Oberflachs
Innovative Traubensorten und Wollschweine: Der Bauernhof als Themenpark

Der Hof Kasteln setzt auf Bio und Unterhaltung. Zu den Aufgaben der Familie gehört auch das Pflegen der Biodiversitätsförderflächen und der historischen Trockenmauern.

Daniel Vizentini
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Der Bauernhof als Themenpark
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Der Hof Kasteln, im Hintergrund zu sehen ist ein Teil der Reben.
Der Bauernhof als Themenpark Der Hof Kasteln in Oberflachs setzt auf Bio, innovative Traubensorten und Unterhaltung; Danièle und Bruno Stadler im Stall mit den RIndern
Der Bauernhof als Themenpark Der Hof Kasteln in Oberflachs setzt auf Bio, innovative Traubensorten und Unterhaltung; Das Schloss Kasteln in Oberflachs
Der Bauernhof als Themenpark Der Hof Kasteln in Oberflachs setzt auf Bio, innovative Traubensorten und Unterhaltung; Der Hühnerstall ist schlicht eingerichtet, damit die Kinder vom Schulheim möglichst viel Handarbeit leisten können
Der Bauernhof als Themenpark Der Hof Kasteln in Oberflachs setzt auf Bio, innovative Traubensorten und Unterhaltung; Auf dem Hof finden auch Anlässe wie Ziegentrekking statt
Der Bauernhof als Themenpark Der Hof Kasteln in Oberflachs setzt auf Bio, innovative Traubensorten und Unterhaltung; Auf dem Hof finden auch Anlässe wie Ziegentrekking statt
Der Bauernhof als Themenpark Der Hof Kasteln in Oberflachs setzt auf Bio, innovative Traubensorten und Unterhaltung; Auf dem Hof leben auch Wollschweine
Der Bauernhof als Themenpark Der Hof Kasteln in Oberflachs setzt auf Bio, innovative Traubensorten und Unterhaltung; Rund 40 Rinder leben auf dem Hof
Der Bauernhof als Themenpark Der Hof Kasteln in Oberflachs setzt auf Bio, innovative Traubensorten und Unterhaltung; Im Gewölbekeller finden Weindegustationen statt
Der Bauernhof als Themenpark Der Hof Kasteln in Oberflachs setzt auf Bio, innovative Traubensorten und Unterhaltung; Mehrere Legehennen leben auf dem Hof
Der Bauernhof als Themenpark Der Hof Kasteln in Oberflachs setzt auf Bio, innovative Traubensorten und Unterhaltung; Die kleinen Wollschweine sind erst wenige Wochen alt
Der Bauernhof als Themenpark Der Hof Kasteln in Oberflachs setzt auf Bio, innovative Traubensorten und Unterhaltung; Der Hof Kasteln, im Hintergrund ein Teil der Reben
Der Bauernhof als Themenpark Der Hof Kasteln in Oberflachs setzt auf Bio, innovative Traubensorten und Unterhaltung; Die kleinen Wollschweine sind erst wenige Wochen alt
Der Bauernhof als Themenpark Der Hof Kasteln in Oberflachs setzt auf Bio, innovative Traubensorten und Unterhaltung; Landwirt Bruno Stadler mit einem seiner Wollschweine
Der Bauernhof als Themenpark Der Hof Kasteln in Oberflachs setzt auf Bio, innovative Traubensorten und Unterhaltung; Die kleinen Wollschweine sind erst wenige Wochen alt

Der Bauernhof als Themenpark

Daniel Vizentini

«Neue Reben braucht das Land», steht auf einer Tafel vor dem Gewölbekeller beim Hofeingang geschrieben. Als Bruno und Danièle Stadler-Duperrex den Landwirtschaftsbetrieb beim Schloss Kasteln in Oberflachs vor 15 Jahren übernommen haben, wuchsen dort die fürs Schenkenbergertal üblichen Traubensorten Pinot Noir und Riesling-Sylvaner. Im Laufe der Umstellung auf Bio pflügten sie die alten Reben um und pflanzten robuste Traubensorten an wie Cabernet Jura oder Solaris, die pilzresistent sind und somit fast ohne Pflanzenschutzmittel auskommen. «Für unsere Klimaverhältnisse und Böden sind diese Sorten ideal», sagt Bruno Stadler.

Mit der Umstellung seien sie dennoch ein Risiko eingegangen, denn das Vermarkten dieser neuen Weine sei eine Herausforderung. Zwei Traubensorten hätten noch nicht einmal einen Namen – und wer kauft schon Weine, die mit Züchtungscodes wie «CAL-01-28» oder «CAL-06-04» angeschrieben sind? «Wir sind daran, diesen Weinen eigene Namen zu geben», sagt er. In der Scheune gleich beim Hofladen steht derzeit ein Poster mit Namensvorschlägen ihrer Kunden aufgehängt. «Juragold», «Kasteler Blut» oder «Castinto» stehen dort etwa als Ideen aufgeschrieben.

Gewölbekeller für Degustationen

Neben Rebbau setzt der Hof Kasteln auf Fleisch, Hochstammobst und Getreide, darunter Weizen und Einkorn, das die Müller Bräu in Baden für ihr Urweizen-Bier benützt. Alles im Bio-Standard. «Davon sind wir überzeugt», sagt Bruno Stadler. «Wir wollen die Konsumenten aber nicht belehren, sondern ihnen attraktive Produkte anbieten und die Werte vom biologischen Landbau übermitteln.» Im Angebot stehen deshalb mehr verarbeitete Produkte, darunter das Natura Beef aus Mutterkuhhaltung und die Trockenfleischspezialitäten.

Über 40 Rinder halten sie auf dem Hof. Weitere Tiere wie Ziegen, Legehennen oder Wollschweine dienen der Vielfalt und der pädagogischen Arbeit mit den Kindern aus dem Schulheim, mit dem der Hof Kasteln eine Leistungsvereinbarung hat. Bei den Hennen etwa ist alles so eingerichtet, dass die Kinder möglichst viel Handarbeit leisten müssen.

Zu den Aufgaben der Familie gehört auch das Pflegen der Biodiversitätsförderflächen und der historischen Trockenmauern. Im Hofladen oder gegen Bestellung werden ihre Produkte direkt vermarktet. Im Gewölbekeller finden hie und da Weindegustationen oder Anlässe statt. Dazu gibt es auf dem Hof Kasteln verschiedene öffentliche Aktivitäten wie Führungen, Ziegentrekking oder gar die Sagenwanderungen «Sagenhaftes aus dem Schenkenbergertal» mit Erzähler Armin Käser. «Wir haben den Ehrgeiz, innovative Dinge anzubieten. Zudem ist das gute Werbung für uns», sagt Bruno Stadler. Der Bauernhof als eine Art Themenpark – für viele Landwirte in der Schweiz eine Notwendigkeit, um finanziell zu überleben. Jedermanns Ding sei dies aber keineswegs. «Gewisse Landwirte mögen dies, für andere hingegen ist es besser, wenn sie einfach professionell Nahrung produzieren und Punkt.»

Unternehmer in harter Branche

Finanziell laufe der Betrieb auf dem Hof Kasteln heute, die Produkte fänden Absatz. «Aber wir mussten unsere Nischen 15 Jahre lang aufbauen», sagt Bruno Stadler. Ohne Grenzschutz und Direktzahlungen vom Bund ginge die Rechnung da nicht auf. «Ich hätte es auch lieber, wenn sich alle Einnahmen über die Produkte ergeben würden», sagt er. Die Tendenz sei aber eine andere. «Die Menschen in der Schweiz geben heute gerade mal knapp 8 Prozent ihres Einkommens für Nahrung aus, gleichzeitig haben sich die Gesundheitskosten verdreifacht – und das hängt doch zusammen.» Qualitativ hohe Nahrung habe nun mal ihren Preis, hierzulande seien zudem die Verhältnisse und Gesetze anders. «Darüber bin ich auch froh», sagt er, «doch mit dem Ausland können wir uns gar nicht messen. Wir können keine Schnäppchenpreise anbieten, genauso wenig wie Schweizer Juristen, Zahnärzte oder Architekten.»

Ein Landwirt sei heute vor allem ein Unternehmer in einer harten Branche. Die Landwirtschaft habe in den letzten Jahren «einen wahnsinnigen Wandel durchgemacht», sagt Bruno Stadler, und dies innerhalb der Grenzen, die die Natur mit ihren Vorgaben und Zyklen unweigerlich setzt. Es gibt Betriebe, die möglichst viel zu automatisieren versuchen, gleichzeitig gibt es auch viele, die aufhören. «Doch ich bin zuversichtlich», sagt er. Dies dank den vielen jungen Landwirten, die neue Ideen und Schwung bringen. «Die Arbeit wird aber anspruchsvoll bleiben.»

Ferien dank Mitarbeiterfamilie

«Ich finde es wichtig, dass der Beruf auch eine Berufung ist», sagt Bruno Stadler. Und bei ihm treffe dies zu. Seine Ehefrau Danièle und er seien beide in Landwirtschaftsbetrieben aufgewachsen, hätten danach aber auch andere Berufe ausgeübt. Bei einem Praktikum im Waadtland lernten sich die beiden kennen.

Bruno Stadler studierte Agronomie und wollte nach sechs Jahren als Berufslehrer und Berater wieder voll als Landwirt arbeiten. Dann stiessen sie auf die Ausschreibung der Pacht vom Hof Kasteln. «Ein schöner, für Schweizer Verhältnisse grosser, vielfältiger Betrieb», sagt er. «Fast zu vielfältig – aber das entspricht mir. Es ist immer etwas los.» Zudem schätzen beide die Lebensform auf dem Hof als Familie mit ihren drei Kindern. Auf dem Hof lebt zudem eine Mitarbeiterfamilie, mit der sie die Arbeit teilen – und dank der sie auch mal Ferien machen können. «Als Landwirt ist man 365 Tage im Jahr angebunden. Zusammen können wir dies ein wenig tilgen.» Nach einer Pause könne man seine Leidenschaft auch wieder motivierter wahrnehmen.

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