbehalte sind da und dort vorhanden. Grosses Interesse auch.

Kommt die Sprache auf Asylunterkünfte, gehen die Emotionen hoch, sind gehässige Kommentare keine Seltenheit. Nicht in Brugg. Oder nicht mehr. Klar: Dass Asylsuchende in das ehemalige Restaurant Jägerstübli einziehen, sorgt für Diskussionen – für rege zwar, aber nicht für hitzige. Die Menschen müssten ja irgendwo untergebracht werden, dagegen sei nichts zu machen und grundsätzlich auch nichts einzuwenden, war einem Gespräch nach der gut besuchten Informationsveranstaltung für die Quartierbewohner vor der Aula des Schulhauses Langmatt zu entnehmen. Eine Frau ergänzte, dass die Asylsuchenden genauso unsicher seien wie die einheimische Bevölkerung.

Mit der bevorstehenden Jägerstübli-Eröffnung – das zeigte sich ebenfalls – sind da und dort Vorbehalte vorhanden. Die Sicherheit von Frauen und Kindern bereitet offenbar Sorgen. Gleichzeitig besteht ein breites Interesse daran, wie den Asylsuchenden begegnet werden kann, wie sie aufgenommen werden sollen. Auskunft gaben am Montagabend die Fachleute – ruhig, überlegt und offen. Vom Kantonalen Sozialdienst anwesend waren Stephan Müller, Leiter Fachbereich Unterbringung und Betreuung Asyl, sowie Roland Juen, Leiter Sektion Asyl. Red und Antwort standen weiter: Daniel Moser, Stadtammann; Reto Wettstein, Stadtrat; Heiner Hossli, Chef Regionalpolizei (Repol) Brugg.

Bei Verstössen wird gehandelt

Er habe Verständnis für die Ängste, sagte Stephan Müller. Diese könne er den Anwohnern nicht nehmen. Im gleichen Atemzug hob er aber hervor: «Ich bin überzeugt, dass der Betrieb ruhig und reibungslos funktionieren wird.» Auf entsprechende Fragen betonten die Fachleute, dass es im Umfeld von Asylunterkünften erfahrungsgemäss nicht zu einer Häufung von Zwischenfällen – ob Belästigungen, Einbrüche oder Diebstähle – komme. «Das Gros der Asylsuchenden ist nicht kriminell», räumten sie mit einem Vorurteil auf. «Sie haben sich an die hiesigen Gepflogenheiten und Gesetze zu halten.»

Sei dennoch einmal ein Regelverstoss – beispielsweise ein zu hoher Lärmpegel in der Nacht – zu verzeichnen, sind die Verantwortlichen froh um Hinweise aus der Bevölkerung. Denn: «Wir haben überhaupt kein Interesse an Problemen.» Aufgerufen wurde dazu, bei Beobachtungen und unbefriedigenden Situationen nicht zu zögern und sich beim verantwortlichen Betreuer oder bei der Polizei zu melden. Der Austausch sei ganz wichtig.

Müller und Juen versprachen, auf Meldungen umgehend zu reagieren. Würden Regeln missachtet oder überschritten, könne es zu Sanktionen kommen. Personen, die unangenehm auffallen, könnten weggewiesen werden. Bei Störefrieden gebe es zudem die Möglichkeit einer Umplatzierung.

Es gilt eine strikte Hausordnung

Untergebracht werden im Jägerstübli maximal 30 Personen im Alter ab 18 bis etwa 40 oder 50 Jahren. Die Aufenthaltsdauer sei schwierig abzuschätzen, liege – je nach Nationalität und Verfahren – zwischen einem Monat und drei Jahren, führte Roland Juen aus. Tagsüber werden die Asylsuchenden durch einen Mitarbeiter vom Kantonalen Sozialdienst betreut. Dieser leitet auch die die Beschäftigungsmöglichkeiten wie Sprachkurse. In der Nacht übernimmt der mobile Dienst des Kantonalen Sozialdiensts die Kontroll- und Betreuungsaufgaben. Ob die Strassenbeleuchtung in der Nacht wieder eingeschaltet werden könne, wurde gefragt. Die Stadt sei flexibel, sagte Ammann Daniel Moser. Es lasse sich sicher eine gute Lösung finden.

Für das Gebäude gelte eine Hausordnung, die strikte durchgesetzt werde, fuhr Stephan Müller fort. Ein Areal dagegen, auf dem sich die Asylbewerber aufhalten dürfen, werde nicht definiert. Die Männer könnten sich jederzeit frei bewegen. Es gelte zu beobachten, wie sich die Situation – vor allem am Abend – entwickle. «Dafür brauchen wir ein wenig Zeit.» Mit Problemen rechnet Müller indes nicht. Er verwies auf die Erfahrungen mit anderen Asylunterkünften, die sich ebenfalls in Wohnquartieren, auch in der Nähe von Spielplätzen, befinden – also in einer sensiblen Umgebung mit knappen Platzverhältnissen.

Apropos Platz: Dem Autohändler, der derzeit seine Fahrzeuge rund um das frühere Restaurant anbietet, wird künftig nur noch der Bereich auf der rechten Seite zur Verfügung stehen. «Die beiden Nutzungen vertragen sich», sagte Müller.

Bereichernd für beide Seiten

Eine Kontaktaufnahme der Quartierbewohner zu den Asylsuchenden sei durchaus erwünscht, hielten die Fachleute fest. «Das kann für beide Seiten bereichernd sein. Wir bieten gerne Begegnungsmöglichkeiten an.» Die Asylsuchenden, erklärte Müller, seien in der Regel sehr scheu. «Sie sind dankbar, wenn sie mit Respekt behandelt werden.»

Die Informationsveranstaltung verlief ganz so, wie es sich Stadtammann Moser zu Beginn gewünscht hatte. Es gehe weder um eine politische Debatte über das Asylwesen noch um Vergangenheitsbewältigung. Es gelte, sagte er abschliessend, mit der Asylunterkunft zu leben und tolerant zu sein.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1