An der Schule Windisch ist seit der Vorweihnachtszeit kein Stein auf dem anderen geblieben. Noch vor den Festtagen gab Gesamtschulleiter Philipp Grolimund seine Kündigung per 31. Juli 2019 bekannt, am 3. Januar wurde es offiziell, dass Schulpflegepräsidentin Judith Zürcher (SP) und Schulpflegemitglied Mirjam Oertli (FDP) ihre Demission per 31. Januar eingereicht haben. Die Abgänge sind die Folge von grosser Unruhe in der Schulpflege und in der Zusammenarbeit mit dem Gesamtschulleiter.

Den Anfang nahm die Geschichte Ende September 2018, als die AZ einen Artikel mit dem Titel «Werden Kinder von SPlern privilegiert?» veröffentlichte. Anonym wurde kritisiert, dass in Windisch drei Kinder des kleinen Kindergartens am Donnerstagvormittag den grossen Kindergarten besuchen dürfen, damit sie betreut sind.

Die Antworten, die an die Medien gingen, wurden offenbar in der Schulpflege nicht abgesprochen. In der Folge reichte CVP-Einwohnerrat Toni Burger eine kleine Anfrage ein, mit der er erreichen wollte, dass die Probleme innerhalb der Schulpflege bekannt werden. Er erhoffte sich davon, dass sich die Situation verbessert. Die Antworten auf die kleine Anfrage wurden ebenfalls intern nicht besprochen. Auch bei der Diskussion im Einwohnerrat rund um die Schulraumplanung wurde Kritik an der Behörde laut. SVP-Einwohnerrat Philipp Ammon verlangte, dass sich die Schulpflege nicht in der Begleitgruppe engagiert, «damit sie sich auf ihre Aufgaben konzentrieren kann».

Der Antrag wurde abgelehnt. Das alles zeigt: In der Schulpflege brodelte es schon länger. Die Kündigung und die Austritte waren die Konsequenz eines schwelenden Konflikts. Drei Faktoren haben dazu beigetragen.

Erstens hat die Kommunikation zwischen Schulpflegepräsidentin und Gesamtschulleiter, aber auch in der Schulpflege bedenklich schlecht funktioniert. Die restlichen Schulpflegemitglieder wurden in zwei Fällen zu spät informiert. Und wenn die Schulpflegepräsidentin sagt, dass ihr erst beim Publikwerden der kleinen Anfrage von Toni Burger klar wurde, dass etwas falsch läuft, dann kann etwas nicht stimmen. Es macht den Eindruck, als wären die Probleme schon länger da gewesen, aber niemand getraute sich, diese intern anzusprechen.

Zweitens, so lässt sich jedenfalls vermuten, kam es innerhalb der Schulpflege zu einem Machtgerangel. Offenbar wollten sich die einen stärker in den Schulalltag einmischen als andere. Eng damit verbunden ist der dritte Punkt: die Uneinigkeiten bezüglich Kompetenzen und Aufgabenteilung einer Schulpflege. Oertli und Zürcher ist es wichtig gewesen, die Meinung der Lehrpersonen in die Entscheide einzubeziehen. Das sei wesentlich für eine gute Schule, sagte Zürcher gegenüber der AZ. Konkret: «Wir waren uns in der Schulpflege nicht einig, wie wir mit den Meinungen unserer Schulleitungen umgehen wollen.»

Das Pflichtenheft für Schulpfleger – es stammt notabene aus dem Jahr 2005 – zeigt, welches die Anforderungen an die Schulpflege sind: Sie ist verantwortlich für die Qualität der Schule und für den Vollzug der kantonalen Vorgaben. Sie ist die oberste Aufsichtsbehörde und erste Instanz für beschwerdefähige Entscheide. Sie stellt die Mitglieder der Schulleitung und die Lehrpersonen an. Und ihr obliegen das Disziplinarwesen sowie – ganz wichtig – die strategische Führung der Schule. Und im Bereich Führungsstil heisst es beispielsweise: «Wir pflegen einen partizipativen Führungsstil. Dieser ist geprägt von Wertschätzung und Toleranz.» Und: «Wir beziehen die Beteiligten in Entscheidungsprozesse ein und setzen gefällte Entscheide um.»

Persönliche Machtgelüste haben in einer Behörde keinen Platz. Es braucht eine konstruktive Zusammenarbeit über die Parteigrenzen hinweg; zum Wohle der Schule. Dazu kommt der menschliche Aspekt in einem solchen Gremium: Die Schulpfleger müssen sicher nicht beste Freunde sein, aber sachlich miteinander diskutieren können und sich gegenseitig respektieren. Das ist elementar.

Der Druck auf die verbleibenden Schulpflegemitglieder (CVP, FDP und parteilos) jedenfalls ist gross. Sie müssen jetzt den Beweis antreten, dass sie die Scherben wieder kitten können. Erst recht, nachdem vorgestern zwei SP-Einwohnerrätinnen den Rücktritt sämtlicher Schulpflegemitglieder forderten. Vor einer Herausforderung stehen auch die Ortsparteien. Die Parteipräsidenten haben sich darauf geeinigt, dass für die zwei freien Schulpflegesitze «unabhängig von der politischen Zugehörigkeit die bestmöglichen Kandidatinnen und Kandidaten gesucht werden». Obwohl: Das müsste doch eigentlich selbstverständlich sein.