Rottweil/Brugg
«In unserer Stadt bin ich mittlerweile die Stadtschreiber-Mama»

Christiane Frank vom Kulturamt Rottweil kennt die Schweizer Partnerstadt Brugg seit vielen Jahren. Nächste Woche besucht sie einmal mehr die Brugger Literaturtage.

Elisabeth Feller, Rottweil
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Literatur hat die Rottweilerin Christiane Frank schon immer interessiert.

Literatur hat die Rottweilerin Christiane Frank schon immer interessiert.

Michael Hunziker

«Wie erkennen wir uns?» An den strahlenden Gesichtern, denkt die Anruferin aus Brugg. Die Stimme von Christiane Frank klingt am Telefon voller Wärme. Die Vorfreude der Rottweilerin, die seit 12 Jahren im dortigen Kulturamt wirkt, ist gross: Sie wird nächste Woche mit einer Kollegin zu den Brugger Literaturtage reisen.

Nun müssen wir Christiane Frank bloss noch auffinden, denken die Besucher aus Brugg – und das an einem Samstag, im dichten Markttreiben von Rottweil. Christiane Frank hat als Treffpunkt vorgeschlagen, «was in Brugg Schwarzer Turm heisst, bei uns aber das Schwarze Tor ist.» Der Rottweiler Turm wirkt trutziger als sein Brugger Pendant. Doch gerade die Nuancen geben der Städtepartnerschaft Rottweil-Brugg ihre feine Würze.

Brugger Herzlichkeit gefällt

Analog zu Brugg kann auch Rottweil mit Literaturtagen glänzen – nur heissen sie dort Deutsch-Schweizer Autorentreffen. Diese fanden 2013 statt; heuer ist Brugg an der Reihe. «Ich habe mich schon immer für Literatur interessiert», sagt Christiane Frank und findet es schön, dass sie ihren Reiseradius – «jetzt, wo die Kinder grösser sind» – erweitern kann.

Lange überlegen, was ihr an Brugg und den Literaturtagen gefällt, muss die Rottweilerin nicht: «Die kleine, schmucke Altstadt und die Herzlichkeit, mit der wir in Brugg stets empfangen werden. An den Literaturtagen gefällt mir die Runde am Freitagabend, wo sich die Autorinnen und Autoren in Kurzlesungen vorstellen können. Und dann dieses Salzhaus – ein traumhafter Veranstaltungsort.»

Nun kommt Christiane Frank auf einige Unterschiede zwischen den Brugger Literaturtagen und den Rottweiler Deutsch-Schweizer Autorentagen zu sprechen. «Bei uns gibt es am Freitag für die Schreibenden einen offiziellen Empfang sowie eine Stadtführung.» Wie in Brugg werden am Samstag auch in Rottweil öffentliche, kostenlose Lesungen angeboten. Christiane Franks Lippen kräuselt ein Lächeln: «Zudem lesen die Autoren an einer Matinée Drei-Minuten-Texte vor, die sie in Rottweil geschrieben haben. Jawoll, die müssen bei uns Hausaufgaben machen.»

Weil Unterschiede hochleben sollen, führt die Rottweilerin noch mehr an: «Wir haben einen Stadtschreiber.» Das ist keiner, der eine staubtrockene Chronik über die Stadt verfasst, sondern ein junger schreibender Mensch, dem Rottweil ein Aufenthaltsstipendium ermöglicht.

Der Stadtschreiber oder die Stadtschreiberin residiert für drei Monate im Bischöflichen Konvikt – im steten Kontakt mit den dortigen Jugendlichen. Christiane Franks Engagement dafür ist so gross, «dass ich in Rottweil mittlerweile die Stadtschreiber-Mama» bin.

Apropos: Pflegen junge Rottweiler ebenso tiefe Beziehungen zu Brugg wie die ältere und mittlere Generation? «Sie sprechen ein wichtiges Thema an», betont Christiane Frank: «Diese sind tatsächlich noch ausbaufähig. Da müssen wir unbedingt sehen, dass wir den Anschluss nicht verpassen.» Die Rottweilerin kennt aus Erzählungen ihrer Schwiegermutter, wie eng die Bande sein können.

«Ist das nicht wunderbar?»

Aber: Auch die Römer sind ein Bindeglied. Stichwort: Römerstrasse Neckar-Alb-Aare, wo sich Christiane Frank mit Herzblut engagiert. Erneut glänzen die Augen: «2005 wurde der Römerlauf von Windisch nach Rottweil durchgeführt. Das sind 123 Kilometer. Drei Läufer haben das geschafft. Ist das nicht wunderbar?» Doch. Und genau das ist die Freundschaft zwischen Brugg und Rottweil.

Brugger Literaturtage vom 19. bis 21. September 2014: Zehn Autorinnen und Autoren fragen: «Ist literarisches Schreiben lernbar?»

Eingeladen zu den diesjährigen Brugger Literaturtagen sind folgende Autorinnen und Autoren:
Katja Petrowskaja, Thomas Meyer, Thilo Krause, Leta Semadeni, Dorothee Elmiger, Marion Poschmann, Eleonore Frey, Christoph Poschenrieder,
Alain Claude Sulzer und Mirko Bonné.

Freitag, 19. September
19-24 Uhr: Salzhaus, Literaturbeiz
20.30 Uhr: Salzhaus, Literarische
Soiree mit Kurzlesungen der beteiligten Autoren und Autorinnen

Samstag, 20. September
9.30 Uhr: Salzhaus, Barbetrieb
Lesungen im Salzhaus um 10 Uhr, 10.45 Uhr, 12–13 Uhr.
Lesungen im Rathaussaal um
13.30 Uhr, 14.15 Uhr, 15.30 Uhr,
16.15 Uhr.
Lesungen im Odeon um 17.30 Uhr und 18.15 Uhr
Ab 20 Uhr im Salzhaus Patti Basler & die Vögelzwillinge
19.30 bis 01.00 Uhr Salzhaus, Literaturfest mit Kultur und Küche

Sonntag, 21. September
9.30 Uhr: Salzhaus, Barbetrieb
10.30 Uhr: Salzhaus, «Ist literarisches Schreiben lernbar?», Gespräch zwischen den Autorinnen, Autoren und einer Vertreterin des Bieler Literaturhauses. Ein- und Ausleitung durch Schülerinnen und Schüler der Kantonsschulen Baden und Wettingen.
12 Uhr: Schluss der Literaturtage 2014.
Sämtliche Veranstaltungen: freier Eintritt.

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