Ihm seien zwar Fälle mit Selecta-Automaten bekannt, aber mit einem Foto-Automaten habe er sich in seiner Berufskarriere bisher noch nie beschäftigen müssen, räumt Michael Plattner, ausserordentlicher Richter am Bezirksgericht Brugg, ein. Der Fall sorgte im vergangenen April für Aufsehen.

Ein damals 54-jähriger Schweizer aus der Region rastete am Bahnhof Brugg auf Gleis 1 aus und stiess den Foto-Automaten um. Dabei entstand ein Sachschaden von 1600 Franken. Die Firma Prontophot erstattete daraufhin Anzeige wegen Sachbeschädigung. Gegen den von der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach ausgestellten Strafbefehl erhob Remo (Name geändert) Einsprache.

«Automat hat Geld genommen»

Als er an jenem Abend in Brugg umstieg, habe er Fotos von sich machen wollen, um sich endlich das öV-Abonnement kaufen zu können, erklärt nun Remo – Brille, Bart, eher klein, feste Statur – den Sachverhalt. Der IV-Bezüger setzte sich in den Foto-Kasten und warf Geld ein. Bei 7 Franken habe er gemerkt, dass er nicht genügend Münz hatte. Remo drückte x-mal auf den Knopf, doch das Geld kam nicht zurück. Zwei Polizisten wechselten ihm dann einen Fünfliber und als er den fehlenden Einfränkler einwarf, waren die bereits bezahlten 7 Franken weg. Remo geriet in Rage, rief die Hotline an und ging an den SBB-Schalter.

Dem Richter sagt er: «Der Automat hatte mir das Geld weggenommen und niemand fühlte sich zuständig. Das machte mich fuchsteufelswild.» Er sei ein Mensch, der es schlecht wegstecke, so machtlos vor einer Maschine zu stehen. Remo lief um den Automaten und begann an diesem zu rütteln, bis der Fotokasten umfiel. «Ich habe den Verstand und die Kontrolle über mich verloren.» Der Schweizer, der nicht vorbestraft ist, spricht von verminderter Zurechnungsfähigkeit.

Warum es zum Strafbefehl wegen Sachbeschädigung kam, kann Remo, der ohne Verteidiger vor dem Richter sitzt, nicht verstehen. Plattner macht geltend, dass er zwar den Ärger verstehe, aber die vorliegende Sachbeschädigung klar illegal sei. Er beruft sich auf die richterliche Fürsorgepflicht und sagt: «Wenn ich Ihr Verteidiger wäre, würde ich Ihnen empfehlen, die Einsprache zurückzuziehen.»

Remo will ins Gefängnis

Remo bekommt bis zur Verhandlungspause Zeit, sich das zu überlegen. In der Folge dreht sich der Dialog zwischen Richter und Beschuldigtem darum, wie Remo mit seinem kleinen Budget die Busse von 400 Franken und die aufgelaufenen Gebühren von zirka 1800 Franken begleichen kann. «Ich habe alles verstanden, mein Plädoyer ist unsinnig», sagt Remo, bevor er die Einsprache zurückzieht. Er werde, was möglich sei, im Gefängnis absitzen. «Die Einsamkeit macht mir keine Angst.»

Mit dem Rückzug fällt ein kleiner Teil der Gerichtskosten an. Der Strafbefehl wird rechtskräftig. Plattner geht davon aus, dass die bedingte Geldstrafe nicht fällig werden dürfte. Remo verlässt den Gerichtssaal sichtlich erleichtert.