Windisch
In Sachen Bauen hat nun ein Berner das Sagen in der Boomgemeinde

Der 49-jährige Roland Schneider hat seine Tätigkeit als Leiter der Abteilung Planung und Bau aufgenommen. An seiner neuen Stele reizt ihn, dass er «mittendrin» steht. Schneider findet: «Wir dürfen nicht auf Kosten kommender Generationen leben».

Michael Hunziker
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Als neuer Leiter der Abteilung Planung und Bau hat Roland Schneider sein Büro im 7. Stock des Gemeindehauses bezogen. mhu

Als neuer Leiter der Abteilung Planung und Bau hat Roland Schneider sein Büro im 7. Stock des Gemeindehauses bezogen. mhu

Es war Liebe auf den zweiten Blick. Bei seinem ersten Besuch in Windisch seien ihm nur die vielen Baustellen und die stark befahrene Hauptstrasse aufgefallen, erinnert sich Roland Schneider mit einem Schmunzeln. Die Stelle als Leiter der Abteilung Planung und Bau aber interessierte ihn – und kurz darauf schloss der Berner die Gemeinde mit den schmucken Wohnquartieren in sein Herz: «Windisch hat viel Charme.»

Zur Person

Roland Schneider (49) ist im Kanton Bern aufgewachsen und lebt heute mit seiner Partnerin in Fraubrunnen. Am 1. Dezember 2013 trat der diplomierte Architekt und Projektleiter mit einem 100-Prozent-Pensum die Nachfolge von Kurt Schneider als Leiter der Abteilung Planung und Bau in Windisch an. Als Hobbys bezeichnet er neben seiner «riesigen» Modelleisenbahnanlage die Natur - «Gärtnern liegt mir, Pflanzen und Tiere interessieren mich». Früher bestritt er Wettkämpfe als Orientierungsläufer, heute steht er der OL-Gruppe Biberist als Präsident vor. Mit seiner Begeisterung für diese Sportart hat er offenbar Sohn Florian angesteckt. Dieser gewann 2013 die OL-Junioren-Weltmeisterschaft in der Sprintdistanz. (mhu)

Am 1. Dezember des letzten Jahres bezog Schneider sein Büro im 7. Stock des Gemeindehauses. Die Tätigkeit in einer Zentrumsgemeinde dieser Grösse, die Funktion mit Kontakten zu Handwerkern, Planern sowie Behörden sei es gewesen, die ihn gereizt habe. «Ich stehe mittendrin. Das macht es so spannend.» Mit seinen bald 50 Jahren und seinem beruflichen Hintergrund sei der Zeitpunkt reif gewesen, noch einmal etwas Neues zu wagen.

Vom Ausführenden zum Auslöser

Seinen Werdegang bezeichnet Schneider als klassisch. Er liess sich erst zum Hochbauzeichner, später zum Architekten ausbilden und war als Projektleiter in Führungspositionen tätig. «Ich habe mein Handwerk von Grund auf gelernt.» Als Vertreter der SP im Gemeinderat Stettlen BE sei er «vom Ausführenden zum Auslöser» geworden.

Daran hatte er Freude, erfuhr gleichzeitig auch, dass der Einsatz der Behördenvertreter oft wenig gewürdigt wird. Erfahrungen, die ihm in der jetzigen Position entgegen kämen, ist Schneider überzeugt. Auch kenne er die Sorgen der Kommunen, sie seien überall ähnlich. «Schaut man die Leitbilder und Entwicklungskonzepte an, so unterscheiden sie sich grundsätzlich oft nur geringfügig.»

Vor seiner neuen Aufgabe habe er einen gesunden Respekt, gibt Schneider unumwunden zu. Die Abteilung Planung und Bau trage eine riesige Verantwortung. Er verweist auf das Portfolio mit Tiefbauten und Hochbauten – mit einem Volumen von zig Millionen Franken. Auch wenn der Begriff «Nachhaltigkeit» abgedroschen klinge: «Wir dürfen nicht auf die Kosten der kommenden Generationen leben.»

Heidi Ammon: «Zentrale Funktion»

Die Leitung der Abteilung Planung und Bau nehme eine zentrale Funktion in der gesamten Verwaltung ein, sagt Heidi Ammon, Gemeindeammann in Windisch. Neben der Führung von rund 25 Mitarbeitern sei die Rede von den Bereichen Planung, Vorbereitung sowie Überwachung von Investitionen und Unterhaltsarbeiten sowohl der Einwohnergemeinde als auch der Eigenwirtschaftsbetriebe. Das Anforderungsprofil für diese Aufgaben sei sehr breit, der Stellenmarkt sei ausgetrocknet. «Windisch befindet sich in einem wegweisenden Entwicklungsprozess. Nachhaltigkeit und Wertschöpfung sind zwei Aufgaben, die anzustreben, respektive die es weiterzuverfolgen gilt», sagt Heidi Ammon. (mhu)

In Windisch sei er mit offenen Armen empfangen worden, sagt Schneider. Im ersten Monat habe er sich einen Überblick verschafft, die Gemeinde und das Team kennen gelernt. In diesem Jahr hat er sich zum Ziel gesetzt, die verwaltungsinternen Abläufe wo nötig anzupassen, die Zuständigkeiten klar zu regeln.

Prägende Vorhaben für Region

Weitere Schwerpunkte seien die Gesamterneuerung der Bau- und Nutzungsordnung (Ortsplanung) unter dem Titel «Raum Brugg Windisch» sowie die Südwestumfahrung Brugg. «Diese Vorhaben werden die Region massgebend prägen.» Er freut sich auf die politischen Diskussionen, auf die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden. Sowieso: Das Gartenhag-Denken sei ihm ein Gräuel, sagt der neue Abteilungsleiter. «Viele Themen müssen übergeordnet angepackt werden, viele Probleme können von einer Gemeinde alleine gar nicht gelöst werden.» Als Stichworte nennt er neben dem Verkehr und der Siedlungsentwicklung auch die Ver- und Entsorgung.

Schneider versteht, dass Ausdrücke wie «Innenverdichtung» Ängste schüren können. Seine Aufgabe werde es deshalb auch sein, zu vermitteln und aufzuzeigen, dass Veränderungen nicht negativ sein müssen. «Man kann Gutes erhalten und sich gleichzeitig weiterentwickeln.» Selber bezeichnet er sich als pragmatisch und besonnen – Eigenschaften, die bei diesen Prozessen hilfreich seien. Spricht Schneider in seinem Berner Dialekt, ist tatsächlich kaum vorstellbar, dass ihn etwas aus der Ruhe bringen kann. «Es braucht einiges, um mich auf die Palme zu bringen», bestätigt er. Aber er könne sich durchaus ärgern – über fehlende Toleranz beispielsweise.

Dass er bisher keinen Bezug zu Windisch hatte, sieht der neue Leiter der Abteilung Planung und Bau übrigens nicht als Nachteil. Im Gegenteil. Als Aussenstehender könne er unvoreingenommen ans Werk gehen. «Ich bin niemandem etwas schuldig.»