Brugg

In Europa holt er das Rüstzeug für die Zukunft: «Meinen Eltern zuliebe möchte ich wieder nach Hause»

An Zhang in der Brugger Altstadt: «Am slowUp habe ich ebenfalls mitgemacht.»JAM

An Zhang in der Brugger Altstadt: «Am slowUp habe ich ebenfalls mitgemacht.»JAM

Der Chinese An Zhang (26) arbeitet für seine Masterthesis am Paul-Scherrer-Institut in Villigen und lebt bei einem Lokalpolitiker

«In der Schweiz habe ich ein zweites Zuhause gefunden», sagt An Zhang und lächelt. «Und das, obwohl ich nur neun Monate hier war.» Der 26-jährige Chinese hat eben erst seine Masterarbeit am Paul-Scherrer-Institut in Villigen präsentiert. Geforscht hat er zum Thema «Metallographical Characterization of High-Temperature Water Effects on Fracture Behavior of Low Alloy Steels» (übersetzt in etwa: Metallographische Charakterisierung der Auswirkungen von Hochtemperaturwasser auf das Bruchverhalten von niedriglegierten Stählen).

Aufgewachsen ist An Zhang in einem kleinen Dorf im Süden Chinas, in der Nähe von Schanghai. Die Highschool allerdings war dann in einer grösseren Stadt und für das Studium zügelte er in die chinesische Hauptstadt Peking. Von da zog es ihn nach dem Abschluss 2014 nach Deutschland an die Universität in Aachen, wo er Materialwissenschaften studiert. Für Deutschland entschied er sich, weil er «unbedingt Europa bereisen» wollte und das Land bekannt ist für seine Industrie und Technologie.

Sein erster Eindruck von Deutschland: die Kälte. «Ich kam abends um 6 in Düsseldorf an und es war knapp 10 Grad», erinnert sich An Zhang. Er habe dann mehrere Kleidungsstücke angezogen. Der zweite Schock: die nichtexistierende Tempolimite auf der Autobahn. «Meinem Kollegen wurde schlecht, weil der Fahrer, der uns abgeholt hatte, viel schneller fuhr, als wir es uns von China gewohnt waren.»

Kochen mithilfe von Videochat

Eine Umstellung war auch das Essen. «Sie müssen sich vorstellen: In China essen wir eigentlich immer auswärts. In Deutschland ist das anders», sagt An Zhang und lacht. «Deshalb habe ich erst in Europa kochen gelernt. Geholfen hat mir dabei meine Mutter – per Videochat.»

Inzwischen hat er aber durchaus die deutsche Küche zu schätzen gelernt. «Sauerbraten mag ich sehr gerne», sagt der junge Chinese. «In Aachen gibt es ein Restaurant, das darauf spezialisiert ist. Da war ich bestimmt schon zehn Mal.» Auch Dürüm, Kebab, Spaghetti und Pizza sind jetzt hin und wieder auf seinem Speiseplan zu finden. Übrigens: Chinesischem Essen in Europa kann er nicht viel abgewinnen. «Ihr schmeisst viel zu viel Sojasauce an die Gerichte.»

Weitere kulinarische Erfahrungen machte An Zhang dann, als er vor gut neun Monaten in die Schweiz kam, um am Paul-Scherrer-Institut (PSI) in Villigen zu forschen. Zuerst wohnte er in Windisch, später fand er ein Zimmer über die Plattform «Studentisches Wohnen» in Brugg – bei FDP-Einwohnerrat Peter Haudenschild und seiner Frau Margareth Dürst Haudenschild. 560 Franken hat An Zhang pro Monat für das 20 Quadratmeter grosse, möblierte Zimmer bezahlt, inklusive Nebenkosten. Hin und wieder hat er gemeinsam mit der Familie Haudenschild gekocht, auch Chinesisch, und besonders geschätzt hat der junge Chinese die Gespräche während des Essens – und das Haudenschild-Spezial-Fondue.

Obwohl An Zhang ganz gut Deutsch spricht, drückt er sich lieber auf Englisch aus. Freundlich und mit viel Humor gibt er Auskunft. Während An Zhang in Aachen häufig umzog, war es ihm in Brugg sofort wohl. «Die Leute sind unglaublich freundlich hier, interessieren sich für einen», sagt er. «Und alle bieten ihre Hilfe an.»

Beeindruckt von der Badenfahrt

Obwohl sich der junge Chinese während seiner Zeit am PSI nicht viel Freizeit gegönnt hat, nutzte er die Gelegenheit, in St. Moritz und Zermatt wandern zu gehen. Auch Montreux, Interlaken und Luzern hat er besucht. Ein besonderes Erlebnis sei zudem die Street Parade in Zürich gewesen. «So etwas Verrücktes habe ich noch nie gesehen», sagt er und ergänzt dann: «Die Badenfahrt war auch wunderschön und am slowUp habe ich ebenfalls mitgemacht.»

Für gut zwei Monate kehrt An Zhang nun nach Deutschland zurück, bevor es für ihn wieder ganz nach Hause nach China geht. Er freut sich auf seine Eltern, auf seine Freundin und sein Umfeld. Das Rüstzeug für seine Zukunft hat sich An Zhang in Europa geholt, einen Job sucht er sich jetzt aber in China. «Ich bin ein Einzelkind», sagt er. «Schon nur meinen Eltern zuliebe möchte ich wieder nach Hause zurückkehren.»

Sein Aufenthalt in Deutschland und der Schweiz dürfte sich beruflich gelohnt haben. Ein Jobangebot liegt in der Luft, dennoch wird An Zhang in Köln an einer Jobmesse – angeboten von einer Jobplattform Campus China – teilnehmen, wo Deutsche Unternehmen für ihre Zweigstellen in China frisch graduierte Studenten suchen.

Und bei der Brugger Familie Haudenschild zieht bald eine taiwanesische Studentin ein, die ein Praktikum am PSI absolvieren wird.

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