«Was? So lange müssen wir auf den Kaffee warten?», witzelt einer der Senioren. Er hat gerade eben den Ablauf des heutigen Mittagstischs erfahren: Nach dem Essen wird ein Vertreter aus dem Stadtrat die Gäste begrüssen und erst dann wird die Kaffeebestellung aufgenommen.

«Das Ziel des Senioren-Mittagstischs ist es, ältere Menschen vor der sozialen Isolation zu bewahren. Die soziale Komponente steht im Vordergrund», erklärt Yvonne Berglund. Sie ist Leiterin der Pro Senectute Aargau. Zwischen 15 und 20 Personen nehmen am Mittagstisch teil, der einmal im Monat stattfindet, so Berglund. Sie fügt hinzu, dass die Teilnehmerzahlen langfristig gesehen rückläufig seien, «aber die Gäste, die teilnehmen, die sind treu.» Einige Teilnehmer kommen schon seit 20 Jahren zum gemeinsamen Mittagessen.

«Das Angebot für Senioren hat zugenommen«

Bis 2006 hätten durchschnittlich über 50 Senioren das Angebot der Pro Senecture genutzt», blickt Berglund zurück. Den Rückgang der Mitgliederzahlen erklärt sie sich damit, dass das Angebot für Senioren heute sehr vielfältig sei. «Früher war der Mittagstisch quasi die einzige Möglichkeit für eine Witwe auswärts zu essen», erklärt Berglund. Heute unternehmen Rentner viel auch auf eigene Faust, fügt sie hinzu.

Brugger bevorzugen ein gutes Gespräch

Die Pro-Senecute-Mittagstische gibt es nicht nur in Brugg: In vielen Gemeinden wird neben einem Mittagsmenu auch ein Rahmenprogramm geboten. «An den meisten Orten jassen die Senioren nach dem Essen oder sie spielen Lotto», erzählt Berglund, «die Brugger bevorzugen es aber, einfach miteinander zu reden.» Manchmal informiere ein Redner zu einem aktuellen Thema oder eine Musikgesellschaft trete zur Unterhaltung auf. Zum 40-Jahr-Jubiläum stellt Rolf Alder das Projekt «Akkord» vor, das bei den Senioren auf Interesse stösst.

Lieber Braten als Thai Curry

Die Menüs seien vorwiegend traditionell, verrät Berglund, «ein grünes ThaiCurry oder Bami Goreng tischen wir sicher nicht auf.» Ein guter Braten werde sehr geschätzt, da alleinstehende Senioren kaum solch einen Aufwand für sich alleine betreiben würden, sagt Berglund. Klassiker wie Geschnetzeltes und Rahmschnitzel mit Nudeln finden bei den Rentnern grossen Anklang.

Die Leiterin von Pro Senectute ist sehr zufrieden mit dem Jubiläumsessen und fügt lachend hinzu: «Obwohl alles anders gekommen ist als geplant.» Sie spielt darauf an, dass die angekündigte Grussbotschaft vom Stadtrat abgesagt werden musste. «Aber ältere Leute nehmen solche Umstände sehr gelassen», sagt Berglund. So freut sich der Herr, der sich anfangs über den Ablauf lustig gemacht hatte, bestimmt: Er kam nun doch unvorzüglich nach dem Essen in den Genuss seines Kaffees.