Behutsam greift María nach den vertrockneten Zweigen und zupft sie sorgfältig ab. Dann schmeisst die Kolumbianerin die Zweige in den Kompost. Ein paar Meter weiter kniet die Türkin Duygu am Boden und erntet Zucchetti.

Rosina aus Eritrea knipst derweil mit einer Gartenschere am Tomatenstrauch ein paar Äste ab, während ihre Kinder im Rasen herumtollen, die Birrerin Irène hat immer ein Auge auf sie, damit nichts passiert. Sie hat an diesem Donnerstagnachmittag Kinderhütedienst, damit sich die anderen Frauen in Ruhe um den Garten kümmern können.

Die Wiese, die vor einem halben Jahr noch brachlag, ist heute ein blühender Garten, bewirtschaftet durch Schweizer Frauen und Asylbewerberinnen. Hinter dem reformierten Pfarrhaus an der Dorfstrasse haben Frauen unter der Leitung von Ulrike Ehrhardt und Margrit Schaller den Boden umgepflügt, in Beete unterteilt und bepflanzt. Der Garten gehört seit dem Start am 17. März zu «Heks Neue Gärten» und ist darum vom Kanton Aargau offiziell anerkannt.

Ernten, jäten, plaudern: Im Heks-Garten hinter dem Pfarrhaus ist vieles möglich.

Ernten, jäten, plaudern: Nachmittags im Windischer Heks-Garten.

Heks unterstützt das Projekt

Initiiert wurde das Projekt von den Windischerinnen Ulrike Ehrhardt und Margrit Schaller. Ehrhardt ist seit Jahren leidenschaftliche Gärtnerin. Die frisch pensionierte Berufsschullehrerin Pflege, ehemalige Gewerkschaftssekretärin sowie Leiterin der Frauenkommission des Kantons Aargau, war auf der Suche nach einer sinnvollen Aufgabe in ihrer Freizeit. Zudem beschäftigte sie die Flüchtlingsthematik.

Auch Margrit Schaller ist frisch pensioniert, war früher als Sozialarbeiterin und Supervisorin tätig. Heute ist die SP-Frau noch als Bezirksrichterin tätig.

Unterstützt wird das Gartenprojekt vom Treffpunkt Integration in Windisch. Finanzielle Unterstützung kommt vom Heks, «wir schauen aber, dass wir möglichst wenig Geld ausgeben müssen», sagt Ulrike Ehrhardt. Das hat bis jetzt gut funktioniert.

Viele Menschen aus der Umgebung spenden gerne etwas, auch Naturalien. Vor allem Kompost war am Anfang dringend nötig, denn der Boden hatte kaum noch Nährstoffe. Entsprechend mager sind einzelne Ernten ausgefallen. Ulrike Ehrhardt betont: «Wir wollen nicht auf chemische Mittel zurückgreifen. Darum braucht der Boden halt etwas länger, bis er sich erholt hat.» Trotzdem ist ein Teil des Gemüses ordentlich gewachsen.

Sie sprechen besser Deutsch

Fünf asylsuchende Frauen werden im Heks-Garten von einem Freiwilligen-Team mit Schweizer Frauen betreut. Zwei Frauen aus Eritrea, zwei aus der Türkei und eine Frau aus Kolumbien sind mit dabei. «Für eine Frau hätten wir noch Platz», sagt Ulrike Ehrhardt.

Gesucht sind Frauen, die vorläufig aufgenommen sind oder die Aufenthaltsbewilligung B haben. Denn das Gartenprojekt hat den Zweck, die Frauen in die hiesige Gesellschaft zu integrieren. Das funktioniert vor allem auch über die Sprache. Diesbezüglich hat Ulrike Ehrhardt Fortschritte beobachtet. «Am Anfang getrauten sich die Frauen kaum, mit uns zu sprechen. Jetzt geht es viel besser.» In der Gruppe spreche man konsequent Hochdeutsch.

«Nicht zuviel dreinschwatzen»

Keine der teilnehmenden Flüchtlingsfrauen hatte bisher Erfahrung in der Gartenarbeit. Das hat sich mittlerweile geändert. «Wir haben ihnen beigebracht, dass Mischkultur sinnvoll ist», erklärt Ulrike Ehrhardt. «Trotzdem haben wir uns geachtet, dass wir nicht zu viel dreinschwatzen.»

Umfrage: Warum machen Sie bei diesem Gartenprojekt mit und was gefällt Ihnen daran?

Unterdessen haben sich die Töchter von Duygu und Rosina zu Irène an ein Tischchen gesetzt, um zu zeichnen. Stolz streckt Melak, Rosinas Tochter, eine Zeichnung in die Höhe, die sie mit den Blüten von richtigen Blumen verziert hat. Mama und Papa steht in einem gemalten Herz. Jetzt ist auch Zeit für eine Pause zwischen der Gartenarbeit. Es gibt Pulverkaffee und Früchte zum Zvieri.

Die Nachmittage sind für die angemeldeten Frauen verbindlich. Sie erhalten dafür am Ende eine Bescheinigung, dass sie das Projekt besucht haben. Zwei Jahre lang darf eine Frau beim Projekt mitmachen. Dann sollte sie genügend integriert sein.