Brugg-Lauffohr
In diesem Quartierladen trifft sich die Welt – ganz friedlich

Geht nach den Terroranschlägen in Paris bei uns die Angst um vor einer Islamisierung? Betreiber des Quartierladens müssen es wissen. Tahir Usak und Semra Kara erzählen, wie das in ihrem Laden in Brugg-Lauffohr ist.

Michael Hunziker
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Tahir Usak und Semra Kara im Quartierladen an der Zurzacherstrasse.

Tahir Usak und Semra Kara im Quartierladen an der Zurzacherstrasse.

Michael Hunziker

Terroranschläge in Frankreich, Pegida-Demonstration in Deutschland ... und hierzulande? Treten dort, wo Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Religionen aufeinandertreffen, ebenfalls Spannungen auf? Zum Beispiel im Quartierladen an der Zurzacherstrasse in Brugg-Lauffohr? «Nein», sagen Tahir Usak und Semra Kara, die das Geschäft betreiben. «Bei uns gab es bisher keine negativen Erlebnisse.» Im Gegenteil: «Zu unseren Kunden bestehen sehr schöne Kontakte. Viele besuchen uns regelmässig und mit Freude. Vorurteile und Ängste gibt es kaum.» Das Weltgeschehen sei, wenn überhaupt, eher im Team selber ein Thema.

Entscheidend für ein friedliches Nebeneinander sei ein anständiger, respektvoller Umgang, sagt Usak. Er lege Wert darauf, die Menschen, die Gepflogenheiten und die Gesetze zu achten. Als Ausländer sei es von Bedeutung, sich zu integrieren und anzupassen. Übertriebener Nationalstolz oder bewusste Provokationen dagegen könnten zu Problemen führen, weiss Usak. Der gebürtige Türke lebt nach dem Motto: «Erst denken, dann reden.» Und mit diesem sei er bis anhin gut gefahren, habe sich ein intaktes soziales Netz aufbauen können.

Natürlich geben Tahir Usak und Semra Kara gerne Auskunft zu ihrem Heimatland – auch wenn sie mittlerweile eingebürgert sind – oder zu ihrer Religionszugehörigkeit. Aber nur dann, wenn sie darauf angesprochen werden. Dies käme in ihrem Laden ab und zu vor, ihre Kunden seien offen und neugierig.

Bekannter werden ist das Ziel

Rückblick: Anfang des letzten Jahres schloss der Coop Sonnenberg seine Türen. Tahir Usak, der an der Aarauerstrasse in der Nähe des Brugger Bahnhofs ein Lebensmittelgeschäft führt, übernahm die Räumlichkeiten und eröffnete im Herbst eine Filiale mit Produkten für den täglichen Bedarf. Das Sortiment richtete er vor allem auf die Schweizer aus. Diese machten, sagt er heute, etwas mehr als die Hälfte der Kundschaft aus. Daneben könnten Portugiesen, Türken oder Menschen aus dem Balkan begrüsst werden.

Mit der Entwicklung seines Quartierladens ist er zufrieden, die Reaktionen seien positiv. In einem nächsten Schritt gelte es, sich einen Namen zu schaffen und bekannter zu werden. Denn bei den Produkten ausländischer Hersteller seien da und dort Berührungsängste vorhanden. Deshalb werde der persönlichen Beratung viel Zeit eingeräumt. «Wir hoffen, dass uns noch mehr Leute kennen lernen wollen.»