Bezirksgericht Brugg

IV-Rentner betrieb Indoor-Hanfanlagen: «Ich wollte ein Naturprodukt für mich»

Der Angeklagte hatte in einer gemieteten Lagerhalle in Lengnau Indoor-Hanfanlagen betrieben. (Symbolbild)

Der Angeklagte hatte in einer gemieteten Lagerhalle in Lengnau Indoor-Hanfanlagen betrieben. (Symbolbild)

Ein 55-jähriger Schweizer hatte Indoor-Hanfanlagen betrieben und ist nun vom Bezirksgericht Brugg zu einer bedingten Freiheitsstrafe sowie einer Busse verurteilt worden.

«Ich weiss, weshalb ich hier bin», sagte der Beschuldigte vor Bezirksgericht. Vorgeworfen wurden dem Mittfünfziger, der wegen Gelenkproblemen von der IV lebt, Übertretungen, Vergehen und Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie Gehilfenschaft zum Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Neben dem Konsum von Marihuana wurde ihm vorgehalten, in seiner Wohnung im Bezirk Baden und, zusammen mit einem inzwischen verurteilten Bekannten, in einer gemieteten Lagerhalle in Lengnau Indoor-Hanfanlagen betrieben zu haben.

Gemäss Anklage hatte er aus der Anlage in seiner Wohnung bei drei Ernten aus 73 Hanfpflanzen mindestens ein Pfund Cannabis gewonnen. Den Stoff hatte er an Bekannte teils verschenkt oder verkauft, wobei er gemäss Anklage rund 5000 Franken eingenommen hatte. Der Vorwurf der Gehilfenschaft beruhte darauf, dass er als Elektrofachmann an Indoor-Anlagen seines Bekannten unentgeltlich mangelhafte Elektroanlagen instandgesetzt hatte.

«Gewinn war nicht mein Ziel»

Vor Gericht gestand der Beschuldigte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe im Wesentlichen ein. «In Lengnau sind keine Drogen, sondern nur Stecklinge produziert worden», präzisierte er. «Die Drogen habe ich bei mir zu Hause im Zelt produziert.» Wie er sagte, habe er die Kosten für Miete und Strom für die Anlage in Lengnau, jährlich je rund 4000 Franken, mit seinem Bekannten geteilt.

Auf die Frage von Bezirksgerichtspräsidentin Franziska Roth nach der Motivation für den Einstieg in die Drogenproduktion meinte der Beschuldigte: «Ich habe schon immer gekifft. Dabei habe ich vielfach festgestellt, dass die Ware ungesund war und Kopfweh und Husten bewirkte. Mir war es wichtig, ein Naturprodukt zu haben. Mein Ziel war, für mich etwas Gutes zu haben. Es war nicht meine Absicht, Geld zu verdienen.» Zu seiner Arbeit als Hanfanlagen-Elektriker erklärte er: «Ich habe nichts installiert, sondern nur Fehler behoben, die aus meiner Sicht lebensgefährlich waren.»

Mehr als bloss Eigengebrauch

«Ein Kreis regionaler Betäubungsmittelproduzenten schliesst sich», stellte der Staatsanwalt mit Blick auf den Bekannten des Beschuldigten und weitere beteiligte Indoor-Hanfpflanzer fest, die im Frühjahr im abgekürzten Verfahren zu bedingten Freiheitsstrafen verurteilt worden waren. Der Beschuldigte habe bewusst mehr Cannabis als bloss für den Eigengebrauch produziert und sich dabei in bandenmässige Strukturen begeben, sei aber nicht die treibende Kraft gewesen, erklärte der Staatsanwalt. Er forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten sowie eine Busse von 1400 Franken.

Der Verteidiger sprach von einem leichten Verschulden seines Mandanten. Der Beschuldigte, der nie irgendwelchen Gewinn erzielt habe, sei lediglich der mehrfachen Übertretung und des Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig zu sprechen und zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je maximal 50 Franken zu verurteilen. Wegen sogenannter «Überhaft» sei dem Beschuldigten, der drei Monate in Untersuchungshaft verbracht hatte, überdies eine Genugtuungssumme von 2600 Franken auszurichten.

«Nicht aus Freude am Gärtnern»

Die Mehrheit des Gerichts folgte beim Schuldspruch der Staatsanwaltschaft und verurteilte den Beschuldigten zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten sowie zu einer Busse von 1000 Franken. Die Minderheit hatte sich für eine Freiheitsstrafe von 10 Monaten oder weniger ausgesprochen.

«Das klare Ziel des Beschuldigten lag nicht in der Freude am Gärtnern», stellte Gerichtspräsidentin Roth bei der Kurzbegründung des Urteils fest. «Indem er als Mieter den Raum für die Indoor-Anlage in Lengnau zur Verfügung gestellt hatte, legte er die Basis für den Anbau und den Verkauf der Drogen.»

Es hätte zudem einen Plan für die gemeinsame Pflege der Pflanzen gegeben. Die Zusammenarbeit sei im Team erfolgt. Und Teamwork sei eine Voraussetzung für Bandenmässigkeit.

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