Bözberg
Ist der Postauto-Zusatzkurs nötig? Gemeinderat und Schule widersprechen sich

In Bözberg stimmt die Gmeind über den Postauto-Zusatzkurs für die Schule ab. Der Gemeinderat will ihn streichen - mit Anpassungen beim Stundenplan sei das möglich. Zudem könnten so 15’000 Franken pro Jahr gespart werden. Die Schule spricht dagegen von einem wegweisenden Entscheid für die Schule.

Michael Hunziker
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Nicht nur zu Fuss oder mit den Velos sind die Kinder unterwegs. Für den Schulweg benutzen sie auch das Postauto.

Nicht nur zu Fuss oder mit den Velos sind die Kinder unterwegs. Für den Schulweg benutzen sie auch das Postauto.

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Am Nachmittag nach der Schule über eine halbe Stunde an der Bushaltestelle warten? Nicht in Bözberg. Zusätzlich zum üblichen Angebot fährt ein Postauto, das um 15.45 Uhr im Ursprung hält. Genutzt wird der Bus vor allem von den Kindern der Ortsteile Linn, Gallenkirch und Oberbözberg. Eingeführt wurde der Zusatzkurs im Zusammenhang mit der Fusion der Gemeinde Bözberg, dem damit grösseren Einzugsgebiet sowie dem Umbau der Schulhäuser.

Der Gemeinderat wollte – nach Verhandlungen mit dem Kanton und der Schule – das Angebot und die Kostenbeteiligung von 15 000 Franken ursprünglich streichen (die az berichtete). Die Frequenzen seien sehr gering und ein früherer Unterrichtsschluss am Nachmittag sei ohne grössere Einschränkungen für die Schule möglich, hielt die Behörde fest.

Für Gemeinderat sind es Extras

Die Schulpflege kämpfte in der Folge um den Bus. An der Gemeindeversammlung im Juni dieses Jahres nahm der Gemeinderat den Überweisungsantrag der Schulpflege entgegen und beschloss, im Winter einen Antrag zum Postauto-Zusatzkurs zu unterbreiten. Jetzt, am 26. November, haben die Stimmberechtigten das Wort.

Der Gemeinderat weist in seinen Ausführungen darauf hin, dass der Kanton mehrere Gesuche aus Bözberg, diesen Kurs in den offiziellen Fahrplan aufzunehmen, immer abgelehnt habe. Es seien nach der Gemeindeversammlung im Juni eine Kostenabklärung beim Kanton sowie manuelle Frequenzzählungen durch die Postauto AG durchgeführt worden. «Durchschnittlich benützten 11 bis 12 Schüler und Kindergärtler den Bus.»

Die Behörde erwähnt weiter die gebundenen Kosten, zum Beispiel Pflegekosten, Sozialhilfekosten etc. Sollten diese «im bisherigen Tempo weiter ansteigen und der Finanzausgleich nach der Übergangsfrist wegfallen, kann sich die Gemeinde beim aktuellen Steuerfuss solche Extras schon bald nicht mehr leisten», so der Gemeinderat. Und: «Ressourcen in der Bildung könnten für sinnvollere Projekte eingesetzt werden.» Mit Blick auf das Leitziel «Stabile Finanzen» ist die Behörde der Meinung, «dass das Problem über Anpassungen beim Stundenplan gelöst werden müsste und somit längerfristig Kosten gespart werden könnten».

Für Schule ist es zentral

Anderer Ansicht ist die Schule. Für Ueli Zulauf, Schulleiter in Bözberg, ist klar: «Wir brauchen den Postauto-Zusatzkurs.» Dieser sei von zentraler Bedeutung für den Schulbetrieb sowie für die Gestaltung des Stundenplans. Der Entscheid sei also, so Zulauf weiter, von wegweisender Bedeutung für die Schule. Das Geschäft dürfe deshalb nicht nur aus finanzpolitischer Sicht beurteilt werden.

Zulauf verweist auch auf die Frequenzen: Die Lehrpersonen hätten nach den Herbstferien während zweier Wochen Zählungen durchgeführt. «Unsere Zahlen unterscheiden sich deutlich von denjenigen des Gemeinderats», sagt der Schulleiter. «Sie sind klar höher.» Präsentiert werden die Zahlen übrigens an der bevorstehenden Gemeindeversammlung. Für Zulauf steht fest: «Viele Schüler sind auf den Bus angewiesen. Der Bedarf ist ausgewiesen.» Komme hinzu, dass mit dem Systemwechsel auf sechs Jahre Primarstufe mehr Schüler gezählt werden könnten und häufiger Unterricht am Nachmittag stattfinde. Anders ausgedrückt: «Der Bus ist tendenziell besser ausgelastet.»

Werde der Zusatzkurs gestrichen, müsse die Unterrichtsorganisation ganz auf den Postauto-Fahrplan angeglichen werden, fährt Zulauf fort. Der Stundenplan sei in erheblichem Mass umzustellen, sodass die Schüler den früheren Bus um 15.15 Uhr erreichen könnten. Konkret müsste der Unterricht am Nachmittag früher beendet werden. Die fehlende Zeit würde am Morgen vorgeholt. Auf den ersten Blick kein Problem, aber der Teufel stecke im Detail, so der Schulleiter. Wenn nämlich am Nachmittag nicht die gleiche Lehrperson wie am Vormittag unterrichte, zum Beispiel Englisch oder Französisch, gelte es, den Zeitausgleich über mehrere Tage hinweg herzustellen. Und für den Kindergarten sei – weil Zeit für Empfang und Verabschiedung, Umkleiden und Weg eingerechnet werden muss – fast kein sinnvolles Programm möglich. Kurz: «Die pädagogischen Überlegungen würden in den Hintergrund treten, die Unterrichtsqualität würde leiden», sagt Zulauf. «Unsere Schule würde ins Abseits gestellt.» Der Schulleiter hofft nun, dass die Stimmberechtigten ein offenes Ohr für die Anliegen der Schule haben. «Jetzt gilt es wirklich ernst.»

Gemeindeversammlung Mittwoch, 26. November, 20 Uhr,
Turnhalle Oberbözberg.

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