Weshalb spannen das Vindonissa-Museum und das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) für eine Ausnahme-Veranstaltung zusammen? «Ganz einfach», sagt Museumsleiter René Hänggi: «Wir sind ein Armee-Museum, das zwangsläufig auf die Blutspur der Römer verweist. Da trifft es sich gut, dass unser Haus mit den humanitären Grundsätzen des Roten Kreuzes in Berührung kommt.»

Deswegen haben sich das Vindonissa-Museum und das SRK am vergangenen Sonntag, dem Tag des Roten Kreuzes, eine Besonderheit einfallen lassen: die Verlebendigung der Geschichte durch eine historische Figur. Nur folgerichtig, dass beide auf den SRK-Gründer Henry Dunant verfielen. Dunant (gespielt von einem Akteur des Zürcher Playback-Theaters) wurde eingeladen und am Sonntag bei beissender Kälte aufs Herzlichste von einem Kinderchor und Samaritern der Region begrüsst.

In Gespräche verwickeln

Hänggi findet für den «neuen» Dunant nur lobende Worte: «Er ging spontan auf die Menschen zu und hat sie gefragt: ‹Wissen Sie, wer ich bin?›» Genau um das ging es: die Bevölkerung in Gespräche über die humanitären SRK-Ziele zu verwickeln.» Hänggi lächelt beim Gedanken an ein Kind, das zweifelnd fragte: «Ist das der richtige Henry Dunant?» Nach einem Spaziergang durch die Stadt traf Dunant beim Vindonissa-Museum ein. Dort wurde er von einem römischen Senator im Tunikamantel (Otto Lukas Hänzi) empfangen.

Die beiden grossen Persönlichkeiten trafen sich nach einem Rundgang dann zu einem geistvollen Dialog über Krieg, Frieden und Humanität. Abgesprochen wurde diesbezüglich nichts. Dunant und Senator sahen sich am Sonntag erstmals; beide haben sich laut Hänggi «hervorragend» vorbereitet. Dementsprechend fesselte das Gespräch auch am Nachmittag, als es eine Zweitauflage gab – diesmal im Beisein von SRK-Direktor Markus Mader.

Zweitauflage ist geplant

Nicht nur dieser war «hell begeistert» über die Veranstaltung, auch die 170 Neugierigen waren es, die das Vindonissa-Museum am Sonntag aufsuchten. Übrigens waren nicht nur Schweizer, sondern auch Australier darunter. Diese hatten nicht die leiseste Ahnung vom Rotkreuz-Tag, «aber Henry Dunant sind sie sehr gerne begegnet», sagt René Hänggi. Der Museumsleiter zieht ein positives Fazit. Jedenfalls soll die packende Geschichtsvermittlung eine Neuauflage erfahren und zwar bei der übernächsten, voraussichtlich 2012 stattfindenden Ausstellung zum Thema «Migration» («Wohin sich die Römer bewegt haben»). Über das Wie wird natürlich noch zu diskutieren sein.