Hausen bei Brugg
In diesem Schulhaus-Keller vegetieren 500 Kunstwerke dahin

Es ist ein regelrechter Kunstschatz – und das in einem Keller eines Schulhauses: In Hausen vegetieren im Besitz der Gemeinde rund 500 Kunstwerke dahin. «Vor Jahrzehnten waren das gefragte Bilder – heute interessieren sie kaum mehr jemanden.»

Lukas Scherrer
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Christian Wernli mit dem «Kunstschatz» der Gemeinde Hausen. LUKas Scherrer

Christian Wernli mit dem «Kunstschatz» der Gemeinde Hausen. LUKas Scherrer

Lukas Scherrer

In Hausen wird Kultur grossgeschrieben. Seit vielen Jahren sorgt eine Kulturkommission für Konzerte, Musiktage und Tanzveranstaltungen.

Was viele nicht wissen: Die kleine Gemeinde sitzt auf einer beträchtlichen Anzahl Kunstwerke – genauer auf rund 500 Gemälden, Stichen, Zeichnungen und Skulpturen Schweizer Kunstschaffender.

Sie gehören zum Fundus der «Ernst Wildi-Rohr Stiftung» – und fristen ihr Dasein seit Jahren unberührt im Luftschutzkeller des Schulgebäudes.

Vereinzelt schmücken die Bilder zwar die Büros des Gemeindehauses, der grosse Rest wurde aber schon seit über 15 Jahren nicht mehr ausgestellt.

«Vor Jahrzehnten waren das gefragte Bilder», erklärt Gemeindeschreiber Christian Wernli im Untergeschoss des Schulhauses. «Heute interessieren sie aber kaum mehr jemanden.»

Drei Türen schliesst er auf, ehe wir die Schieberegale mit den Kunstwerken erreichen, von deren Masse wir fast erschlagen werden. Reihenweise hängen hier Gemälde von Landschaften, Dorfszenen, Blumen – und vor allem: unzähligen Tieren.

Die meisten stammen von Fritz Hug, einem 1921 geborenen Maler, der sich zeitlebens mit der Tiermalerei beschäftigte.

Für den WWF schuf er 100 Gemälde bedrohter Tierarten und erhielt zu Recht den Übernamen «Maler der Tiere».

Die Werke gehören zur Sammlung eines Hausener Geschäftsmanns, dem 1991 verstorbenen Ernst Wildi-Rohr. Um die Objekte zusammenzuhalten, gründete er vor seinem Tod die Stiftung.

«Der Gesamtwert der Sammlung», erklärt Wernli, «wurde auf 700 000 Franken geschätzt. Bilanziert ist er heute mit einem Franken.» Weil für solche Kunstwerke kein Markt existiere, habe man den Verkehrswert laufend korrigieren müssen.

Auch Christian Wernli gehörte bis vor kurzem zum Vorstand der Stiftung – unfreiwillig, wie er erklärt: «Aufgrund eines Passus in der Urkunde war der jeweilige Gemeindeschreiber Mitglied des Stiftungsrats.»

Doch seit letzten November befindet sich die Stiftung im Umbruch. Zwei Vorstandsmitglieder traten altershalber zurück, ein weiteres freiwillig. «Die Suche nach Nachfolgern gestaltete sich schwierig», sagt Wernli. «Darum kam uns die Idee, die Aufgabe des Stiftungsrats an die jeweils amtierenden Gemeinderäte zu übertragen.»

So könne man auch die Synergien mit der Kulturkommission besser nützen. Als Gemeindeschreiber wird Wernli weiterhin die Stiftung verwalten, aufgrund der Rochade aber nicht mehr im Stiftungsrat.

Noch beläuft sich das Stiftungsvermögen auf rund 200 000 Franken. «Doch die Zinsen sind tief und das Guthaben schwindet unter den Verwaltungskosten immer mehr», so der Gemeindeschreiber.

Kürzlich habe er versucht, die Stiftung in einen Verein umzuwandeln. So hätte man die Rechnungsführung vereinfachen und die Verwaltungskosten senken können.

Bei der Stiftungsaufsicht des Kantons biss er aber auf Granit. «Die Stiftungsstruktur ist ein zu starres Konstrukt, sie kann nicht verändert werden.»

Ist das Vermögen dereinst aufgebraucht, sei es denkbar, die Stiftung aufzulösen und die Werke ins Eigentum der Gemeinde zu übergeben. «Mit der Kulturkommission», so Wernli, «wäre ein Gremium da, das sich um den Nachlass kümmern kann.» Aktuell werde diskutiert, die Bilder an kunstinteressierte Hausener zu verleihen. «Der Entscheid ist noch nicht gefallen, die Idee stösst aber auf Interesse.»

Neben der Verwaltung der Sammlung erfüllt die Ernst Wildi-Rohr Stiftung auch den Zweck, Aargauer Kunstschaffende zu unterstützen. Dem kommt die Stiftung mit jährlichen – mässig besuchten – Ausstellungen zeitgenössischer Künstler nach.

Zwar werden auch diese aus dem Stiftungsvermögen finanziert. Dennoch dürfte es noch Jahre dauern, bis Hausen selbst über die Sammlung verfügen darf – und wohl noch einiges länger, um die Werke gewinnbringend abzustossen.