Windisch

Ist die neue Überbauung zu gross für Klosterkirche?

Vis-à-vis der Klosterkirche Königsfelden stehen die Bauprofile für die geplante Wohnüberbauung «Linde».

Vis-à-vis der Klosterkirche Königsfelden stehen die Bauprofile für die geplante Wohnüberbauung «Linde».

Mit der Überbauung «Linde» sollen 31 neue Wohnungen, Büro- und Gewerbeflächen im Zentrum von Windisch entstehen. Doch der Architekt Ueli Rüegg sorgt sich um einmalige Umgebung.

Er sei, wie andere Leute auch, kribbelig geworden, als er die Bauprofile gesehen habe, sagt Ueli Rüegg aus Windisch. Er steht an der Abzweigung Lindhofstrasse beim Kreisel an der Zürcherstrasse. Auf dem angrenzenden Areal entlang der Zürcherstrasse ist die Wohnüberbauung «Linde» geplant. «Es geht überhaupt nicht um die Frage, ob gebaut werden soll oder nicht», betont Rüegg. «Es geht um das Wie, respektive das Mass.»

Das Areal «Linde» (rot) befindet sich auf der einen, die Wiese und die Klosterkirche (oben Mitte) auf der anderen Seite der Zürcherstrasse.

Das Areal «Linde» (rot) befindet sich auf der einen, die Wiese und die Klosterkirche (oben Mitte) auf der anderen Seite der Zürcherstrasse.

Der Hintergrund: Mit der fünfgeschossigen Wohnüberbauung «Linde» soll im Zentrum ein Neubau mit 31 Wohnungen, mit Büro- und Gewerbeflächen sowie mit einer Tiefgarage entstehen – also in unmittelbarer Nähe der Klosterkirche Königsfelden, einem Objekt von nationaler Bedeutung. «Das Baugesetz formuliert in aller Deutlichkeit die Einordnung von Bauten in deren Umfeld», stellt Rüegg fest und weist drauf hin, dass erhöhte Anforderungen gelten für Kernzonen und in der Umgebung von geschützten Bauten.

Zu diesen gehört übrigens neben der Klosterkirche auch das Restaurant Waage. Aber offenbar, fährt der Windischer fort, blase in der Randzone entlang der Zürcherstrasse ein anderer Wind. «Es geht um eine Maximierung der Ausnutzung, eine Minimierung des Strassenabstands, um eine volle Beanspruchung der Geschosszahl, Attika eingeschlossen.»

Das Nebeneinander funktioniert

Rüegg ist Architekt und Planer, sass mehrere Jahre für die SP im Windischer Einwohnerrat, war Mitglied der Baukommission sowie der Planungskommission, die für die Revision der Ortsplanung zuständig war. Er machte sich seinerseits dafür stark, dass die grosse Wiese mit niedrigen Obstbäumen vor der Klosterkirche bestehen bleibt. Der Blick sei damit frei auf die eindrückliche Gesamtanlage, dies aus dem vorgelagerten Abschnitt der Zürcherstrasse, aus der Lindhofstrasse oder von der Kopfbaute des Altersheims.

Königsfelden gehört laut Grundbuch dem Kanton, im übertragenen Sinne, so Rüegg, aber einer aussergewöhnlich breiten Öffentlichkeit: Klinikpatienten und Personal, Spaziergängern, Besuchern der Römerstätte, Studenten der Fachhochschule, Künstlern im Kirchraum sowie Wollschweinen, Eseln und Kühen auf der Wiese. «Es ist erstaunlich, wie dieses extrem breite Mit- und Nebeneinander unkompliziert und problemlos funktioniert», sagt der Windischer. «Die Anlage steht nicht nur einem elitären Kreis zur Verfügung, sondern kann von Hinz und Kunz genutzt werden.»

Die Situation mit der dominanten Klosterkirche sei einmalig, führt er weiter aus. Deshalb darf nach seinem Dafürhalten in nächster Nähe nicht ein Vorhaben in der Dimension der geplanten Wohnüberbauung realisiert werden. «Ein Neubau muss sich klar unterordnen in dieser Umgebung.» Komme hinzu, dass das fast dreieckige Areal «Linde» – für das übrigens ein Gestaltungsplan besteht – eine schwierige Form aufweise. Nicht einfach zu lösen seien die Fragen rund um die Einbindung, die Erschliessung, die Parkierung oder den Lärmschutz.

Die zweite Tücke liege darin, dass die Interessenlagen der verschiedenen Eigentümer offenbar unterschiedlich seien. Synergien würden weitgehend wegfallen. «Insbesondere können Gemeinde und Kanton auf diese Weise nicht jedem Beteiligten optimale Bedingungen anbieten.» Als Stichworte nennt Rüegg die Ausnutzung oder die Geschosszahl.

Kritik zur Präsentation

Mit dem Altersheim-Neubau oder der neu erstellten Fehlmannmatte seien zwar ebenfalls Gebäude mit ebenso vielen Geschossen gegeben, räumt Rüegg ein. «Die Situation ist aber nicht vergleichbar. Die Altersheimbauten sind eindeutig zurückversetzt und die Fehlmannmatte steht nicht im direkten Bezug zur Klosterkirche und ihrem Vorfeld.»

Kritisch beurteilt der Architekt die Präsentation des Projekts. Vor der Auflage sei keine öffentliche Vorstellung durchgeführt worden, es seien weder Modelle noch ein Situationsplan vorhanden, in dem das grössere Umfeld einbezogen wurde. Er nehme als Aussenstehender zum Vorhaben Stellung, fasst Rüegg zusammen, wolle als interessierter Bürger seinen Finger auf die wunden Punkte legen und allenfalls eine Diskussion anstossen. Es sei dann an Gemeinderat, Baukommission und Kanton, einen Entscheid zu fällen.

Das Baugesuch für die Wohnüberbauung «Linde» liegt bis 14. September auf der Abteilung Planung und Bau auf. Als Bauherr und Grundeigentümer tritt die Avadis Anlagestiftung mit Sitz in Baden in Erscheinung. Projektverfasser ist das Büro Galli Rudolf Architekten aus Zürich.

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