Vier Gestalten stehen an der Spitze der Bühne zusammen. «Va’ pensiero», klingen ihre Stimmen durch die Arena in Schinznach-Dorf. Plötzlich stürmt eine Meute aus den Gittertoren hervor, schwarz maskiert: «Giuseppe Verdi, viva!» rufen sie wild durcheinander. Augenblicklich gehört die Bühne ihnen.

Sie, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen hinter den schwarzen Masken, gehören zum Siggenthaler Jugendorchester SJO. Die Gestalten sind Sängerinnen und Sänger, die in der Kinderoper «Insalata Verdi» in die Hauptrollen schlüpfen werden. Die Kinderoper wird parallel zur Produktion «Il Trovatore» aufgeführt.

Der Alltag bleibt draussen

«Kinder haben meist keine Vorstellung davon, was eine Oper ist», sagt Marc Urech, Leiter des SJO. Ihnen sei die Märchenwelt vertraut, das Erzählte. Genau hier liege die Chance. Die eindrückliche Arena trage ihren Teil dazu bei, dass sich die Kinder auf die Opernwelt einlassen können: «Wer durch diesen Eingang tritt, wird erst mal staunen. Der Alltag bleibt draussen; innerlich wird eine Türe zu etwas Neuem aufgestossen», sagt Marc Urech. Er ist zusammen mit Rolando Garza musikalischer Co-Leiter von «Insalata Verdi».

Ebenda meldet sich der fiktive Verdi zu Wort: «Meine Herrschaften, wir sind hier auf der Bühne, in der Oper», ruft Regisseur Olaf Hörbe als Verdi in die Arena. «Nicht in der Wirklichkeit. Hier ist alles nur ein Spiel.» Er blickt einmal in die Runde: «Auch wenn diese Geschichten oftmals nur ausgedacht und erfunden sind, so erzählen sie doch immer etwas von der Wahrheit.»

Statt im Orchestergraben, sitzt das Jugendorchester mitten auf der Bühne; die Kinder im Publikum werden den Jugendlichen auf die Instrumentenklappen schauen können. Solisten zu begleiten, das ist nichts Neues. Diesmal wird das Orchester aber in die Dramaturgie eingeflochten. Die Stimmungen wechseln abrupt: Eben trudelte die blutjunge Violetta guten Mutes auf der Bühne ein, als ihr Vater mit warnenden Worten auf sie einredet. «Ausschnitte aus Opernwerken zu spielen, bedeutet für die Jugendlichen eine technische, musikalische und emotionale Horizonterweiterung», sagt Urech. «Was sie hier erleben, ist an Intensität kaum zu überbieten.»

Ein heimeliges Gefühl

Worin liegt die Chance, wenn Jugendliche für Kinder spielen? «Mit unserer Präsenz können wir ihnen ein heimeliges Gefühl geben», sagt Urech. Nicht erwachsene Musiker werden den Kindern gegenübersitzen, sondern Jugendliche, die vielleicht in der Nachbarschaft wohnen.

Und spätestens, wenn der Bariton Erwin Hurni in der Rolle des «Rigoletto» über die Bühne strauchelt und sich in seinem waschechten Berndeutsch vorstellt, wird jedes Eis zwischen Kindern und Profisängern gebrochen sein.

Kinderoper Insalata Verdi: Neben den Schulvorstellungen finden drei öffentliche Volksvorstellungen statt: Sonntag, 18. August, 10.30 Uhr und 15 Uhr sowie Sonntag, 25. August, 15 Uhr.