Mülligen
In Mülligen ist nicht der Kies, sondern der Verkehr das Problem

Kropfleerete am Informationsanlasszum Kiesabbau im Langacher Birrhard: Der Kiesabbau bringt zu viel Lastwagen-Verkehr. Jetzt fordern Anwohner, dass eine direkte Auffahrt zur Autobahn erstellt wird.

Louis Probst
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Der Stein des Anstosses: Die Wegfahrt auf die Birrfeldstrasse.

Der Stein des Anstosses: Die Wegfahrt auf die Birrfeldstrasse.

Louis Probst

Kiesabbau bringt nicht bloss «Kies» - im pekuniären Sinn - sondern leider auch Lastwagen-Verkehr. Das gilt auch für das Kiesabbauvorhaben der Agir AG im Gebiet Langacher in Birrhard, für das jetzt der Richtplan angepasst werden soll. Der erwartete Mehrverkehr stand denn auch im Mittelpunkt einer Informationsveranstaltung, zu der der Gemeinderat Mülligen eingeladen hatte.

«Wir leben mit und vom Kies»

«Die Gemeinde Mülligen ist nicht gegen den Kiesabbau», betonte der Mülliger Gemeindeammann Leo Grünenfelder. «Sie lebt seit Jahren vom und mit dem Kiesabbau. Mit dem Abbau im Langacher in Birrhard ist aber für Mülligen eine neue Situation entstanden. Der Gemeinderat hat daher verlangt, dass optimale Bedingungen geschaffen und die Verkehrsemissionen für die Bevölkerung von Mülligen möglichst gering gehalten werden müssen. Die Agir AG sichert Mülligen zu, dass kein Verkehr aus dem Abbaugebiet Langacher durch das Siedlungsgebiet geführt wird. Der Verkehr wird durch das Werkareal der Holcim zur A3 geführt. Zudem sind bei der Ausfahrt der Holcim-Werkpiste auf die Birrfeldstrasse bauliche Massnahmen vorgesehen.»

Wie Gemeindeammann Grünenfelder sagte, sei zudem in Verhandlungen festgehalten worden, dass die Agir AG der Gemeinde Mülligen eine Inkonvenienzentschädigung von 50 Rappen pro Kubikmeter abgebauten Kies ausrichten werde. Der definitive Vertrag werde zu gegebener Zeit der Gemeindeversammlung vorgelegt.

In der sehr engagiert geführten Diskussion nach Grundsatzreferaten von Jörg Hartmann (Abteilung Raumentwicklung des Kantons), Daniel Challandes (Holcim) und Marino Crescionini (Agir AG) – dessen Ausführungen zur Agir AG durch Zwischenrufe etwas unsanft abgeklemmt wurden – zeigte sich klar, dass der Verkehr Stein des Anstosses ist. Die Versicherung, von Marino Crescionini: «Die Agir will nicht durch Mülligen fahren. Wir lassen uns dafür auch büssen», vermochte daran nichts zu ändern.

«Die Bevölkerung von Mülligen hat nichts gegen den Kiesabbau», betonte Bruno Baumann, der zusammen mit 22 weiteren Privatpersonen in der Vernehmlassung zur Richtplan-Anpassung Vorbehalte gegen den Verkehr aus dem Abbaugebiet Langacher geltend gemacht hatte. «Es heisst jetzt, dass kein zusätzlicher Verkehr durchs Dorf und das Siedlungsgebiet von Mülligen geführt werde», erklärte er. «Was ist aber mit dem Bergacker und der Trotte? Diese Gebiete gehören auch zu Mülligen. Wir sind der Meinung, dass der Kanton schauen soll, dass eine Auffahrt zur Autobahn erstellt werden kann. Damit ist allen geholfen.»

Keine Chance für Auffahrt

Jörg Hartmann meinte dazu: «Wir wären aus Sicht des Kantons froh, wenn sich das machen liesse. Wir kämpfen schon für den Erhalt der Autobahn-Werkausfahrt. Der Bau einer Auffahrt ist nach Meinung der Fachleute nicht zu verantworten. Es ist praktisch ein Ding der Unmöglichkeit, dafür vom Bund eine Bewilligung zu erhalten. Man darf sich da kein X für ein U vormachen.»

Auch der Vorschlag, die Holcim-Werkpiste tiefer zu legen, um einen natürlichen Lärmschutzwall für die Gebiete Bergacker und Trotte zu schaffen, sei erwogen worden, sagte Hartmann. Er bringe aber bloss eine Verlagerung.

Auf den Vorwurf, dass der Gemeinderat Birrhard mit seiner Zusage zur Anpassung des Richtplanes Mülligen den Schwarzen Peter zuspiele, entgegnete Ursula Berger, Birrhards Frau Gemeindeammann: «Wir sind mit der Idee, die Langgasse als Kantonsstrasse auszugestalten beim Kanton nicht durchgekommen. Es ist uns nicht möglich, die Langgasse so auszubauen, dass sie den Verkehr aus dem Abbaugebiet aufnehmen kann.» Vorwürfe wurden aber auch an die Adresse des Kantons laut. «Auch vom Kanton aus muss man etwas tun», wurde aus dem Publikum gefordert. «Man kann nicht einfach sagen, das ist ein Kiesabbaugebiet.» Gemeindeammann Grünenfelder versicherte, dass der Gemeinderat am Ball bleiben und versuchen werde, die Anliegen aus der Bevölkerung einzubringen.