Windisch
In Vindonissa hoffen die Legionäre auf reichlich Opfergaben

Die Legionäre machen Bekanntschaft mit dem Internet: Bei der Realisierung der neuen Station «Fahnenheiligtum» auf dem Legionärspfad Vindonissa wird auf Crowdfunding gesetzt.

Michael Hunziker
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Das Legionslager erhält ein Fahnenheiligtum. Lanciert worden ist eine Crowdfunding-Kampagne.

Das Legionslager erhält ein Fahnenheiligtum. Lanciert worden ist eine Crowdfunding-Kampagne.

nn/Archiv az

Römische Götter und aufwendige Opfer: Die Besucher des Legionärspfads in Windisch dürfen sich freuen. Dieses Jahr wird die 11. Station unter dem Titel «Fahnenheiligtum» eröffnet.

Die Zeitreise führt zurück zu den 2000 Jahre alten Kultorten der römischen Legionäre. «Unsere Besucher erwartet zum ersten Mal ein originalgetreu inszeniertes Fahnenheiligtum, wie es die 21. Legion im 1. Jahrhundert n. Chr. in Vindonissa gebaut haben könnte», sagt Legionärspfad-Leiterin Rahel Göldi. «Wir zeigen rekonstruierte Feldzeichen und Fahnen, die Kaiserstandarte und natürlich den Goldenen Adler, das Wahrzeichen der römischen Legionen. Im Fahnenheiligtum wurde auch die Soldkasse der Legionäre aufbewahrt.»

Ziel: Die Besucher begeistern

Wichtiger Bestandteil der neuen Station, fährt Rahel Göldi fort, sind die Audio-Touren, in denen die Besucher die Religion der Römer spielerisch kennen lernen: von den olympischen Göttern über den Kaiserkult bis hin zum damals beginnenden Aufstieg des Christentums.

«In Vindonissa zeugen zahlreiche archäologische Funde wie Götterfiguren, Altäre oder Tempelbauten von der grossen Bedeutung des Glaubens und der Kulte im täglichen Leben der Römer», führt Rahel Göldi aus. Die geplante Station biete die Möglichkeit, dieses spannende Thema einer breiten Öffentlichkeit anschaulich zu vermitteln, fügt die Legionärspfad-Leiterin an. Denn das Ziel sei es, die Besucher zu begeistern, ihnen am Originalschauplatz einen Einblick in die Welt der Antike zu geben, ihnen individuelle Erlebnisse für alle Sinne zu bieten.

Auf der Spiel-Tour «Beim Jupiter – Rettet den Goldenen Adler», macht Rahel Göldi ein Beispiel, werden sich Schulklassen und Familien auf die Suche nach dem verschwundenen Legionsadler begeben. Dabei müssen sie die Götter besänftigen und den Adler wieder beschaffen. Als Belohnung lockt die feierliche Aufnahme in die Legion. «Bei unserer Arbeit richten wir ein spezielles Augenmerk auf die Authentizität des Schauplatzes, der Rekonstruktionen und der Geschichten, die wir unserem Publikum erzählen», sagt Rahel Göldi. Qualität und Innovation seien wichtig.

Auf Unterstützung angewiesen

Apropos Innovation: Für die Station «Fahnenheiligtum» ist eine Crowdfunding-Kampagne lanciert worden, eine Spendensammlung im Internet. Wie kam es dazu? Der Legionärspfad Vindonissa werde ausschliesslich durch Beiträge aus dem Swisslos-Fonds sowie von Sponsoren und Gönnern finanziert, antwortet Rahel Göldi. «Dies gilt auch für neue Vermittlungsprojekte.»

Die Akquirierung von Sponsorengeldern sei aber stets eine grosse Herausforderung, auch wenn dem Legionärspfad der private Förderverein Freunde Vindonissapark zur Seite stehe. «Um für unsere Besucher Neues zu schaffen, sind wir folglich auf finanzielle Unterstützung angewiesen», stellt Rahel Göldi fest. «Das Crowdfunding ist eine junge, gemeinschaftliche und dynamische Art, Menschen für etwas zu begeistern.» Es passe damit perfekt zum Legionärspfad.

Die Kosten für die Station sind nicht ohne, sie belaufen sich inklusive neuer Spiel- und Themen-Tour mit wissenschaftlicher Begleitbroschüre auf 490 000 Franken. Beabsichtigt ist laut Rahel Göldi, 25 000 Franken über das Crowdfunding zu finanzieren. Die ersten Reaktionen seien sehr positiv, freut sie sich. Schon in den ersten 48 Stunden seien 20 Prozent der erhofften Summe verbucht worden. Die Leiterin weist aber darauf hin, dass der Legionärspfad weiterhin auf breite Unterstützung angewiesen ist, ganz unter dem Motto «alles oder nichts». Denn werde die Summe am Ende der Kampagnen-Laufzeit nicht erreicht, werde gar nichts ausbezahlt. «Somit sind auch kleine Beträge wichtig.» Möglich ist eine Unterstützung bereits ab 1 Franken.

Übrigens: Je nach Summe erhalten die Unterstützer später Post vom Legionär, können mit ihrer Familie an einem Brunch mit Legionärsprogramm für die Kinder teilnehmen, einen Blick hinter die Kulissen werfen oder beim Heerlager mit dem Goldenen Adler und den Legionären aufs Schlachtfeld marschieren.

Die Saisoneröffnung auf dem Legionärspfad Vindonissa findet statt mit dem Fest «Der Kaiser kommt!» am Sonntag, 2. April, 10 bis 17 Uhr. Die Einweihung der Station «Fahnenheiligtum» folgt am Sonntag, 18. Juni. Die CrowdfundingKampagne läuft bis 24. April: https://wemakeit.com/projects/die-goetter-von-vindonissa

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